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Zweiter Preis bei der Energie-Olympiade

Sandesneben Zweiter Preis bei der Energie-Olympiade

Amt Sandesneben-Nusse muss sich mit seinem Wärmenetz nur Kiel und Amt Hürup geschlagen geben.

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Eine Leistung von 400 kW Strom stündlich liefert die große Biogasanlage am Lüchower Weg in Labenz, die die Energie ins Netz der Eon Hanse speist. Betreiber der Anlage — die nur eine von insgesamt sechs des Wärmenetzes im gesamten Amt Sandesneben-Nusse ist — ist Landwirt Hermann Wilke, Geschäftsführer sein Bruder Reinhard.

Sandesneben. Höher, schneller, weiter ist das olympische Motto. Bezogen auf die Energie-Olympiade, an der das Amt Sandesneben-Nusse in diesem Jahr erfolgreich teilgenommen hat, müsste es wohl lauten: wärmer, näher, billiger. Und erfolgreich. Wenn es auch nicht für „Gold“ reichte, war es doch ein sehr guter zweiter Platz.

„Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, die Bürger aufzuklären“, sagt Ulrich Hardtke, Bürgermeister von Labenz. Das sei zwar ein langer Prozess, aber irgendwann gäbe es einen Aha-Effekt. „Dann sind alle von der Nachhaltigkeit eines Projektes überzeugt.“

So war es auch bei ihm im Amt Sandesneben-Nusse, dessen Vorsteher er ist und wo sechs neue Fernwärmenetze entstanden sind, die aus Biogasanlagen mit Wärme versorgt werden.

Akzeptanz wurde erreicht, als die Vorteile klar wurden: Die Eigentümer der wärmeversorgten Liegenschaften profitierten seit dem Anschluss an die Fernwärmenetze davon, dass bauliche Erweiterungen oder Verkäufe zu wesentlich besseren Konditionen erfolgen können. „Überzeugen konnten wir die Bürger auch mit dem Preis“, sagt Norbert Hack, Betreiber der Biogasanlage in Wentorf. Die Wärmekosten haben sich von 18,75 Euro auf 12,99 Euro pro Quadratmeter gesenkt.

Fazit: Der Dialog hat funktioniert, genauso wie nun die Versorgung mit erneuerbarer Energie. Und alles tat den Gemeinden gut. Hardtke: „Durch die neuen Wärmenetze sind die Bürger noch dichter zusammengerückt.“

Die Wärmenetze im Amt Sandesneben bestehen aus insgesamt 577 privaten, öffentlichen und gewerblichen Gebäuden. Sieben Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen mit Speicher, Spitzenlast- und Reservekesseln auf Basis von Bio-, Erd- und Flüssiggas sowie Holzpellets erzeugen die Wärme. Die Primärenergieeinsparung beträgt 18,8 Millionen Kilowattstunden (= 94 Prozent), der CO2

-Ausstoß wird dadurch um 5846 Tonnen gemindert.

An den Wärmenetzen beteiligt sind die Anlagenbetreiber, die Gemeinden Labenz, Sandesneben, Lüchow, Klinkrade, Wentorf AS, das Amt Sandesneben-Nusse, das LLUR Lübeck sowie Ingenieur- und Beratungsbüros. Die sechs Speicher haben eine Gesamtkapazität von 7060 Kilowattstunden (kWh). Die Projektkosten belaufen sich auf neun Millionen Euro. Hauptziel war und ist die CO2

-Neutralität des Amtes.

Insgesamt gab es 100000 Euro für neun Sieger bei der EnergieOlympiade 2015 zu verteilen. „Die Energie-Olympiade ist eine Leistungsschau vorbildlicher kommunaler Energieeffizienzprojekte“, erklärte Staatssekretärin Dr. Ingrid Nestle bei der Siegerehrung des Wettbewerbs in Ascheffel. Gewonnen haben 2015 die Städte Büdelsdorf und Kiel, die Kreise Herzogtum Lauenburg, Nordfriesland und Rendsburg-Eckernförde, die Ämter Hürup und Sandesneben-Nusse sowie die Gemeinde Sterup.

In der von der Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein (EKSH) seit 2007 ausgelobten Energie-Olympiade werden jedes Jahr Energiesparkommunen und ihre Projekte ausgezeichnet. Die EKSH stellt ein Preisgeld von insgesamt 100000 Euro bereit. Die Preise wurden von den EKSH-Geschäftsführern Prof. Dr. Hans-Jürgen Block und Stefan Brumm übergeben.

„Die Wärmewende steht bei der Umsetzung der Energiewende vielfach noch im Schatten. Unsere mit 60000 Euro dotierte Disziplin ,EnergieKonzept‘ schafft Aufmerksamkeit und Anreize, hier mehr zu tun“, sagte Block. Zehn spannende Konzepte für eine gebäudeübergreifende, zukunftsfähige kommunale Wärmeversorgung seien eingereicht worden. Gewonnen hätten neben der Landeshauptstadt Kiel auch Ämter und kleine Gemeinden. „Wenn eine 1400 Einwohner-Gemeinde wie Sterup in Angeln mit einem Genossenschaftsmodell zur Wärmeversorgung des Dorfes pro Jahr fast drei Millionen Kilowattstunden Energie einspart, dann ist das eine große Leistung“, lobte Block. Je größer eine Versorgungseinheit sei, umso wirtschaftlicher könne sie betrieben werden, zum Beispiel durch effizientere Anlagengrößen oder zusätzliche Wärmenutzung aus Biogas-BHKWs. Das zahle sich doppelt aus, für den Haushalt und den Klimaschutz.

„Energie ist für die schleswig-holsteinischen Kommunen ein Thema mit Potenzial“, betonte auch Stefan Brumm. „Die zur Energie-Olympiade eingereichten Projekte führen zu einer durchschnittlichen relativen Energieeinsparung von etwa 20 Prozent. 7000 Tonnen Kohlendioxid weniger, das ist die Bilanz dieser Wettbewerbsrunde.“ Einige 10000 Tonnen kämen noch hinzu, wenn die Projekte zur zukunftsfähigen Wärmeversorgung alle planmäßig umgesetzt würden. Von Siegern lernen: Brumm kündigte an, die EKSH werde bis zur nächsten Wettbewerbsrunde 2016/2017 gemeinsam mit Siegern Ortstermine zur Präsentation der prämierten Projekte durchführen, um Impulse für viele weitere neue Energiesparprojekte in Kommunen zu geben.

Die Ausgezeichneten
Die Sieger mit je 20000 Euro Preisgeld sind das Amt Hürup und die Landeshauptstadt Kiel. Den zweiten Preis (je 10000 Euro) erhielten das Amt Sandesneben-Nusse und die Gemeinde Sterup. Für sein Energieprojekt „Energieversorgung im Kreishaus“ erhielt auch der Kreis Herzogtum Lauenburg 10000 Euro.


Weitere Preisträger sind die Kreise Rendsburg-Eckernförde (5000 und 10000 Euro) und Nordfriesland (2600 Euro), die Stadt Büdelsdorf (5000 Euro) sowie „Energieheld“ Ralf Schmidt aus Hürup (1000 Euro). Schirmherr des Wettbewerbs war Energiewende-Minister Robert Habeck.

Joachim Strunk

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