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Zahl der Insolvenzen steigt im Lauenburgischen um ein Drittel

Ratzeburg Zahl der Insolvenzen steigt im Lauenburgischen um ein Drittel

Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der Firmen, die ihr Geschäft aufgeben mussten, um 30 Prozent gestiegen — Besser sieht es im lauenburgischen Baugewerbe aus.

Ratzeburg. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Kreis Herzogtum Lauenburg ist laut statistischem Landesamt um fast 30 Prozent gestiegen. Besonders Einzelunternehmer, Handel und Dienstleistungssektor waren betroffen. Das Baugewerbe hingegen hat die Zahl der nicht mehr zahlungsfähigen Unternehmen mehr als halbiert.

Wenn Kunden fehlen oder die Unternehmer falsch kalkulieren, wird es finanziell schnell eng. Im schlimmsten Fall drohen Zahlungsunfähigkeit und ein Schuldenberg. 68 Insolvenzverfahren wurden im Kreis im vergangenen Jahr geführt. 2014 waren es nur 44 — ein Anstieg um fast 30 Prozent aus einem Vierjahrestief heraus. Damit liegt der Kreis wieder knapp über dem landesweiten Durchschnitt, hat allerdings auch weniger Gewerbe als zum Bespiel der Kreis Stormarn mit 81 Insolvenzen 2015.

Während in fast allen Branchen die Zahl der Unternehmensinsolvenzen angestiegen ist, fällt auf: Im Baugewerbe gingen die Insolvenzen auf weniger als die Hälfte zurück. Waren es 2014 noch zehn, wurden 2015 nur noch vier Insolvenzverfahren geführt. 2012 und 2013 waren es noch 16 Verfahren wegen Zahlungsunfähigkeit.

Er könne natürlich nicht für alle Betriebe in der Baubranche sprechen, sondern nur für die, die in der Bauinnung organisiert seien, sagt Markus Räth, Obermeister der lauenburgischen Baugewerbe-Innung auf Anfrage. „Das muss mit der verbesserten wirtschaftlichen Lage zu tun haben“, sagt er, macht aber auch deutlich: Bis ein Unternehmen insolvent ist, sei es „ein langwieriger Prozess.“ Das Baugewerbe profitiere vom Niedrigzins und dem weiter ungebrochenen Wunsch nach einem Eigenheim. Auch die Wohnraumnot spiele den Unternehmern in die Karten. Eine Insolvenz hätten die Unternehmer „oft selbst zu verantworten“. Selbst vor unvorhersehbaren Situationen sollten sie abgesichert sein, sagt Räth. Von 480 Betrieben in seiner Innung seien pro Jahr nur ein bis zwei von Zahlungsunfähigkeit betroffen.

Ganz anders die Situation im Handel und in der Dienstleistungsbranche: Dort wächst die Zahl der Insolvenzverfahren seit Jahren. Von 2014 auf 2015 verdoppelte sie sich im Dienstleistungsgewerbe und im Handel fast — auf einen Höchststand der vergangenen vier Jahre. 24 Dienstleister mussten aufgeben, 17 Händler.

„Die Zahl der Insolvenzen ist nur eine Seite der Wirtschaftsdynamik-Medaille. Wenn wir das Gründungsgeschehen beziehungsweise die Gewerbeanmeldungen dagegen halten, ergibt sich ein anderes Bild“, , teilt Nils Thoralf Jarck, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer und Leiter des Geschäftsbereiches Existenzgründung und Unternehmensförderung auf Anfrage mit. Einer aktuellen Studie des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft zufolge belege der Kreis Herzogtum Lauenburg beispielsweise beim Gewerbesaldo (Saldo von Gewerbean- und -abmeldungen) im Dynamikranking von 2009 bis 2014 den ersten Platz von mehr als 400 Kreisen bundesweit. „Das heißt, es gab in diesem Zeitraum mehr Gründungen als Abmeldungen“, berichtet Jarck. Das Gewerbsaldo für 2016 liege noch nicht vor.

Diese Dynamik sei „ alles andere als ein Nachteil, denn es folgt dem Grundsatz der ,schöpferischen Zerstörung‘“: Neue Unternehmen entdeckten Nischen oder verbesserten Produkte und Dienstleistungen so, dass bisherige Anbieter weniger verkaufen können und gegebenenfalls aus dem Markt ausscheiden müssten“, sagt Jarck.

Unabhängig von der Branche sind von Insolvenzen vor allem Einzelunternehmer, Freiberufler und Kleingewerbe betroffen. Sie melden aber auch mit Abstand die meisten Gewerbe an. Viele Anmeldungen einerseits und Insolvenzen andererseits zeugten, so Nils Thoralf Jarck, „von einem regional lebhaften wirtschaftlichen Geschehen“, eben einer „schöpferischen Zerstörung“.

Von Philip Schülermann

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