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Lübeck 28 Mal mit Stechbeitel zugestoßen
Lokales Lübeck 28 Mal mit Stechbeitel zugestoßen
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21:43 14.07.2016
Quelle: fotolia

In Lübeck, wo er zehn Jahre lebte, hatte der Angeklagte seine stabilste Phase, heißt es im Urteil. Hier hatte die Resohilfe dem seit seiner Jugend Drogenabhängigen eine Wohnung in der Fischergrube vermittelt, hier fand er eine Freundin, wurde er Vater einer Tochter. Dann scheiterte die Beziehung, er zog zurück nach Rendsburg und stürzte ab. Am Mittwoch verurteilte das Kieler Landgericht den ehemaligen Lübecker (45) wegen Totschlags zu achteinhalb Jahren Freiheitsstrafe.

28 Mal hatte der Angeklagte laut Obduktionsbericht mit einem Stechbeitel auf sein gleichaltriges Opfer eingestochen, mit dem er am 6. November 2015 bei einem Trinkgelage in der Rendsburger Wohnung eines Nachbarn in Streit geraten war. Die Waffe lag griffbereit beim Werkzeug. Eigentlich wollte man die Bleibe des Gastgebers renovieren. Stattdessen feierte man. Schon gegen Mittag steuerten die Streithähne auf einen Alkoholpegel von zwei Promille zu.

Der Auslöser für den tödlichen Wutausbruch des früher nie durch Gewaltdelikte aufgefallenen Täters sei im Dunkeln geblieben, sagte der Vorsitzende der Schwurgerichtskammer in der knapp anderthalbstündigen Urteilsbegründung. Erst am Ende des viertägigen Prozesses hatte sich der vielfach wegen Diebstahls vorbestrafte Angeklagte, der schon wiederholt in Lübeck-Lauerhof einsaß, zur Sache eingelassen. Sein Gegner sei immer lauter geworden und habe ihn genervt, erklärte der ehemalige Förderschüler, deshalb habe er ihm die Faust ins Gesicht geschlagen. Nach der Tat sei er nach Hause gegangen und habe seinen Rausch ausgeschlafen. Geweckt wurde er von der Polizei. Das Blut des Opfers an seiner Kleidung führte er auf dessen „Nasenbluten“ zurück. Doch gerade die Nase des Getöteten wies keine offene Verletzung auf.

Der Gastgeber und einzige Augenzeuge hatte den Namen des Täters zunächst aus Angst verschwiegen. „Halt’s Maul, sonst bist du auch dran“, habe der Angeklagte ihm angedroht. Später verplapperte sich der Zeuge. Kurz nach 14 Uhr hatte dieser die Wohnung verlassen, um die Polizei zu alarmieren. Gleichzeitig wirkte der Täter mit bis zu 2,7 Promille Alkohol im Blut weiter mit Fußtritten und Stichen auf sein am Boden liegendes Opfer ein, heißt es im Urteil. Eine erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit zur Tatzeit sei nicht auszuschließen. Das Opfer (1,9 Promille) erlag am Folgetag seinen schweren Kopfverletzungen. Eine Notoperation im Uniklinikum konnte sein Leben nicht mehr retten.

Zu weiteren zweieinhalb Jahren Haft wurde der Angeklagte wegen besonders schweren räuberischen Diebstahls und Diebstahls mit Waffen verurteilt: Zwei Mal war er im Supermarkt beim Mitnehmen von Spirituosen auf frischer Tat ertappt und verfolgt worden. Einmal hatte er ein Taschenmesser dabei, das andere Mal bedrohte er den Marktleiter mit erhobener Wodkaflasche.

Nach Verbüßung von knapp dreieinhalb Jahren soll der Angeklagte laut Urteil aus der JVA in eine geschlossene Entziehungsanstalt wechseln.

 gey

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