Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck 1000 neue Sozialwohnungen kosten 150 Millionen Euro
Lokales Lübeck 1000 neue Sozialwohnungen kosten 150 Millionen Euro
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:37 06.08.2017
In der Stettiner Straße drehen sich die Kräne. Die „Trave“ baut hier 94 Wohnungen, davon sind 40 Sozialwohnungen. Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen

Der „Trave“-Chef hält das für unrealistisch. Außerdem gebe es gar nicht genug Grundstücke, die sofort bebaubar wären, und die Baufirmen hätten nicht die Kapazitäten für Aufträge in dieser Größenordnung. Rasch: „Das kann niemand leisten.“

Der „Trave“-Chef hat für seine Berechnung eine 60-Quadratmeter-Wohnung zugrundegelegt, mit den Kosten von 2500 Euro pro Quadratmetern multipliziert und mal 1000 genommen. Selbst wenn die Stadt und die Landes-Investitionsbank die 1000 Wohnungen bis zu 80 Prozent mit Darlehen fördern würden, rechne sich das nicht. „Wir müssten 20 Prozent der Finanzierung aus dem Eigenkapital stellen, das wären 30 Millionen Euro.“ 120 Millionen müssten aus Fördermitteln kommen. Rasch: „Eine solche Summe ist für Lübeck zur Zeit überhaupt nicht vorgesehen.“

Deutlich realistischer seien Überlegungen, die Ausschüttung der „Trave“ an ihre Gesellschafter auszusetzen und das Geld im Unternehmen zu belassen, damit weitere Wohnungen gebaut werden können. Das wurde in der Bürgerschaft bereits diskutiert, endete aber zunächst in einem Prüfauftrag an die Verwaltung. 644200 Euro hat die „Trave“ im vergangenen Jahr an die Stadt und den Mitgesellschafter „Lübecker Wohnstifte“ ausgeschüttet. Hinzu kommen Steuern zwischen 200000 und 300000 Euro. Zusammen wären das eine knappe Million Euro, die im Unternehmen verbleiben könnte. „Davon könnten wir sieben zusätzliche Wohnungen bauen“, rechnet Rasch vor. Würde die Million ins Eigenkapital gesteckt, könnte die Gesellschaft dafür vier Millionen Euro Fremdkapital bei den Banken aufnehmen. Für dann fünf Millionen Euro wären 35 Wohnungen möglich. Der Geschäftsführer: „Das ist dann die Größenordnung wie im Travemünder Strandweg.“

Der Mieterverein, der zum „Arbeitskreis Soziales“ gehört, macht eine optimistischere Rechnung auf. Das Land kalkuliere in seinem Sonderprogramm „Erleichtertes Bauen“ mit 2000 Euro pro Quadratmeter, sagt Geschäftsführer Thomas Klempau. Für 1000 Wohnungen mit durchschnittlich 50 Quadratmetern wären das 100 Millionen Euro. Satte 12,5 Millionen Euro aus der Förderung wären nicht rückzahlbar.

Klempau: „Jetzt fehlen nur noch anpackende Investoren und Kommunen.“ Peter Reinhardt (SPD), Aufsichtsratsvorsitzender der Grundstücksgesellschaft, sieht dringenden Handlungsbedarf. Die Forderungen an die „Trave“ bezeichnet er aber als „Luftblasen“. Es könne nicht sein, dass die „Trave“ städtische Grundstücke teuer kaufen oder sich sogar in den Wettbewerb mit anderen Wohnungsgesellschaften begeben müsse. Wenn die „Trave“ bauen soll, müssten die Grundstücke an sie übertragen werden.

Geschäftsführer Rasch sieht Lübeck mit der Verbilligungsrichtlinie auf dem richtigen Weg. Allerdings sind bisher kleine Grundstücke vermarktet worden. Laut Verwaltung wurden 222 Sozialwohnungen auf neun Flächen errichtet. Jetzt würden größere Areale auf den Markt kommen, erklärt Rasch, das werde den Wohnungsmarkt entspannen.

Die Wohnungen, die es bereits auf dem Markt gebe, seien größtenteils bezahlbar, sagen die großen Wohnungsbaugesellschaften. 86 Prozent der 8240 „Trave“-Wohnungen würden unter oder bis 5,65 Euro pro Quadratmeter kalt kosten – das ist der Satz, der für neue Sozialwohnungen fällig wird. Bei der „Neuen Lübecker“ sind 42 Prozent ihrer Wohnungen öffentlich gefördert oder haben Mieten auf Sozialwohnungsniveau. Beim Bauverein sind 49 Prozent des Wohnungsbestandes öffentlich gefördert.

Bilanz 2016

Die städtische Gesellschaft „Trave“ hat 2016 einen Jahresüberschuss von 2,3 Millionen Euro erwirtschaftet, das Bilanzvolumen beträgt 326 Millionen Euro. Die Durchschnittsmiete über alle 8240 Wohnungen liegt bei 5,17 Euro. 13,1 Millionen Euro wurden für Neubauten, 6,9 Millionen für Instandhaltung ausgegeben.

Derzeit werden 94 Wohnungen in der Stettiner Straße, 93 im Schneewittchenweg, 22 im Steenkamp und 48 im Hertzweg gebaut. 2018 entstehen im Strandweg 40 neue Wohnungen, in Utkiek 16, in Artlenburger Straße und Händelweg 60. Einheiten im Koggenweg werden modernisiert, ebenso das Hochhaus Sterntalerweg.

 Kai Dordowsky

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige