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Zeltstadt „Tillhausen“ öffnet wieder für zehn Tage

Mölln Zeltstadt „Tillhausen“ öffnet wieder für zehn Tage

In Mölln leben 300 Kinder und Jugendliche ab heute in einer von ihnen selbst verwalteten Kommune. Dort warten spannende und lustige Projekte auf sie.

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Ein Teil der 150 Betreuer reiste schon gestern in „Tillhausen“ an. Von links Bosse Klein, Freya Hansen, Ole Klein, Finn Sörensen, Vincent Brüggemann, Marc Porath und Oliver Jürg.

Quelle: Fotos: Norbert Dreessen

Das Stadtspiel. Ab heute hat der Kreis Herzogtum Lauenburg eine Stadt mehr. Sie heißt „Tillhausen“, taucht seit 1999 alle zwei Jahre für zehn Tage auf und verschwindet dann wieder.

Die höchst ungewöhnliche Kommune hat knapp 500 Bewohner und liegt am Ufer des Möllner Schulsees. 300 Kinder aus dem gesamten Kreisgebiet werden hier zehn Tage lang gemeinsam verbringen und sicher wieder eine abenteuerliche Zeit erleben. Mehr als 150 Betreuer sorgen dafür, dass ihnen in jeder Hinsicht eine Menge geboten wird. Veranstalter ist der Kreisjugendring, der von zahlreichen Organisationen unterstützt wird.

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Er behält im Stress die Übersicht: Jugendring-Vorsitzender Jens Pechel.

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Das große Projekt „Stadtspiel — Kinder gestalten ihre Welt“, das den Kindern nicht nur tagsüber Arbeitsmöglichkeiten bietet, sondern zusätzlich Übernachtungsmöglichkeiten mit buntem Freizeitprogramm, war bundesweit das erste seiner Art und lange Zeit einmalig in Deutschland. Es wurde mehrmals mit wichtigen Preisen ausgezeichnet, vergleichbare Aktionen gibt es inzwischen in mehreren anderen Städten.

Die Kinder und Jugendlichen leben zehn Tage lang mit ihren Betreuern in der von ihnen selbst verwalteten Zeltstadt. Auf dem Gelände des Luisenbads mit den angrenzenden Wiesen wurden in den vergangenen Tagen 60 große Zelte aufgebaut, Strom- und Wasserleitungen verlegt und sanitäre Einrichtungen bereitgestellt. Das Rote Kreuz sorgt mit seiner Feldküche für die Verpflegung der rund 450 Personen. Drei Essen am Tag — das bedeutet während der gesamten Stadtspiel-Zeit fast 1400 Mahlzeiten. Auch dafür ist eine beachtliche Logistik nötig, doch die wird vom bewährten Organsisationsteam erledigt. Ute Ostendorf, Chefin des Projektteams und Jens Pechel, Vorsitzender des Kreisjugendrings, haben jedenfalls seit Wochen alle Hände voll zu tun. Pechel hat sogar ein Zelt-Büro mitten in Tillhausen eingerichtet.

Zweimal täglich arbeiten die Kinder ab morgen jeweils zwei Stunden in verschiedenen, vom „Arbeitsamt“ vergebenen Jobs und verdienen sich ihre „Till-Taler“, die stadteigene Währung. Die Auswahl an Berufen ist groß: Ob als Parlamentarier, beim Radio, als Stadtführer, als Profi-Sportler, Artist, Musiker, Handwerker, bei der Bank, der Post, der Stadtreinigung, im Reisebüro, in der Cafeteria oder als Selbstständiger — alle verdienen den gleichen Lohn. Das unterscheidet diese Kinderstadt denn doch vom realen Leben. Zur Kleinstadt in der Stadt gehören übrigens auch eine Kirche und eine tägliche Zeitung.

Die zahlreichen Helfer sind zum Teil schon gestern in die vorübergehende Stadt am See eingezogen, 35 der Zelte dienen allein zum Wohnen. Heute zwischen 14 und 15 Uhr werden dann die eigentlichen Bewohner eintreffen — sicher recht aufgeregt, denn die meisten von ihnen erleben diese Art Selbstständigeit zum ersten Mal.

Um 16 Uhr erfolgt dann heute die offizielle Eröffnung. Sie wird vom Schirmherrn, Landtragspräsident Klaus Schlie, und von Jan Wiegels, Bürgermeister der „befreundeten Nachbarstadt“ Mölln, vorgenommen.

Kinder wählen ihren Bürgermeister
in Mölln ist mehr als nur ein Spiel für junge Menschen: Schon 2007 wurde die Städtepartnerschaftsurkunde durch den Tillhausener und den Möllner Bürgermeister unterzeichnet und Tillhausen offiziell zur Partnerstadt Möllns ernannt. 2011 wurden der Kinderstadt vom Schirmherrn des Projektes, dem damaligen schleswig-holsteinischen Innenminister Klaus Schlie, die Stadtrechte im Rahmen des Stadtspiels verliehen. Die Kinder aus Tillhausen wählen immer einen eigenen Bürgermeister, diesmal am Sonnabend, 28. Juni, um 13 Uhr. Die „Wahlkampfreden“ der Kandidaten werde schon am Freitag von 16 bis 17 Uhr gehalten.

Norbert Dreessen

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