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Wolfsbeauftragter: Menschen brauchen keine Angst zu haben

Ratzeburg Wolfsbeauftragter: Menschen brauchen keine Angst zu haben

Die Wolfspopulation in Deutschland ist auf 46 Rudel angewachsen. Im Lauenburgischen gibt es bislang nur Einzelsichtungen. Experte Dirk Hadenfeldt rät zur Gelassenheit, trotz gelegentlicher Risse: Menschen müssten keine Angst vor Wölfen haben.

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Angst ist unnötig sagt der Wolfsbeauftragte Dirk Hadenfeldt (50).

Quelle: dpa

Ratzeburg/Utecht. „Wir haben doch nichts vermisst, als der Wolf nicht da war“, lautete ein Publikumskommentar beim Vortragsabend im SWR Ratzeburg. Referent Dirk Hadenfeldt hatte in seinem Vortrag vor rund 50 Interessierten einige Beispiele von Begegnungen mit Wölfen aus der Region dargestellt. Der Wolfsbeauftragte im Lauenburgischen ist Landwirt und kommt aus der Landesjägerschaft an das Thema Wolf. Er berichtete, dass nachdem im Jahr 2007 der erste Wolf in Schleswig-Holstein überfahren wurde, die damalige Landesregierung das Wolfsmanagement im Land aufbauen ließ.

LN-Bild

Die Wolfspopulation in Deutschland ist auf 46 Rudel angewachsen – Im Lauenburgischen gibt es bislang nur Einzelsichtungen – Experte Dirk Hadenfeldt rät zur Gelassenheit, trotz gelegentlicher Risse – Menschen müssten keine Angst vor Wölfen haben.

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Die ersten Wölfe in Deutschland seien 1999 in Sachsen gesichtet worden, wo Hadenfeldt als einer der ersten Wolfsbeauftragten auch seine Schulungen erhielt. Zusätzlich ist er Riss-Gutachter.

Regelmäßige Sichtungen von Wölfen im Lauenburgischen gäbe es seit 2010. In den Jahren ab 2012 laufen auch vermehrt Wölfe aus Niedersachsen zu. Etwa 40 Rudel seien jetzt in Deutschland heimisch, erklärte der Fachmann. Ein Rudel umfasst fünf bis zehn Tiere. In Schleswig-Holstein gibt es noch kein Rudel. Aber auch einzelne Jungtiere werden immer wieder gesichtet. „Die Anzahl geht schnell nach oben“, so Dirk Hadenfeldt. Der Wolf darf nicht gejagt werden, er steht unter strengem Schutz. Hadenfeldt nannte das Washingtoner Artenschutzabkommen und Schutzgesetze der EU, der Bundesrepublik Deutschland und des Landes Schleswig-Holstein.

An einem Filmbeispiel zeigte der Experte, dass der wild lebende Wolf an sich sehr scheu sei. Ist er aber an den Menschen gewöhnt, nähert sich das Tier durchaus an. „Der Wolf hat sehr feine Sinne, ist sehr lernfähig und kann Gefahren gut einschätzen“, so Hadenfeldt. Brenzlig könne es jedoch für Hundebesitzer und ihre Vierbeiner werden, da der Wolf den Hund als Konkurrenten im Revier ansieht. Der Experte rät: „Hunde an der Leine führen und sich aus der Situation entfernen!“

Wölfe dominieren dort, wo sie leben, die Natur. Dreiviertel der Beutetiere sind Rehe, dazu kommen andere Waldtiere. „Aber“, so der Wolfsbeauftragte, „der Wolf ist ein geschickter Jäger und kann auch als Einzeltier eine Kuh oder ein Pferd reißen“.

Die konkrete Frage aus den Reihen der Gäste, ob es im Kreis Herzogtum Lauenburg Wölfe gäbe, bejahte Dirk Hadenfeldt. Einer der gezeigten Filme gab eine Begegnung bei Neu-Horst wieder, bei der ein Einzeltier wiederholt versuchte, sich einer Schafherde zu nähern. Die Antwort des Beauftragten auf die Frage, ob wir hier Angst haben müssen, lautete: „Nein“. Bei der Begegnung mit einem Einzeltier riet er: „Sich rückwärts zurückziehen und Schutz suchen!“.

Dass der Wolf nicht nur für Verunsicherungen und Ängste bei vielen Eltern, Tierhaltern und Landwirten einerseits sorgt, sondern andererseits die Verbreitung und Sichtung akribisch untersucht und dokumentiert wird, mag bei der Zunahme der Wolfspopulation kaum verwundern. Sicher ist auch, dass der Wolf vor Kreis- oder Landesgrenzen nicht Halt macht.

Claudia Ellmann-Lorenz aus Utecht (Kreis Nordwestmecklenburg) musste vor einigen Tagen drei gerissene Schafe aus ihrer Herde beklagen. Wenige Wochen zuvor waren im etwa fünf Kilometer entfernten Groß

Sarau (Kreis Herzogtum Lauenburg) Spuren eines Wolfes nachgewiesen worden. Nach Auskunft des Wolfsinformationszentrums Schleswig-Holstein handelte es sich hier um eine „Wolfsbeobachtung der Kategorie C 2 – bestätigter Hinweis“. Ellmann-Lorenz rief umgehend erfahrene Jäger und Landwirte hinzu, die ebenfalls einen Wolf als Verursacher vermuteten. Das in Mecklenburg-Vorpommern zuständige Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) beauftragte umgehend einen Riss-Gutachter aus dem Biosphärenreservat Schaalsee-Elbe, der jedoch den Verdacht nicht bestätigte.

Dipl.-Biologin Kristin Zscheile vom LUNG erklärte gegenüber den LN, „dass im Prinzip keine Hinweise für einen Wolf vor Ort gefunden wurden. Der Zahnabstand sei zu klein, ebenso die Kehlbisse. Am wahrscheinlichsten war es ein Hund“. Durch die extremen Wetterbedingungen (Hitzewelle) seien durch den Zustand der verendeten Tiere keine sicheren Laborergebnisse zu erwarten. Damit sei der Vorgang abgeschlossen. „Wir geben Entwarnung“, so Zscheile. Bei Claudia Ellmann-Lorenz bleiben Zweifel. „Wir hatten schon Schafe, die von Rottweilern gerissen wurden. Das sah anders aus!“. Seit dem Vorfall weiden die Schafe nun vorsichtshalber im Hausgarten.

Wolfsbeauftragter Dirk Hadenfeldt sagte bei seinem Vortrag in Ratzeburg auch: „Wir haben heute mehr Wölfe, aber weniger Probleme, als vor einigen Jahren“. Letzteres bleibt abzuwarten. Und zu hoffen.

Wölfe beobachten

Im Wildpark Eekholt (westlich von Bad Segeberg) lassen sich neben vielen anderen Tierarten auch Wölfe in zwei Gehegen beobachten. Die Tiere sind an Menschen gewöhnt. Am Nachmittag gibt es eine kommentierte öffentliche Fütterung.

Das Wolfsinformationszentrum bietet multimedial zahlreiche Informationen und ist auch für Schulklassen jüngerer Jahrgänge geeignet.

Dank freundlicher Genehmigung durften wir hier auch das Foto vom Wolf machen und veröffentlichen.

• Weitere Informationen unter www.wildpark-eekholt.de

 Thomas Biller

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