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Lübeck Bach wollte schon aufgeben, macht das Triple aber perfekt
Lokales Lübeck Bach wollte schon aufgeben, macht das Triple aber perfekt
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14:43 16.10.2018
Marathon-Sieger Sören Bach läuft schon als Erster am Holstentor vorbei. Quelle: Agentur 54°
Lübeck

Mit weit ausgebreiteten Armen war Sören Bach ins Ziel auf dem Kohlmarkt gelaufen. Der Hamburger hatte das Triple geschafft, nach 2016 und 2017 zum dritten Mal in Folge den Stadtwerke Lübeck Marathon gewonnen. Doch die Strapazen, die er bei der elften Auflage über die 42,195 Kilometer mit seinen 511 gestarteten Mitstreitern durchlebt hatte, sie wurden erst bei der Siegerehrung so richtig sichtbar. Nur mit Mühe und schmerzverzerrtem Gesicht kam er vom Siegerpodest herunter.„Ich bin zu schnell angegangen, habe mich von der Euphorie anstecken lassen. Das hat sich hintenraus gerächt. Die Beine wurden schwerer und schwerer. Und ganz ehrlich: Als dann noch die Steigungen, der Herrentunnel hinzu kam, dachte ich schon ans Aufgeben.“ Der Traum vom Triple habe ihn aber getragen. „Ich dachte, nee komm, gib dir einen Tritt in den Hintern, zieh das Ding jetzt durch.“ Und das tat er. Nach 2:35:28 Stunden kam er ins Ziel. Die Bestzeit des Neuseeländers Jon-Paul Hendriksen (2:31:27) aus dem Jahr 2009 verfehlte er zwar klar, „aber das ist okay. Das Triple ist das, was ich wollte. Es ist für mich ein super Saisonabschluss.“ Bach siegte vor dem Hamburger Liam Ridings (2:36:11) und Paul Muluve (2:46:25). Der Lübecker, vor fünf Jahren Marathon-Sieger, der in Hamburg-Bergedorf in einer Klinik als Anästhesist arbeitet, war zufrieden: „Mir war schnell klar, dass es nur zu Platz drei reichen könnte. Die Jungs vorn waren zu schnell. Platz drei abzusichern war das Ziel.“ Und das sei es dann mit den Laufenevents für dieses Jahr gewesen.

Jörg Koberstein begleitete Britta Giesen auf dem Rad zum dritten Mal zum Sieg. Quelle: Agentur 54°

Nicht für Britta Giesen. Gut 35 Minuten nach Bach war die Hamburgerin nach 3:11:55 Stunden als erste Frau über die Ziellinie gerannt. Und wie schon bei ihren Siegen 2014 und 2017 – locker, lächelnd. Kaum da, gab sie bereits erste Interviews, posierte mit ihrem Radbegleiter Jörg Koberstein fürs Foto. Doch auch sie gab nach ihrem Start-Ziel-Sieg zu, dass ihr auf dem Rückweg von Travemünde die Temperaturen und der Gegenwind zugesetzt hatten. „Es hat aber trotzdem viel Spaß gemacht.“ Auch, „weil an der Strecke und gerade in Travemünde so viele Menschen waren, wie nie zuvor.“ Für 2018 hat die 47-Jährige noch nicht genug. Ich laufe in zwei Wochen in Remscheid die 65 Kilometer, ich bin ja eigentlich Ultra-Läuferin.“

Große Umarmung: Stadtwerke-Chef Jürgen Schäffner (l.) und Orga-Chef Klaus Ziele freuen sich mit den drei erstplatzierten Frauen im Marathon, Corinna Beck, Britta Giesen und Kerstin Haberkorn . Quelle: Agentur 54°

Kerstin Haberkorn bei Lübeck-Premiere Dritte

Überglücklich im Ziel war auch Kerstin Haberkorn, Lübecks „Mrs. Halbmarathon“ (fünf Siege). Bei ihrem Heimspiel, ihrem ersten Marathon in Lübeck, war die 41-Jährige nach der Kielerin Corinna Beck (3:13:14) als Dritte ins Ziel gelaufen – und das in 3:21:13 Stunden. „Das übertrifft meine Erwartungen“, gestand sie. Denn die Saison über habe sie aufgrund von Verletzungen immer wieder pausieren müssen. Der Start selbst stand sogar in Frage. Erst vor zwei Wochen nach dem Halbmarathon-Test in Neumünster habe sie sich entschieden. Und wie war die neue Erfahrung? „Travemünde war super, die vielen Menschen da. Auf dem Rückweg war ich aber richtig kaputt. Ich dachte schon, oh Gott, jetzt noch der Herrentunnel mit der Hammer-Steigung. Doch als ich durch war, ging es“, berichtete die Meteorologin. Im Ziel sei dann alles abgefallen, der Stress der Vorwochen, die Rückschläge. „Ich war einfach nur happy und alle. Ich bin im Massagezelt auf die Liege kaum rauf gekommen.“

Schlusslicht Herold ist glücklich

Glücklich und stolz, das war auch Rüdiger Herold (45). Noch vor der Schlusszeit war der Lübecker ins Ziel gekommen – in 5:48:19 Stunden. Als Schlusslicht und Gewinner. Immerhin waren 122 Läufer nicht ins Ziel gekommen oder waren nach ihrer Meldung einfach abgedreht. „Das war mein erster Marathon, ich hatte mich kurzfristig am Freitag entschlossen, vom Halbmarathon auf den Marathon umzumelden. Ich bin stolz, dass ich durchgekommen bin.“ Die letzten Meter – und das hat Tradition – lief Organisationschef Klaus Ziele an seiner Seite.

Marathon-Schlusslicht und Finisher-Gewinner: Rüdiger Herold aus Lübeck mit Rad-Begleiterin Karen Giller und Klaus Ziele. Quelle: Jens Kürbis

Benjamin Franke läuft Bestzeit im Halbmarathon

Im Halbmarathon lief der Hamburger Benjamin Franke ab Kilometer drei ein einsames Rennen. Er siegte am Ende in persönlicher Bestzeit von 1:12:52 Stunden vor dem Lübecker Dennis Mehlfeld (1:16:24) und dem aus Barcelona angereisten Katalanen Raul Penas (1:19:24). Franke fand die Strecke „voll geil. Es war eine Klasse-Vorbereitung auf den New-York-Marathon in drei Wochen.“ Schnellste Frau war die Trittauerin Nadja Lellau (1:21:31). Sie gewann vor Maike Körner (1:22:36) vom HSV und Martina Dannheimer (1:30:04). Auch für Lellau, die als Event-Managerin auf Gut Basthorst arbeitet, war es bei ihrer Lübeck-Premiere persönliche Bestzeit. Und sie ist auf den Lübeck-Geschmack gekommne: „Ich komme wieder.“

Im Holstentor-Kostüm zum Weltrekord: Richard Mietz Quelle: Agentur 54°

Lübecker Richard Mietz holt skurrilen Weltrekord

Im Halbmarathon gab es sogar einen Weltrekord. Der Lübecker Richard Mietz lief in 1:36:50 Stunden im vier Kilo schweren Holstentor-Kostüm ins Guinnessbuch der Rekorde. „Ich hoffe, die Beweise werden von der Jury anerkannt“, sagte Mietz. Es wäre sein zweiter Rekord. In Berlin hat er im Holstentor-Kostüm schon einen aufgestellt – allerdings im Marathon.

Olympia-Starterin Maya Rehberg (mit Klaus Ziele). Quelle: jek

Maya Rehberg gewinnt 10 Kilometer

81 Läufer hatten für die zehn Kilometer gemeldet – und am Ende lieferten sich Lars Schwalm und Debesom Tesfanariam aus Eritrea einen Zielsprint, den es beim Stadtwerke Lübeck Marathon so noch nicht gegeben hat. Den Spurt gewann letztlich der Kieler vor dem in Flensburg im Kindergarten arbeitenden Nordafrikaner – und das zeitgleich in 31:58 Minuten.

Schnellste Frau im Feld war Maya Rehberg. Die 24-jährige Segebergerin, die 2016 in Rio de Janeiro über die 3000 m Hindernis am Olympia-Start war, siegte in 37:32 Minuten. „Ich bin zufrieden mit der Zeit, lag genau im Soll. Es war richtig schön auf der Strecke. Wenn die Form stimmt, will ich hier 2019 Bestzeit laufen.“ Und was steht 2018 noch auf ihrem Zettel? „Eventuell der Crosslauf im holländischen Tilburg Ende November.“

Kurz nach dem Zieleinlauf düste Rehberg dann zu den Staffeln, wo sie für das „Intersport-Mauritz“-Team noch eine 4,2 Kilometer-Runde drehte – und kam mit ihnen hinter dem siegreichen Team LG „Zippel’s Runaways“ aus Kiel auf Platz..

Die Finisher des Stadtwerke Lübeck Marathons

Für den Stadtwerke Lübeck Marathon hatten sich 4042 Läufer aus 31 Nationen (Eritrea kam hinzu) auf neun Strecken angemeldet. Ins Ziel kamen 3482 Läufer. Die Finisher verteilen sich so: Marathon: 389 Finisher; Halbmarathon: 937; 10 Kilometer: 636; Staffel (10x4,2 km): 116 Teams; Familienlauf (4,2 km): 186; Schnupperlauf (2,1 km): 78; Marathon-Duo (2x21,1 km): 30 Finisher; Marathon-Team (4x10,05 km): 68 Finisher.

Jens Kürbis

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