Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Zu viele Schäden: Möllner wollen Wasserturm loswerden
Lokales Lauenburg Zu viele Schäden: Möllner wollen Wasserturm loswerden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:31 16.10.2013
Das Eingangsportal des Möllner Aussichtsturmes ist mit Natursteinen eingefasst. Errichtet wurde das Backsteinbauwerk für die Wasserversorgung der Stadt in den Jahren 1911 bis 1913. Quelle: Fotos: Martin Stein
Mölln

Er ist ein unter Denkmalschutz stehendes städtisches Aushängeschild — und soll jetzt möglicherweise in die Grabbelkiste kommen: Möllns Kommunalpolitiker wollen ihren weithin sichtbaren Aussichtsturm am liebsten verkaufen. Das ist jedenfalls ein denkbares Ziel eines einstimmigen Beschlusses des Tourismusausschusses. Mit ihm wird die Stadtverwaltung beauftragt, ein Markterkundungsverfahren über eine künftige Verwendung des alten Bauwerkes einzuleiten. Hintergrund sind ständige Reparaturkosten am früheren Wasserturm, für die demnächst wahrscheinlich wieder 150 000 Euro bewilligt werden müssen. Ein Ende der Dauersanierung mit vielen neuen hohen Rechnungen ist nicht absehbar.

In der Ausschusssitzung am Dienstagabend war nicht zu übersehen, dass fast alle der anwesenden Kommunalpolitiker den Stadtbild prägenden Backsteinbau so schnell wie möglich los werden möchten. Den Anstoß dazu gab ein von Dieter Ruhland unterzeichneter FDP-Antrag für das Erkundungsverfahren. „Es geht darum abzuklären, ob es am Markt Interessenten für den Kauf oder andere Verwendungsmöglichkeiten gibt“, heißt es am Schluss der Vorlage. Sie wurde einstimmig angenommen, wobei die Vertreter von SPD, Grünen, FMW und FDP dafür votierten, während sich die Christdemokraten der Stimme enthielten. Ratsherr Bernd Schierstaedt (CDU) erläuterte die Unionshaltung mit dem Hinweis auf „das Theater in Ratzeburg“ (siehe Beistück unten) und dem Argument, dass der Aussichtsturm ein touristischer Pluspunkt für Mölln sei.

Ralf Hinze (FDP) begründete den Antrag mit den immer wieder anfallenden beträchtlichen Reparaturkosten. Grundsätzliche Zustimmung signalisierte Oliver Morgenroth (Grüne) mit dem Hinweis, dass eine Bürgerbeteiligung im Rahmen einer Einwohnerversammlung angebracht sei. Udo Betz (FMW) fand den Vorschlag der Liberalen ebenso gut wie Michael Otto (SPD), der dafür plädierte, sich für neue Nutzungsmöglichkeiten zu öffnen. Dieter Ruhland (FDP) fand das Ratzeburger Beispiel gar nicht so negativ: „Die Stadt ist den Turm los.“ Im Übrigen lasse der FDP-Antrag die künftige Nutzung bewusst offen, sagte Ruhland.

Jochen Buchholz, der Chef der für den Turm verantwortlichen Kurverwaltung, berichtete den Kommunalpolitikern von neuen Untersuchungen über den Wandaufbau des 36 Meter hohen Gebäudes, das seit 100 Jahren auf dem Klüschenberg oberhalb des Möllner Kurparks steht. Die Ergebnisse stünden noch aus. Mit Sanierungsarbeiten müsse spätestens Anfang 2014 begonnen werden, einschließlich der Verbesserung der Belüftung. Dafür würden auf jeden Fall etwa 37 000 Euro fällig. Um die durch einen Wasserrohrbruch im Turm und durch altersschwache Steine an der Fassade erforderliche Sanierung zu finanzieren, geht die Kurverwaltung bisher von rund 150 000 Euro aus. Zurück zu führen sind die vor Monaten festgestellten Schäden auch auf die Tatsache, dass im Truminneren eine Latexfarbe aufgetragen worden war. Wer für diese Fehlentscheidung verantwortlich ist, konnte die Kurverwaltung bisher trotz intensiven Aktenstudiums nicht feststellen.

Ratzeburgs Turm: Antennenmast und Uhu-Ausguck
Kein Paradebeispiel für eine gelungene Nachnutzung eines alten Zweckbaus ist das Schicksal des Wasserturms auf der Hindenburghöhe in der Kreisstadt Ratzeburg. Die Stadt verkaufte das unter Denkmalschutz stehende und zuletzt als Aussichtsturm genutzte Bauwerk vor rund 20 Jahren für eine symbolische D-Mark an den Kölner Künstler Waldemar Erdtmann. Dessen Umbaupläne unter anderem zu einem Kulturtreffpunkt scheiterten jedoch. Inzwischen gehört der Turm seit einigen Jahren einem Ratzeburger Immobilienkontor. Für die Öffentlichkeit ist der sanierungsbedürftige Bau schon lange nicht mehr zugänglich. Inzwischen nisten dort Uhus, und zwei Mobilfunkunternehmen nutzen den Turm als Standort für ihre Antennenanlagen.

Martin Stein

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bei seiner 2. Radverkehrsschau in Mölln hat der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) auf den Schulwegen sowie an Kreuzungen zahlreiche Mängel notiert.

16.10.2013

Jeder Kilometer Radweg sei gut für die Region und die schwächeren Verkehrsteilnehmer, insbesondere für Kinder, Schüler, aber auch Touristen und Freizeitfahrer, ...

16.10.2013

Ärger im Amt Berkenthin: Rondeshagen sieht Fehlplanung, Kastorf will aus Prinzip nicht zahlen.

16.10.2013