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2,2 Millionen: Blitzer bringen Lübeck immer mehr Geld ein

Lübeck/Kiel 2,2 Millionen: Blitzer bringen Lübeck immer mehr Geld ein

Die Hansestadt Lübeck hat im vergangenen Jahr an jedem Tag rein rechnerisch 6104 Euro von Temposündern eingenommen. Insgesamt wurden in zwölf Monaten 2,23 Millionen Euro erwirtschaftet.

Ein Blitzer in Lübeck-Kücknitz.

Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Lübeck/Kiel.  Allein die fest installierten Blitzer im Stadtgebiet brachten Einnahmen in Höhe von 1,46 Millionen Euro. Das waren noch einmal 19 000 Euro mehr als im Vorjahr. Mobile Geschwindigkeitsüberwachungen brachten der Kommune 772 000 Euro ein, ein Plus von 35 000 Euro gegenüber 2014. Das teilte eine Stadtsprecherin mit.

Anders in der Landeshauptstadt: Kiel frischt die leere Kasse durch großflächige mobile Verkehrsüberwachung auf. Über 118 000 Verstöße wurden an der Förde im vergangenen Jahr auf diesem Weg geahndet. Gut 25 000 Mal wurde ein Überschreiten des Tempolimits durch ortsfeste Überwachungsgeräte registriert. Was das zuletzt an Einnahmen beschert, hat in Kiel noch niemand ausgerechnet. Im Jahr 2014 schaffte es die Landeshauptstadt auf stattliche 3,34 Millionen Euro aus Verwarn- und Bußgeldern.

Noch erfolgreicher im Abkassieren von Temposündern ist im Norden nur Hamburg. Dort wurde im vergangenen Jahr die stolze Summe von 5,87 Millionen Euro „eingespielt“ – eine Steigerung von einer Million gegenüber 2014. Durchschnittlich bringt jeder einzelne Blitzer an Alster und Elbe Tag für Tag 685 Euro an Umsatz.

Grundsätzlich gilt: Es wird nicht häufiger geblitzt, es wird mehr gerast. Vor drei Jahren hatte Lübeck noch mit Blitzer-Einnahmen von 1,6 Millionen Euro auskommen müssen.

Nach Angaben von Lübecks Innensenator Bernd Möller (Grüne) bleibt von den Einnahmen unterm Strich so gut wie nichts übrig. Das Geld gehe für das bei Kontrollen eingesetzte Personal und den Unterhalt der Fahrzeuge drauf. Die Stadt ist hoch verschuldet, ihr Etat liegt bei 800 Millionen Euro.

Der ADAC Schleswig-Holstein hat im Sinn von mehr Verkehrssicherheit nichts an der Blitzer-Mentalität der Kommunen auszusetzen. In vielen Bereichen sinke die Verkehrsmoral, bedauert Sprecher Ulf Evert, „nicht nur beim Blinken, leider auch bei der Geschwindigkeit“. Wenn von Städten und Gemeinden wirklich nur da geblitzt werde, wo Unfallschwerpunkte sind, sei gegen Tempomessungen nichts einzuwenden. Die Polizei hat sich im Lübecker Stadtgebiet komplett aus der Geschwindigkeitsüberwachung zurückgezogen. Auf den Autobahnen sind noch zwei Videowagen der Polizei im Einsatz.

Erst am Dienstag hatte ein Videowagen des Polizeireviers Scharbeutz (Ostholstein) auf der A 20 (Lübeck–Rostock) zwei Raser aus dem Verkehr gezogen. Bei erlaubten Tempo 100 waren die Fahrer mit 164 und 147 km/h unterwegs. Beiden Autofahrern droht ein Fahrverbot. In der Berliner Innenstadt war in der Nacht zu Sonntag ein 69-jähriger Autofahrer gestorben, weil er von zwei Rasern in einen Unfall verwickelt wurde. Den Fahrern, 24 und 26 Jahre alt, droht eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung.

Der für vergangenen Herbst von den Bundesländern geplante Blitzmarathon war abgesagt worden – wegen Arbeitsüberlastung der Beamten aufgrund der Flüchtlingskrise.

So teuer kann zu schnelles Fahren werden

30 Euro kostet laut Bußgeldkatalog die Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit um 16 bis 20 km/h außerorts. Wer 21 bis 25 km/h zu schnell ist, muss 70 Euro zahlen. Für Raser geht’s gestaffelt hoch bis 600 Euro, plus Punkte und Fahrverbot.

680 Euro muss zahlen, wer mit mehr als 120 km/h durch eine geschlossene Ortschaft fährt (zwei Punkte, dreimonatiges Fahrverbot). Wer beim illegalen Autorennen erwischt wird, büßt mit 400 Euro, zwei Punkten und drei Monaten Fahrverbot.

Von Curd Tönnemann

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