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Lübeck 20 Prozent brechen wieder ab
Lokales Lübeck 20 Prozent brechen wieder ab
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11:25 08.11.2017
Dr. Dietmar Steege (v. l.), Dr. Antje Burfeind und Frank Nüsse von der gemeinnützigen Gesellschaft „Die Brücke“ stellen das Angebot vor. Quelle: Foto: Dordowsky
St. Jürgen

Die einen nehmen ein Studium auf, gehen auf Weltreise, lernen einen Beruf, gründen eine Familie. Die anderen bekommen ihr Leben nicht mehr auf die Reihe, sind antriebs- und orientierungslos, werden depressiv. Vor einem Jahr hat „Die Brücke“, eine gemeinnützige Gesellschaft therapeutischer Einrichtungen, eine Tagesgruppe speziell für die Altersgruppe der 19- bis 25-jährigen, psychisch Kranken gegründet. Auf einer Tagung „Frust und Lust“ wurde jetzt Bilanz gezogen. Fazit: 53 junge Frauen und Männer wurden betreut, und es gibt eine Warteliste. Der Bedarf für eine bestimmte Altersgruppe von psychisch Erkrankten steige, versichern „Brücke“-Geschäftsführer Frank Nüsse sowie die Fachärzte Dr. Antje Burfeind und Dr. Dietmar Steege.

Die Zahl der psychischen Erkrankungen nimmt auch in Lübeck zu. Das hat gerade erst der Psychiatriebericht 2017 festgestellt. Betroffen sind dabei alle Alters- und Bevölkerungsgruppen. Auf der Rangliste der Behandlung der Lübecker Krankenhauspatienten stehen die psychischen Erkrankungen schon an dritter Stelle.

„Jungerwachsene zwischen 18 und 25 Jahren brauchen Gleichaltrige, um sich zu orientieren“, stellte der Neurologe Steege, Bereichsleiter Behandlung und Reha bei der „Brücke“, fest. Deshalb wurde in der seit mehr als 30 Jahren bestehenden Tagesklinik, die seit 2007 in der Spillerstraße sitzt, eigens eine Gruppe für diese Altersgruppe eröffnet. Von 33 Plätzen in der Tagesklinik sind zehn bis zwölf den Jungerwachsenen vorbehalten. Die bleiben zwischen sechs und zwölf Wochen, bekommen einen strukturierten Tagesablauf mit Bewegung, Sport, handwerklichen Tätigkeiten, psychiatrischer Begleitung und Diagnose. Für die jungen Leute, die oft schon schwierige Wege (Schulschwänzen, Ausbildungsabbruch, ambulante Behandlung) hinter sich haben, geht es auch um Alltagskenntnisse wie Handyverträge, Entschuldung, Wohnungssuche und Verhütung. 20 Prozent würden die Maßnahme kurz nach dem Start abbrechen, berichtet Fachärztin Burfeind. Drogen sind tabu, wer damit erwischt wird, kann gleich wieder gehen. Finanziert wird das ganze Angebot über die Krankenkassen.

1973 startete „Die Brücke“ als Verein, seit 1980 ist sie eine gemeinnützige Gesellschaft und beschäftigt heute über 400 Mitarbeiter an über 20 Standorten.

 dor

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