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Lauenburg Wildbadern geht es jetzt ans Geld
Lokales Lauenburg Wildbadern geht es jetzt ans Geld
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22:21 10.08.2018
Diese Gruppe wurde an einer verbotenen Badestelle erwischt. Die jungen Leute geben sich zunächst ahnungslos. Das beeindruckt die Ordnungshüter nicht. Die Wildbader müssen ein Bußgeld von 30 Euro bezahlen und hier verschwinden, ebenso die Gruppe im Hintergrund. Die Spuren des verbotenen Feuers stammen übrigens nicht von diesen Männern. Quelle: hm
Ziethen

Hier ein Paar mit einem Kleinkind, dort vier junge Leute mit einem Beachvolleyball und wenige Meter weiter zwei Familien mit Kindern samt Hund – am Ufer des Garrensees herrscht ein buntes Treiben. Auch große Hinweistafeln und die Absperrung mit rotweißem Flatterband haben die Gruppen nicht davon abgehalten, die illegalen Badestellen zu nutzen.

Völlig überrascht reagieren die Wildbader, als sie zunächst von den Vertretern des Naturparks und anschließend von den Mitarbeitern des Ordnungsamtes angesprochen werden. Anders als in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten bleibt es jedoch nicht bei einem Hinweis. Die Wildbader werden zur Kasse gebeten – 30 Euro pro Person. „Alle wollen nur Geld. Und das wegen ein wenig Planschen“, schimpft der junge Familienvater. Seit 15 Jahren fahre er an diese Stelle. „Das interessiert doch keinen. Lasst die Leute doch einfach baden“, beruhigt er sich gar nicht mehr und zuckt widerwillig das Portemonnaie.

Mit drei Teams sind Kreisforsten und das Ordnungsamt des Kreises an diesem Spätnachmittag rund um den Garrensee unterwegs. Immer wieder haben die Förster und Naturparkmitarbeiter in den vergangenen Tagen und Wochen weggeworfene Grills, Zelte und Müll aus den Uferbereichen des Sees entsorgt. Mit Ästen, Gestrüpp und ganzen Baumstämmen haben sie versucht, natürliche Barrieren zu errichten und erwischte Wildbader freundlich ermahnt. Erst am Tag vor den Kontrollen wurden zusätzlich zahlreiche Hinweisschilder aufgestellt und die Absperrbänder weitläufig angebracht. Alles ohne Erfolg. „Das hat hier seit Jahren zugenommen, und seitdem die Bild-Zeitung den Garrensee vor einigen Jahren auch noch zum schönsten Badesee Schleswig-Holsteins gekürt hat, werden wir hier völlig überrannt“, sagt Henner Niemann, Leiter der Kreisforsten und verantwortlich für den Naturpark. So auch die beiden aus Hamburg kommenden Mütter mit ihren Kindern. „Wir wollen unseren Kindern doch die Natur zeigen“, begründen sie ihr Eindringen in den geschützten Uferbereich.

Die Gruppe junger Leute versucht es auf die ahnungslose Tour. Man sei nicht von hier, heißt es. Papiere und Geld seien im Auto. Als klar wird, dass die Ordnungshüter auch gerne mit zum Auto gehen oder die Wildbader zwecks Feststellung der Personalien der bereits wartenden Polizei übergeben würden, tauchen die Ausweise kurzerhand auf. Alle Adressen stammen aus der Umgebung von Ratzeburg.

Immerhin weist einer der Badegäste darauf hin, dass man seine Kippen nicht am Ufer liegenlasse, sondern einsammle. Als er darauf hingewiesen wird, dass das Rauchen im Wald genauso wie Grillen und anderes offenes Feuer nicht zuletzt aufgrund der immensen Waldbrandgefahr strengstens verboten ist und nicht nur mit einem Verwarngeld geahndet wird, lässt er seinen Aschenbecher schnell in der Tasche verschwinden.

Noch während zwei Teams die Personalien der Gruppe aufnehmen, zwängt sich wenige Meter weiter ein Mann mit drei Hunden an der Leine vor den Augen der Ordnungsamtsmitarbeiter unter der Absperrung hindurch ans geschützte Ufer. Auch er muss zahlen. An anderer Stelle steigt ein Jugendlicher während einer benachbarten laufenden Personalienaufnahme über ein Absperrband in den geschützten Bereich neben einer Badestelle. „Das ist einfach dreist. Zumal alle ankommenden Gäste wenige Minuten zuvor doch gerade erst von der Polizei auf die Nutzung der Badestellen hingewiesen worden sind“, sagt Niemann.

Nach einer Stunde sind 18 Verstöße aufgenommen. Die knapp 600 Euro decken bei weitem nicht die Personalkosten des Einsatzes. Dennoch will der Kreis weiter kontrollieren. Auch wird das Verwarngeld möglicherweise weiter angehoben oder künftig gleich deutlich teurere Bußgeldverfahren eingeleitet. „Uns bleibt überhaupt nichts anderes übrig“, sagt Niemann. „Dass es an diesem ökologisch sensiblen See überhaupt drei Badestellen gibt, ist schon ein Zugeständnis der Naturschutzbehörde.“

Nährstoffarmes Gewässer

Der Garrensee zwischen Ratzeburg und Mustin gehört neben dem Bültsee und den Ihlsee bei Bad Segeberg zu den besonderen, relativ nährstoff- und kalkarmen Seen in Schleswig-Holstein.

Aufgrund der relativen Nährstoffarmut, des bis in größere Tiefen klaren Wassers sowie des sandig-kiesigen Bodens kommt im Segeberg Ihlsee die seltene Strandlings-Gesellschaft vor. Das ist eine Pioniergemeinschaft, die nur in der Uferzone kalk- und nährstoffarmer Gewässer wächst. Einzelne Arten dieser Gemeinschaft sind auch aus dem Garrensee im Kreis Herzogtum Lauenburg bereits verschwunden.

Holger Marohn

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