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Lübeck 50 Jahre „Aufklärung“ für Lübecks Wasser
Lokales Lübeck 50 Jahre „Aufklärung“ für Lübecks Wasser
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21:56 06.07.2017
Enno Thyen (56), seit zwölf Jahren Leiter der Stadtentwässerung und Chef von 160 Mitarbeitern, zeigt die Brühe aus einem Belebungsbecken. Im Hintergrund sind die Faultürme zu sehen, in denen der Klärschlamm 20 Tage bleibt. Quelle: Fotos: Lutz Roessler
St. Lorenz Nord

120 Liter Wasser verbraucht jeder Lübecker im Durchschnitt täglich, 45 Liter für die WC-Spülung, 50 Liter für das Baden und Duschen, 25 Liter für Geschirrspülen und Wäschewaschen. Hinzu kommt der Wasserverbrauch in Industrie- und Gewerbebetrieben. Was durch den Abfluss fließt, landet in den beiden Lübecker Klärwerken in der Warthestraße und auf dem Priwall – 20 Millionen Kubikmeter (oder 20 Milliarden Liter) Abwasser jährlich. Die größere der beiden Anlagen, das Zentralklärwerk an der Warthestraße, nahm am 30. Juni 1967 den Betrieb auf – und feiert jetzt 50-jähriges Bestehen. Die Entsorgungsbetriebe Lübeck (EBL) laden die Bürger zu einem „Tag der offenen Tür“ ein.

Das zentrale Klärwerk der Stadt feiert Jubiläum. Fast 20 Millionen Kubikmeter Abwasser werden hier jährlich gereinigt.

Tag der offenen Tür

1500 bis 2000 Besucher erwarten die EBL am „Tag der offenen Tür“ auf dem Gelände des Zentralklärwerks in der Warthestraße 5. Von 11 bis 16 Uhr können die Bürger die Anlagen besichtigen, die Spülung eines gläsernen Kanals erleben oder einen Blick in die Labore werfen. Der letzte Besuchstag war 2007.

In den 50 Jahren seines Bestehens ist das Zentralklärwerk kräftig gewachsen. Enno Thyen, Spartenleiter Stadtentwässerung, zeigt auf zwei runde Becken am Rande des elf Hektar großen Geländes. In diesen beiden Becken, von denen das eine noch im Betrieb ist und hauptsächlich das Regenwasser vom Gelände auffängt, wurde 1967 das Abwasser der Bürger und Betriebe von St. Lorenz Nord gereinigt.

„Bis 2006 gab es noch vier Kläranlagen in der Hansestadt“, erinnert sich EBL-Direktor Jan-Dirk Verwey. Mittlerweile werden die Schmutzfrachten konzentriert gereinigt – alles, was in Travemünde weggespült wird, landet auf dem Priwall. Das restliche Lübeck wird im Zentralklärwerk entsorgt. 80 Pumpwerke und Hunderte Kilometer lange Leitungen transportieren die Brühe in die Warthestraße.

Hierher fließen auch die Abwässer von Bad Schwartau, Stockelsdorf, Groß Grönau und Groß Schenkenberg.

Die Schmutzfracht wird durch mehrere Reinigungsstufen geschickt. Rechen entziehen der Brühe die groben Bestandteile. Spartenleiter Thyen: „Alles, was größer als sechs Millimeter ist, wird rausgefiltert. Auch der Großteil der Wattestäbchen.“ Der Umgang vieler Bürger mit ihren Hygieneartikeln macht den Abwasser-Profis bis heute zu schaffen. Neuestes Sorgenkind: Der zunehmende Gebrauch von Hygienetüchern, die im WC landen und die Pumpwerke verstopfen.

In den Belebungsbecken startet der Angriff der Bakterien. Enno Thyen: „Die biologisch abbaubaren Substanzen holen wir zu 99 Prozent aus dem Abwasser, Phosphor auch zu 99 Prozent und Stickstoffverbindungen zu 92 Prozent.“ Probleme bereiten organische Schadstoffe wie Medikamente und Pflanzenschutzmittel sowie die Mikroplastikteilchen. EBL-Chef Verwey sieht da aber eher die Verursacher in der Pflicht: „Es wäre viel effizienter, Schadstoffe da zu bekämpfen, wo sie entstehen.“ Große Kliniken und Hersteller müssten die Vorreinigung des Abwassers leisten, fordert Verwey.

100 Millionen Euro hat der Ausbau des Zentralklärwerks in 50 Jahren gekostet. Finanziert über die Abwassergebühren der Lübecker. Verwey: „Die Gebühren sind seit mehr als zehn Jahren stabil, darauf sind wir stolz.“

 Kai Dordowsky

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