Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck 1000 Kilometer in vier Tagen
Lokales Lübeck 1000 Kilometer in vier Tagen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:45 20.10.2017
Bevor Svenja Schrade (24) startet, macht sie noch ein Foto im Grünen. Ohne Essen und Getränke wiegt ihr Rad 15 Kilo. Zum Übernachten hat sie nur eine Isomatte und einen Biwackschlafsack dabei. Quelle: Fotos: Privat (2), Cosima Künzel

„Es war ein Test für mich“, erzählt sie lächelnd über einer Tasse Tee, „ich wollte wissen, wie weit ich es schaffe und wie fit ich bin.“ Die Idee zu der Wahnsinnstour längs durch Deutschland hatte sie schon vor Monaten, denn sie trainiert in Lübeck regelmäßig. Aber die Tourplanung war mühsam. Denn Schrade hat die Strecke am PC selbst zusammengebastelt (komoot.de). „Dafür habe ich mit meiner App nach und nach kleine Asphaltstraßen entlang der Strecke herausgesucht“, verrät sie, „das hat gedauert.“ Schrade wollte nicht nur Strecke machen, sondern auch schöne Landschaften erleben und Steigungen einbauen. „Als zusätzliche Herausforderung.“

Svenja Schrade (24) ist seit Jahren leidenschaftliche Radfahrerin. Sie hat auch schon Triathlon ausprobiert und lange Radreisen im Dänemark und Südeuropa unternommen. Jetzt ist sie ihre erste Tausender-Strecke gefahren: von Lübeck bis zum Bodensee. Bei Regen, Kälte und Gegenwind.

Als die Route im September steht, sucht sich die Studentin für medizinische Informatik ein langes freies Wochenende aus und startet an einem Freitag, gegen 16 Uhr, in Lübeck. „Leider hatte ich mir zuvor einen steifen Nacken geholt und fragte mich, ob es überhaupt sinnvoll sei, zu starten?“ Sie entschied sich für Losfahren und fuhr gleich die erste Nacht durch. „Ich finde das wunderbar, diese Stille nachts – und vielleicht ein schöner Sternenhimmel über mir.“

Rad und Gepäck wiegen etwa 15 Kilo, ohne Wasser und Essen. Ihre Ausrüstung verstaut sie in Spezialtaschen an Rahmen, Lenker und Sattel. „So kann ich das Rad auch über Hindernisse oder Treppen tragen.“ An Hamburg vorbei geht es flott los, doch bei Kilometer 190 denkt sie aufgrund der Nackenschmerzen ans Aufgeben. Nicht lange. „Erstaunlicherweise wurde der Nacken irgendwann wieder besser und ich fuhr weiter und weiter durch die Nacht“, schreibt sie in ihrem Blog (quatschradeln.com). Kurz hinter Lelm in Niedersachsen macht die Sportlerin ein Foto vom Tagesanbruch. „Ich liebe Sonnenaufgänge auf dem Rad.“

Weniger schön ist später der Dauerregen, bei Kilometer 300 ist sie völlig durchnässt. Trotzdem fährt die Studentin mit kleinen Pausen bis zum Abend durch. „Meist renne ich in einen Laden, schnappe mir Laugengebäck oder Kekse, und fahre weiter.“ Langsam macht sich der Schlafmangel bemerkbar. Dankbar entdeckt sie einen Parkplatz samt Holzunterstand: Sie will auf der Tour unter freiem Himmel schlafen. „Ein Zelt bedeutet viel Gepäck, und eine Hotelübernachtung schränkt meine Freiheit ein.“ Angst hat sie nicht. „Nachts allein durch Hamburg zu gehen, finde ich gefährlicher.“ Ihr Minimalkomfort sind also Isomatte und wasserdichter Biwacksack.

Gegen 3.15 Uhr ist die Nacht zu Ende. „Ab in den Regen, eine steilere Steigung nach der anderen“, schreibt sie. Der kleinste Gang ist in Dauernutzung. „Dennoch fühlte ich mich noch fit.“ In der Rhön trifft sie auf „eine gigantische Masse an Wanderern, die sämtliche Parkplätze belegen“ – und erreicht Bayern schneller als erwartet. Am Sonntag, gegen 22 Uhr, schlägt sie ihr Lager auf einem verlassen Jugendcampingplatz auf und wacht eine Stunde später bibbernd auf. „Es war plötzlich sehr kalt geworden.“

Gegen sechs Uhr fährt sie weiter. „Ich zog fast alles an, was ich mit hatte. Wirklich warm wurde mir dennoch nicht.“ Hinzu kommt ein eisiger Gegenwind, und 400 Kilometer fehlen noch. Hügel um Hügel geht es weiter, noch mehr Wind, wieder Regen, die Motivation ist auf dem Tiefpunkt. „Doch als die Dunkelheit einsetzte, ging es mir plötzlich besser.“ Sie trällert Lieder, hört Radiomusik und fährt bis kurz nach 1.15 Uhr durch. Ihr Nachtlager findet sie neben einer Turnhalle. Am Morgen sind es noch 200 Kilometer, wieder wird der Regen schlimmer. „Die Straßen wurden zu Bächen, eingeschränkte Sicht, schlimmer als so manche Duschbrause.“

Doch im Allgäu wird sie mit „dem schönsten Streckenabschnitt“ belohnt. „Glücklich rauschte ich die Hügel rauf und runter.“ Und am Dienstagabend ist sie nach 1050 Kilometern in Friedrichshafen. Sie genießt Spaghetti bei einem Freund und eine warme Dusche. „Ein Traum.“ Zurück geht es per Fernbus, 16 Stunden bis Lübeck. „Total bequem“, sagt sie lachend. Ein Nahziel hat die Extremsportlerin noch nicht. „Aber irgendwann mache ich beim Transcontinental Race mit: 4000 Kilometer durch Europa.“

Von Cosima Künzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein Bus ist am Freitagnachmittag in Krummesse von der Straße abgekommen und ist in eine Trafostation gekracht. Die Klempauer Straße musste für die Zeit der Bergungsarbeiten voll gesperrt werden. Der Bus war zum Unfallzeitpunkt leer, der Fahrer wurde verletzt.

20.10.2017

Gute Nachricht für Lübecks Fußgänger und Radfahrer: Nach Monaten der Sanierung ist die Dankwartsbrücke seit Freitagvormittag wieder freigegeben. Trotz der Reparaturarbeiten bleibt das Bauwerk jedoch schadhaft und muss in den nächsten Jahren durch einen Neubau ersetzt werden.

20.10.2017

Paukenschlag im Hafen: Die Hafenarbeiter sagen Nein zum Sanierungstarifvertrag. Damit ist die Rettung der angeschlagenen Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) in letzter Minute gescheitert. Bis Ende 2020 sollten Stadt und Hafenarbeiter jeweils auf 17 Millionen Euro verzichten.

21.10.2017
Anzeige