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11:04 28.06.2017
Blick gestern vom Markt auf das Gebäude der Kreissparkasse (links) und in die Langenbrücker Straße. Rechts das MC-Modecentrum, früher Kaufhaus Mohr. Quelle: Fotos: Strunk (3), Kreisarchiv (2)

Friede, Freude, Eierkuchen herrschte noch letzte Woche Dienstag unter allen politischen Beteiligten der großen Pressekonferenz, als die Kreissparkasse (KSK) den Weggang ihrer Verwaltung aus Ratzeburg und als Kompensation dafür das Hotelprojekt bekannt gab, das an die Stelle des heutigen KSK-Komplexes treten soll. Bei der Stadtvertretersitzung am Montagabend im Ratzeburger Rathaus scherte die Fraktion der Freien Wähler (FRW) aus dieser Befürworterschar leicht aus.

Ratzeburger Stadtvertretung nimmt Hotelprojekt am Markt lediglich wohlwollend zur Kenntnis.

110 Zimmer planen die Investoren von premero und RIMC für das 7000 qm große Hotelprojekt. Ein Wellnessbereich ist gewollt, die Größe und Nutzung hängen aber von den tatsächlichen Bedürfnissen ab.

Die Verwaltung hatte einen Beschlussvorschlag für die Stadtvertreter formuliert, der unter anderem lautete: „Bei der Entscheidung über einen Neubau auf dem Grundstück der Kreissparkasse Am Markt ist die Stadt Ratzeburg von Anfang an eingebunden worden. Die geplante Nachfolgenutzung mit einer Mix-Immobilie und einem vollständigen Neubau auf dem bisherigen Grundstück wird als zukunftsweisende Lösung ausdrücklich begrüßt und unterstützt“. Die Stadtvertretung sehe „in der Entscheidung für diese Nachnutzung zugleich Impulse und weitere Entwicklungschancen für die Stadtinsel, die Stadt Ratzeburg und die Region. Die weiteren Abstimmungen erfolgen in enger Zusammenarbeit mit der Kreissparkasse, den Investoren und den Hauptnutzern des neu zu errichtenden Gebäudes“.

Otto Rothe und Andreas von Gropper begründeten die Enthaltung ihrer Fraktion mit dem Argument, man dürfe dem Projekt zwar wohlwollend gegenüberstehen, allerdings den Investoren keinen Persilschein für das weitere Handeln ausstellen. Es entspann sich eine zeitweise hitzige Diskussion, bei der vor allem CDU, SPD, BfR/FDP und – gemäßigt – auch die Grünen ihre Unterstützung für das Hotelprojekt bekräftigten. Am Ende schlug Bürgermeister Rainer Voß, der mehrmals bemerkte, „ich sehe nach wie vor ein grundsätzliches Einverständnis aller Parteien für dieses Projekt“, vor, aus dem Beschlussvorschlag eine „Zur-Kenntnisnahme“ zu machen. Damit haben die Fraktionen weiterhin die Möglichkeit, bei entstehenden Differenzen – die zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht absehbar sind – ihre Kritik zu äußern oder möglicherweise auch gestaltend einzugreifen. Dazu waren alle bereit.

In der Einwohnerfragestunde meldete sich zuvor Heike Henning zu Wort. Sie bewohnt ein Haus aus dem 19. Jahrhundert in der angrenzenden Brauerstraße und befürchtet im Zuge der Abriss- und Neubauarbeiten möglicherweise Beeinträchtigungen oder gar Schädigungen an ihrem Haus. „Ich bin sehr enttäuscht über die späte Einbeziehung der Bürger in dieses Projekt“, klagte sie an.

Doch Bürgermeister Rainer Voß und auch Vertreter einzelner Parteien entgegneten ihr, dass es sich um eine kurzfristige Angelegenheit gehandelt habe, bei der zuerst Verwaltung und Politik, dann die Gewerbetreibenden und schließlich über die Pressekonferenz die Öffentlichkeit informiert wurde.

Für heute Abend sind dann alle interessierten Anwohner in die Aula der Lauenburgischen Gelehrtenschule zu einer ausführlichen Bürgerinfo eingeladen (19 Uhr).

Claus Nickel neuer Erster Stadtrat in Ratzeburg

Eine ganz normale, demokratische und parteiinterne Entscheidung sei es gewesen, erklärte CDU-Fraktionschef Wilhelm Thiele die Umbesetzung innerhalb der Ratzeburger Ratsfraktion.

Bankkaufmann Stefan Koch, bisheriger Fraktionschef und Erster Stadtrat, war einige Wochen zuvor abgewählt worden. Anlass seien die vielfachen Herausforderungen, der sich die Stadt Ratzeburg vor allem bautechnisch in nächster Zeit gegenüber sehe, erklärte der studierte Städteplaner Thiele. Mit der Abberufung Kochs musste nun auch der Erste Stadtrat neu gewählt werden. Alle übrigen Fraktionen in der Stadtvertretung betonten, es handele sich um eine CDU-interne Entscheidung, die man respektiere. Einstimmig wurde Claus Nickel als Nachfolger Kochs gewählt. unk

Geschichte des Standortes: Zurück zum Ursprung

An Stelle des heutigen KSK-Baus prangte seit Mitte des 19. Jahrhunderts ein Hotel „Am Markt 5“. Als Gegenstück zum „Rathskeller“

(Standort des heutigen MC-Modecentrums) lag hier seit 1854 das Hotel „Zum Schwan“, später das „Hotel Stadt Hamburg“. Nach dem Ersten Weltkrieg musste es dem Neubau der „Lauenburgischen Landesbank“ weichen, die am 1. März 1921 eröffnet und später mit der „Ratzeburger Bank“

verschmolzen wurde.

Mit dem Bau wurde Architekt Friedrich Wilhelm Zerbe aus Berlin beauftragt. 1923 erwarb und bebaute der Landeskommunalverband das Grundstück links daneben, das zunächst als Landesverwaltungsgebäude diente und später in die Kreissparkasse einbezogen wurde. Dem Grundstückseigentümer, Schlachtermeister Piehl, bezahlte man 50 Millionen Mark – eine Summe, für die später wegen der Inflation gerade eine Schachtel Streichhölzer kaufen konnte.

1939 entstand die „Lauenburgische Kreissparkasse“, 1940 begann die Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg hier ihre Tätigkeit. 1957 erfolgte ein umfangreicher Umbau mit einer geräumigen Kundenhalle. An der Fassade wurde der „Ratzeburger Taschenmann“ – eine Bronzeskulptur von Karlheinz Goedtke – angebracht.

1970 musste das baufällige Haus in 18 Monaten Bauzeit einem Bau aus Betonfertigteilen weichen, der 1971 eröffnet wurde. Architekt des Hamburger Büros Zerbe &

Österreich war Jürgen Zerbe, dessen Vater bereits das erste Bankgebäude (1921) entworfen hatte. Die Presse feierte damals das Gebäude als besonders gelungen und lobte wie es sich „harmonisch in das Stadtbild einfügt“. (Quelle: Materialsammlung „Der Ratzeburger Marktplatz im Wandel der Zeit“ von Dr. Klaus Dorsch und Christian Lopau)

 Joachim Strunk

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