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Lauenburg Zerredet jetzt die Politik Ratzeburgs Umgehung?
Lokales Lauenburg Zerredet jetzt die Politik Ratzeburgs Umgehung?
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20:42 14.12.2017
Schwerlastverkehr in Ratzeburg: Ob er weniger geworden ist, darüber gehen die Meinungen auseinander.
Ratzeburg

Die Ratzeburger Grünen haben bekanntlich schon lange eine abweichende Haltung zum Umgehungsstraßenprojekt. Aber nun schwenkten auch die örtlichen Sozialdemokraten um und verabschiedeten sich von dem Projekt. Eine Kehrtwende, die Irritationen und Diskussionen auslöste.

In Ratzeburg, Mölln, Schmilau und Ziethen rieben sich die Bürgermeister die Augen beim Lesen des LN-Berichts in der vergangenen Woche. Wie berichtet, geht die SPD Ratzeburg davon aus, dass man die Frage der Notwendigkeit einer Umgehung angesichts der verkehrlichen Entwicklungen der vergangenen Jahre neu bewerten müsse. Aber auch die Zukunft biete aus Sicht der SPD neue Chancen, die Natur zu schonen – etwa ein Lkw-Durchfahrtsverbot für Ratzeburg und die Ausweitung der Lkw-Mautpflicht auf Bundesstraßen. Alles in allem, so die Botschaft der Genossen aus Ratzeburg, habe künftig die Gefahr der Naturzerstörung gegenüber einem Entlastungseffekt durch eine neue Umgehungsstraße höheres Gewicht.

Noch sind es nur zwei Parteien in Ratzeburg, die das mehr als 20 Jahre alte Projekt in Frage stellen. Aber auch in anderen Gruppierungen wird darüber diskutiert. Jürgen Hentschel, Fraktionsvorsitzender der Freien Ratzeburger Wähler (FRW) – mit der CDU zusammen stärkste Fraktion in der Stadtvertretung – räumte gegenüber den LN ein: „Dieses Thema wird auch bei uns intensiv diskutiert.“ Allerdings ohne dass sich bislang eine Mehrheit gefunden habe, die Umgehungspläne in Frage zu stellen. Hentschel betonte aber auch: „Jetzt alles zu stoppen, wäre fatal.“

Diskussionen auch bei den Bürgern für Ratzeburg (BfR), die zusammen mit der FDP eine Fraktion bilden. BfR-Chef Sami El Basiouni hat angekündigt, dass das Thema Umgehung gerade stark diskutiert werde, er wolle aber einem Ergebnis nicht vorgreifen. Er sei persönlich der Meinung, dass man eine Neubewertung der Notwendigkeit für eine Umgehung vornehmen könne. Vor allem, weil neue Erkenntnisse vorlägen. So habe sich gezeigt, dass die innerörtliche Umgehung, die sogenannte Südliche Sammelstraße, zusammen mit der Pförtnerampel mit ihren besonders langen Rotphasen schon zu einer deutlichen Entlastung des innerörtlichen Durchgangsverkehrs geführt habe. Allerdings habe ihn die unerwartete Totalkehrtwende der SPD schon verwundert.

Ganz anders die Position der CDU. Die scheint in Stein gemeißelt. Für Fraktions- und Ortsverbandschef Wilhelm Thiele ist „die ganze Argumentationsschiene der SPD schief und nicht richtig“. Über 30 Jahre sei es gegen viele Widerstände geschafft worden, mit der jetzigen Planung eine gute Lösung zu finden. Für Thiele gibt es keine neuen Aspekte, die die Schaffung eines „Bypass“ für den Durchfahrtsverkehr überflüssig erscheinen ließen. „Die Lage der Stadt Ratzeburg hat sich nicht geändert“, betont Thiele und gibt sich überzeugt: „Ich glaube, der Beschluss der SPD ist ein Fehler und entspringt vielleicht mehr einem Drang zur stärkeren Profilierung.“

Glückwünsche hingegen von der Fraktion der Grünen. Deren Fraktionsvorsitzender Stefan Clasen findet es „schön, dass die SPD zur Vernunft gekommen ist“, und vertritt in Sachen Umgehungsplanung eine strikte Haltung: „Die Umgehung würde bei weiterer Konkretisierung ohnehin an Naturschutzbelangen scheitern.“ Aus seiner Sicht seien 20 Jahre Planung auch kein Grund, den Kernbeschluss nicht einfach zu kippen.

Und was sagen die Bürgermeister? Rainer Voß (Ratzeburg): „Ich verfolge mit voller Überzeugung das Projekt.“ Jan Wiegels (Mölln): „Der SPD-Beschluss hat mich ziemlich irritiert.“ Eckhard Rollinger (Schmilau): „Ich bin doch ein bisschen enttäuscht. Der Verkehr hat doch nicht ab-, sonder eher zugenommen.“ Und Karl-Horst Salzsäuler (Ziethen): „Ich habe die Umgehung fast schon aufgegeben.“

Von Matthias Wiemer

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