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Lauenburg Wortgewaltige Unterstützung für die SPD-Kandidatin
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22:15 18.09.2013
Das Publikum und SPD-Bundestagskandidatin Dr. Nina Scheer lauschen gespannt der Lesung von Günter Grass aus seinem Roman „Der Butt“. Der Autor unterstützt Nina Scheer beim Wahlkampf. Quelle: Foto: Alessandra Röder

Rote Samtvorhänge, zwei alte Holzstühle, und auf dem Tischchen ist dekorativ das Rotweinglas bereitgestellt — die Bühnenaufmachung wirkt wie bei einer Theateraufführung.

Dann heißt es Vorhang auf für Günter Grass: Mit tragender Erzählstimme liest er Passagen aus seinem Roman „Der Butt“ vor. Der 85-Jährige ist nach wie vor ein guter Vorleser, reguliert sein Lesetempo und baut Spannung auf. Das vom Alter gemischte Publikum lauscht gebannt seinen Worten.

Die SPD-Bundestagskandidatin Dr. Nina Scheer (42) sitzt mit übereinandergeschlagenen Beinen auf dem Stuhl und macht sich interessiert Notizen. Ab und zu guckt sie zum Lesepult hoch, an dem der über vier Jahrzehnte ältere Autor steht. Grass liest über die Hausfrau Lena Stubbe, die versucht, dem Mitbegründer der SPD, August Bebel, ihr proletarisches Kochbuch schmackhaft zu machen.

Günter Grass gehört zu einer kürzlich gegründeten Initiative von prominenten Unterstützern von Nina Scheer. Der Schriftsteller unterstützt die SPD — natürlich, schließlich ist er seit eh und je bekennender Befürworter der Sozialdemokraten.

Nach der Lesung stellt Nina Scheer mit etwas dünner Stimme Fragen an Günter Grass über Textpassagen, den Wert von Geschichte und die Abkehr der Bürger von der Politik. Grass ist in guter Form. Er antwortet selbstsicher, mit fester Stimme und erregt gestikulierend. Er spricht viel über die Vergangenheit, die glorreichen Taten der SPD von damals: Frauenwahlrecht oder den Acht-Stunden- Tag. Viel zu wenig habe die SPD diese Tatsachen in den Vordergrund gerückt. „Trotz kritischer Einwände ist die SPD mit allen Schwächen und Vorzügen die einzige demokratische Partei“, ruft Grass ins Publikum.

Zustimmender Beifall und begeisterte Zwischenrufe vom Publikum gibt es für Grass‘ Feststellung, Politik sei weitgehend durch Lobbyisten durchsetzt. „Angela Merkel ist ganz klar durch die Atomlobby beeinflusst“, sagt der Schriftsteller. Er wähle daher die Partei, die sich am meisten bemühe, sich diesem Einfluss zu entziehen. Während der Diskussion verlässt eine Gruppe junger Leute den Raum.

Dann verteidigt Grass den SPD-Kanzler Peer Steinbrück: „Es ist im Grundgesetz erlaubt, einen Finger zu erheben.“

Die Bundestagskandidatin und der Schriftsteller appellieren, zur Wahl zu gehen. Gegen Ende lässt Nina Scheer noch schnell einfließen, dass sie gegen Fracking und einem Militärschlag gegen Syrien sei. Dann gibt es die ersehnten Signaturen des Autors, die Leute strömen mit Büchern zu Günter Grass.

Ein politischer Autor

1969hielt Günter Grass 94 Reden, mit denen er den im selben Jahr zum Bundeskanzler gewählten Willy Brandt unterstützte. Im „Tagebuch einer Schnecke“ berichtet er von den Erlebnissen im Wahlkampf.

1982 wurde er Mitglied der SPD, zehn Jahre später trat er wegen der Asylpolitik aus.
2012 provozierte der Schriftsteller durch sein Prosagedicht über die israelischen Kernwaffen „Was gesagt werden muss“.

Alessandra Röder

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