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Zu Fuß auf der künftigen

Ziethen/Schmilau Zu Fuß auf der künftigen

Die Forderung nach der östlichen Ortsumfahrung um Ratzeburg Richtung Mölln ist fast so alt wie die Wiedervereinigung. Doch die Umsetzung dauert schon Jahrzehnte. Nun steht die Linie fest, die es zu erwandern gilt. Ein Selbstversuch.

Ziethen/Schmilau. Das Timing für den Spaziergang ist geradezu perfekt: Nach einer gefühlt monatelangen Regenzeit ist am vergangenen Montag genau der richtige Moment gekommen. Um kurz nach 10 Uhr sorgt die Sonne am wolkenlosen Himmel schon für angenehme 20 Grad. Unsere Wanderung – ich werde begleitet von zwei Kameras mit Stativ, einem Nordic-Walking-Stock, der einfach nur lästig ist, und einem mit Karte, Brötchen, Wasser, Insektenmittel und Regenjacke (man weiß ja nie!) gepackten Rucksack – beginnt am östlichen Ortseingang von Ziethen an der Bundesstraße 208.

Die Trasse der künftigen Umgehungsstraße, erzählt Karl-Horst Salzsäuler später, beginne aber schon auf der Hälfte der Strecke zwischen Ortseingang Ziethen und Sande (Richtung Mustin): „Wir möchten den Schwerverkehr möglichst weit aus dem Ort heraushalten“, sagt Salzsäuler, der seit 35 Jahren Bürgermeister seiner Gemeinde ist und die ganze Umgehungsdiskussion von Anbeginn miterlebt hat.

Auch die von Ost nach West führende Straße Elisberg mitten durchs Gewerbegebiet ist ein Stück zu weit nördlich angesetzt, als dass sie als ein Stück der künftigen Umgehung in Frage kommt. Tatsächlich wird die Trasse auf der jetzigen Zufahrt der Firma Zube zur nahe gelegenen Kiesgrube entlang führen.

Die Hoffnung, man könne schnurstracks auf der vom LBV ausgearbeiteten Linie marschieren, zerstiebt schon nach wenigen hundert Metern. Vielmehr geht es im Zickzack-Kurs voran. Denn noch längst sind nicht die Bagger und Raupen im Einsatz, die künftig für eine flache Piste sorgen sollen. Diejenigen Maschinen, die mir begegnen, buddeln in Kies und Sand der Grube und lassen sich nicht stören. Aber hier führt kein Weg hindurch. Statt dessen geht es über Stock und Stein, durch morastige Fahrspuren im Weizenfeld, über dornenbewehrte Knicks und später durch Brennnessel-Dickichte in Waldstücken.

Der ausgiebige Einsatz des Mückensprays freut sicherlich die chemische Industrie und auch den Handel. Allein die summenden Minimonster stört es nicht im Geringsten, wie man noch heute an den zahlreichen Beulen und Stichen an den vor drei Tagen unbedacht unbedeckten Körperstellen erkennen kann.

Die Karte von der Webseite des Bundesverkehrsministeriums (http://bit.ly/2fsCa16) hilft auch nicht wirklich weiter. Bei dem Versuch, die Strecke auf den faltbaren Plan des Amtes Lauenburgische Seen zu übertragen, liegt man schnell einige Dutzend oder gar hundert Meter daneben.

Gezwungenermaßen, wenn nämlich ein wehrhaftes Wäldchen keinerlei Lücke für einen vollschlanken Redakteur gewährt oder die Landwirte übereifrig mit Stachel- oder Elektrodraht ihre Felder vor Rehen und Wildsäuen schützen, ist auch der unbefugte Wanderer zu Umwegen gezwungen. So registriert die Map-App auf dem Smartphone am Ende fast die Hälfte mehr an Strecke, wie sie tatsächlich mit 10,6 Kilometern laut LBV ausgewiesen ist.

Aber zurück zur Kiesgrube in Ziethen. An der geht es östlich über dichte Weizenfelder an der Alten Ziegelei in der Verlängerung des Zittschower Weges vorbei und dann südlich zum Salemer Weg. Hier ist es um 12 Uhr höchste Zeit für eine kurze Rast. Die zweite Kiesgrube auf der Strecke, zwischen Salemer Weg und östlich der Seedorfer Straße gelegen, zwingt erneut zu einem Umweg. Auf einem Schild am hohen Zaun wird „Lebensgefahr“ ausgewiesen. Dann lieber ein paar Meter mehr durch Feld und Flur.

Heraus komme ich gegenüber des Heidelbeerfeldes an der Seedorfer Straße. Neben diesem führt ein landwirtschaftlicher Weg parallel zur Schmilauer Straße – im Hintergrund ist die Skyline des Senioren-Wohnsitzes Ratzeburg (SWR) zu erkennen – zum Schaalseekanal. Die dortige Feldmarkbrücke wird später wohl einer wesentlich breiteren Überführung weichen müssen. Ob dann die Paddler immer noch so ungestört ihre Bahnen ziehen können? Zumindest müssen sie dann wohl eine andere Geräuschkulisse als jetzt die zwitschernden Vögelein und brummenden Traktoren ertragen.

Joachim Strunk

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