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Lauenburg „Ziegelei“ – Abriss vom Tisch?
Lokales Lauenburg „Ziegelei“ – Abriss vom Tisch?
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11:10 08.01.2018
Diese Front der ehemaligen Ziegelei ist ein jüngerer Anbau und von den Bedenken der Statiker nicht betroffen. Im rechten Gebäudeteil befindet sich das „Wellnesshuus“. Quelle: Fotos: Strunk
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Groß Weeden

Das Hauptproblem liegt offenbar an einem massiven Stahlpfeiler, der ungefähr in der Mitte der Halle stand und das Dach stützte. Angeblich soll dieser abgebaut worden sein, als der Brennofen der ehemaligen Ziegelei aus der Halle gebracht werden musste. Berkenthins Amtsdirektor Frank Hase: „Insofern war die Statik schon damals nicht gegeben und der Nacheigentümer hätte eigentlich von sich aus tätig werden müssen.“

 

Melanie Luhmann (l.) und Katrin Gauger betreiben mit drei Partnerinnen das „Wellnesshuus Ziegelei“ im Anbau der ehemaligen Diskothek.
„Es handelt sich um eine Kosten- Nutzen-Ab- wägung. Andreas Albrecht BM Rondeshagen

Dieser – es handelt sich um den ehemaligen Diskothekenbetreiber Sigurd Sierig – hatte allerdings nur eine Zwischendecke eingezogen. Aus Sicht-, Wärme- und Lärmschutzgründen. Das war über die Jahrzehnte niemandem weiter aufgefallen. Erst bei der jüngsten Untersuchung wurde klar, dass das Dach keine großen Lasten aushalten würde. Zumindest keine, die durch eine eventuelle Schneedecke von 38 Zentimetern entstünde.

Unmittelbar sei ein solcher Wintereinbruch zwar „derzeit nicht zu befürchten“, so Rondeshagens Bürgermeister Andreas Albrecht. Allerdings hatte man sich im Amt überlegt, das Dach (rund 3000 Quadratmeter Fläche) mit einer Photovoltaikanlage auszustatten. „Über die daraus entstehenden Einnahmen aus der Stromeinspeisung könnten die Kosten für eine neue Dachhaut weitgehend beglichen werden“, erklärt Hase. Der erzeugte Strom würde dann über die Strombörse in Leipzig verkauft werden.

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Die meisten Bürgermeister und Gemeindevertreter der elf Amtsgemeinden liebäugeln mit einer solchen Lösung. Albrecht dagegen äußert sich eher zurückhaltend: „Das ist eine reine Kosten-Nutzen-Abwägung und geht nur, wenn es wirtschaftlich vertretbar wäre.“ Denn immerhin sei die alte Ziegelei ja auch nicht unbedingt ein erhaltenswertes Industriedenkmal.

Wie dem auch sei, der Amtsausschuss Berkenthin hatte auf seiner jüngsten Sitzung am 18. Dezember 2017 beschlossen, eine gewerbliche Nutzung des Gebäudes oder zumindest des Geländes zu prüfen und auf den Weg zu bringen.

Dafür erforderlich ist zunächst eine Bauleitplanung für die benachbarten Gemeinden Rondeshagen und Sierksrade. Die Gemeindegrenze geht direkt durch das Gebäude der ehemaligen Mega-Disko. Dieser B-Plan soll ein Gewerbegebiet ausweisen. Denkbar sei dann, das riesige Gebäude für eine gewerbliche Nutzung zu vermieten oder zu verkaufen, gegebenenfalls sogar auch abzureißen.

„Wir haben allerdings schon einige Anfragen von möglichen Investoren erhalten, die Interesse daran haben, die Halle zu mieten oder zu pachten, um dort eine Photovoltaikanlage zu betreiben“, sagt Hase.

Wenn das aufgrund der prekären Dachkonstruktion nicht möglich sei, wolle man auch über eine Entkernung und Verpachtung des Gebäudes, beispielsweise als Lagerhalle, nachdenken, so der Amtsdirektor.

Derzeit prüfe man die Höhe der Kosten für eine Entkernung des Gebäudes und den Ausbau aller unterschiedlichen Höhen und Ebenen auf den ehemaligen Disko-Tanzflächen sowie die Kosten für die Wiederherstellung der ehemaligen statischen Verhältnisse zu Zeiten der Ziegelbrennerei. „Außerdem fragen wir auch nach, ob es möglicherweise Zuschüsse vom Land für dieses Projekt geben könnte“, sagt Hase. Dafür habe man bereits in der kommenden Woche einen Termin im Kieler Wirtschaftsministerium vereinbart.

Im Amtsbezirk gibt es etliche, die Hase und seinen Kollegen die Daumen drücken. Denn eine weitere Nutzung der ehemaligen Ziegelei liegt allen am Herzen.

Keine Probleme für das „Wellnesshuus“

Groß Weeden. Für Melanie Luhmann und ihre vier Kolleginnen war es zunächst ein Schock, als sie im November hörten, dass die „Ziegelei“ möglicherweise abgerissen werden müsste. Kaum einen Monat zuvor, am 21. Oktober 2017, hatten sie noch ihren Schönheits- und Wellness-Salon in der ehemaligen Hausmeisterwohnung der alten Diskothek eröffnet. „Wir wurden dann auch gleich von einigen Kundinnen darauf angesprochen“, erzählt Luhmann. Diesen konnte sie aber gleich Entwarnung geben: „Unser Gebäudeteil ist nicht betroffen. Das ist ein Anbau, der mit einer dicken Stahlbetondecke ausgerüstet ist.“

Diese Aussage kann Amtsdirektor Frank Hase bestätigen: „Für das ,Wellnesshuus’ besteht kein Anlass zur Sorge.“ Für Melanie Luhmann und Kolleginnen insofern noch ein Grund mehr durchzuatmen, wenn das Hauptgebäude doch erhalten bleiben könnte. unk

 Joachim Strunk

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