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Lübeck 35 EHEC-Tote, Nieren-Not und Nervenschäden
Lokales Lübeck 35 EHEC-Tote, Nieren-Not und Nervenschäden
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14:56 08.01.2013
Quelle: dpa

Viele EHEC-Kranke werden ihr ganzes Leben unter den

Folgen der Epidemie leiden. „Etwa 100 Patienten sind so stark

nierengeschädigt, dass sie ein Spenderorgan brauchen oder lebenslang

zur Dauerdialyse müssen“, sagte SPD-Gesundheitsexperte Karl

Lauterbach der „Bild am Sonntag“. Er kritisierte zudem, dass die

Erkrankungen teils per Post gemeldet würden.

Chancen auf ein

schnelleres System sieht auch das Robert Koch-Institut (RKI).

Am Samstag hatten Behörden zweifelsfrei Sprossen aus einem Biohof

im niedersächsischen Bienenbüttel als Infektionsquelle ausgemacht. Im

EHEC-Puzzle fehlen jedoch noch Teile. Wie der Keim in den Betrieb

kam, ist beispielsweise offen. Der nordrhein-westfälische

Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) sagte dem WDR, die

Lieferkette vom Biohof zu den Erkrankten in NRW sei bislang unklar.

Der Darmkeim tötete weltweit inzwischen 35 Menschen, wie die

Weltgesundheitsorganisation (WHO) mitteilte. Darunter seien 34

Todesfälle in Deutschland und einer in Schweden. Nach Angaben des RKI

und des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ist es der

heftigste jemals registrierte EHEC-Ausbruch auf der ganzen Welt.

Der drohende Nierennotstand verschlimmert ein bekanntes Problem:

Bundesweit stehen etwa 8000 Menschen auf der Warteliste für eine neue

Niere - wegen ganz unterschiedlicher Krankheiten. Weniger als 3000

Nieren wurden allerdings im vergangenen Jahr verpflanzt, wie aus

Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation hervorgeht.

Außer Nierenversagen löst EHEC laut Ärzten schwere neurologische

Schäden aus. Mediziner berichteten etwa von Sprachstörungen wie bei

einem Schlaganfall oder Zuckungen bis hin zu epileptischen Anfällen.

Die Kritik an Verzögerungen im Meldesystem ist beim RKI ein Thema.

„Das soll ja auch auf der politischen Ebene überprüft werden“, sagte

Sprecher Günther Dettweiler der Nachrichtenagentur dpa. Man müsse

darüber sprechen, sobald die Krise vorbei ist. Er räumte ein, dass

Informationen auf elektronischem Wege den Empfänger schneller

erreichen könnten. Insgesamt gebe es aber „keinen Anlass, sich zu

beschweren. Das hat gut funktioniert“.

Lauterbach kündigte eine Untersuchung im Gesundheitsausschuss an.

„Die Kliniken müssen in Zukunft jeden EHEC-Fall direkt per Mail an

das Robert Koch-Institut melden.“ Die bisherige Meldekette vom

Gesundheitsamt vor Ort über das Landesgesundheitsamt an das RKI

dauere mindestens eine Woche.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr forderte ebenfalls bessere

Meldeverfahren. „Nach Abklingen des EHEC-Ausbruchs werden Länder und

Bund gemeinsam die Arbeit bewerten. Mir ist dabei der

Informationsfluss zwischen den Beteiligten besonders wichtig“, sagte

Bahr der „Bild am Sonntag“. Forderungen nach einer zentralen Stelle

zur Seuchenbekämpfung erteilte der FDP-Politiker erneut eine Absage.

Lauterbach warnte darüber hinaus vor weiteren Infektionswellen in

Deutschland: „EHEC-Erreger sind weltweit auf dem Vormarsch. Auch in

Deutschland wird es künftig immer wieder zu EHEC-Ausbrüchen kommen.“

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) kündigte in der

„Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ Konsequenzen für die

Lebensmittelüberwachung an. „Einbezogen werden müssen hierbei

natürlich auch Importe von Samen aus dem Ausland.“ Sie werde auf

schärfere Vorschriften für die Sprossenzucht etwa bei der Hygiene

drängen. Laut einem Ministeriumssprecher hatte sie schon vor einer

Woche die Länder gebeten, schwerpunktmäßig Sprossenproduzenten und

-händler sowie deren Produkte zu überprüfen.

Die EHEC-Fahnder hatten am Samstag neue Beweise gegen die

verdächtigen Sprossen aus Bienenbüttel gefunden. Zwei weitere

Mitarbeiterinnen des Biohofs sind demnach mit dem lebensbedrohlichen

Darmkeim infiziert. Das BfR bestätigte zudem, dass der EHEC-Erreger

an den Sprossen zweifelsfrei vom selben Typ ist wie die Bakterien, an

denen in Deutschland mehr als 4000 Menschen nachweislich erkrankten

oder eine Infektion angenommen wird.

Auch die Fälle im Ausland haben laut WHO fast alle eine Verbindung

nach Deutschland. Es gebe bislang nur fünf Ausnahmen.

Gemüsebauern fordern unterdessen vollen Schadenersatz. Sie seien

nach der Warnung vor rohen Tomaten, Gurken und Salat insbesondere in

Norddeutschland völlig unverschuldet in eine existenzgefährdende

Situation geraten, denn es habe keine Belege für eine

EHEC-Kontamination gegeben. Der Präsident des Provinzialverbandes

Rheinischer Obst- und Gemüsebauern, Christoph Nagelschmitz, sagte der

dpa: „Deshalb erwarten wir mit vollem Recht den vollen Ersatz der in

der Gemüsewirtschaft entstandenen Schäden.“

EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos rechnet am Dienstag mit der

Zustimmung der Mitgliedstaaten für das 210-Millionen-Euro-Hilfspaket

der Kommission für Landwirte. „Dann könnten wir die ersten Hilfen im

Juli abwickeln und auszahlen“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“.

Russland beobachtet die Lage vor einem möglichen Aufheben des

Gemüseboykotts weiter. „Wir haben keinen Grund zur Sorglosigkeit“,

sagte der oberste Amtsarzt Gennadi Onischtschenko am Samstag in

Moskau. Russland will die Einfuhr einzelner Gemüsesorten aus den 27

EU-Staaten erst erlauben, wenn diese auf EHEC geprüft wurden und mit

einem entsprechenden Laborzertifikat versehen sind.

LN

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Tödlicher Unfall am Samstagmorgen auf der Autobahn A 226. In der Ausfahrt Dänischburg prallte ein 19-Jähriger Mann aus Ostholstein mit seinem Golf-Variant fahrerseitig frontal gegen einen Baum.

08.01.2013

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08.01.2013

Leipzig - Verbraucher müssen laut den Behörden nicht

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08.01.2013
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