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Lübeck 25 Frauen erzählen ihre Geschichte
Lokales Lübeck 25 Frauen erzählen ihre Geschichte
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21:22 10.08.2015
Ingrid Schatz (l.) von der Grenzdokumentationsstätte und Angelika Rosenberg zeigen die Ausstellung. Quelle: Wegner
Schlutup

Angelika Rosenberg war glücklich. Sie arbeitete mit nur 22 Jahren als Chefsekretärin im Leipziger Baukombinat und wuchs in einer heilen Welt auf. Doch dann hörte sie von einer westdeutschen Cousine, die ihren Urlaub in Australien verbrachte und fing an zu zweifeln. Rosenberg selbst durfte die DDR nicht verlassen, Australien war für sie nur ein ferner Traum.

Auf einer Messe freundete sie sich mit Westdeutschen an. Als das herauskam, wurde sie strafversetzt. Als sie sich dann noch in einen westdeutschen Mann verliebte, wollte Rosenberg die DDR endgültig verlassen. „Im Januar 1976 habe ich erstmals einen Ausreiseantrag gestellt“, erzählt sie in der Grenzdokumentations-Stätte Lübeck Schlutup. Dort wurde am Wochenende die neue Ausstellung „Das Frauengefängnis Hoheneck“ eröffnet. Unter den Gästen waren zwei Frauen, die selbst dort inhaftiert waren und ihre Geschichte erzählten.

„Mein Antrag wurde mehrfach abgelehnt“, erinnert sich Rosenberg. In einem Schreiben sprach sie schließlich Erich Honecker direkt an und prangerte an, dass in der DDR keine Freiheit herrsche. Kurz darauf drohte sie an, bei der nächsten Messe zu demonstrieren. Als sie einige Tage später zur Arbeit gehen wollte, wurde sie von zwei Polizisten empfangen und in das Gefängnis Hoheneck gebracht.

Wenig später wurde sie wegen staatsfeindlicher Hetze verurteilt.

Die Besucher der Grenzstätte lauschen den Erzählungen der Hamburgerin gespannt. „Das sind echte Geschichten, die gehen einem unter die Haut“, sagt Bärbel Kiewe, „es muss schrecklich gewesen sein damals.“ Das bestätigt auch Manuela Polaszcyk. Die Leistungsschwimmerin versuchte 1984 in Boltenhagen aus der DDR zu fliehen. Doch der Versuch, über die Ostsee zu schwimmen, misslang. Wegen Republikflucht wurde sie zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt. Die Zustände im Gefängnis waren unzumutbar. Bis zu 30 Frauen wurden teilweise in eine Zelle gepfercht.

In der Ausstellung werden die Schicksale von 25 Frauen vorgestellt. Die Gründe ihrer Inhaftierung waren unterschiedlich, doch sie alle wurden nachträglich rehabilitiert. Die Ausstellung erzählt von den unerträglichen Zuständen im größten Frauenzuchthaus der DDR, zeigt Briefe von Kindern an ihre inhaftierten Mütter und Entlassungsscheine. Der Fotograf Dirk von Nayhauß hat die Frauen fotografiert. Die Autorin Maggie Riepl hat ihre Geschichten dazu aufgeschrieben. Neben der Ausstellung ist daraus das Foto-Buch „Der dunkle Ort“ entstanden. Die von der Heinrich-Böll-Stiftung präsentierte Ausstellung ist bis Sonntag, 30. August, zu sehen. Geöffnet ist die Grenzdokumentations-Stätte jeweils dienstags bis sonnabends von 14 bis 17 Uhr und am Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet drei Euro für Erwachsene und zwei Euro für Kinder und Jugendliche.

mwe

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