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Lübeck 58-Cent-Sonderbriefmarke zu Ehren von Willy Brandt
Lokales Lübeck 58-Cent-Sonderbriefmarke zu Ehren von Willy Brandt
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21:02 29.10.2013
Staatssekretär Werner Gatzer präsentierte gestern die Willy-Brandt-Sonderbriefmarke und würdigte das Lebenswerk des früheren Kanzlers und Friedensnobelpreisträgers. Quelle: Olaf Malzahn

Es ist eine der ganz typischen Gesten von Willy Brandt, die der Kieler Grafiker Ingo Wulff auf die 58-Cent-Sonderbriefmarke gebannt hat: Den Kopf leicht schräg, zwei Finger seiner linken Hand an die Schläfe gedrückt und der Blick nach innen gekehrt. Vor 100 Gästen im Willy-Brandt-Haus wurde gestern die Briefmarke präsentiert, die an den früheren Bundeskanzler, SPD-Politiker, Widerstandskämpfer und Friedensnobelpreisträger erinnert. Nach dem Jahr 1993 (damals war es eine 1-DM-Marke) ist es das zweite Postwertzeichen mit seinem Porträt, das vom Bundesfinanzministerium herausgegeben wurde.

Nun sagten auch gestern viele, es bedürfe keiner Briefmarke, um die Erinnerung an diesen Weltpolitiker wach zu halten, der 1970 mit dem Kniefall von Warschau den Eisernen Vorhang zerriss. Doch Bürgermeister Bernd Saxe äußerte in der Feierstunde die Überzeugung, dass es Willy Brandt gefallen hätte, dass diese Sonderbriefmarke in seiner Heimatstadt präsentiert wurde. Brandt, so Saxe, sei Lübeck sehr verbunden gewesen. Er habe seine Heimatstadt im Herzen getragen.

Die Präsentation der Sonderbriefmarke ist der Auftakt einer großen Veranstaltungsreihe anlässlich des 100. Geburtstags des SPD-Politikers. Hier in Lübeck habe der schwierige Weg Brandts begonnen, sagte Karsten Brenner, Vorstandsvorsitzender der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung. Vor 80 Jahren ging Herbert Frahm als 20-Jähriger ins norwegische Exil, um die Nationalsozialisten zu bekämpfen und nahm den Tarnnamen Willy Brandt an. Mit der Sonderbriefmarke werde ein Mann geehrt, der sein Leben in den Dienst der Politik gestellt habe, der verehrt worden sei, aber auch Verachtung habe ertragen müssen, betonte Brenner und hob hervor: „Willy Brandt hat unvergessliche Maßstäbe im Politikstil gesetzt.“

Björn Engholm, früherer schleswig-holsteinischer Ministerpräsident und ehemaliger SPD-Vorsitzender, hob hervor, dass das Interesse am Wirken des ehemaligen Kanzlers auch heute noch sehr groß sei. Das Willy-Brandt-Haus in Lübeck „wird stark frequentiert, vor allem auch von vielen jungen Leuten“. Engholm erinnerte daran, wie der große SPD-Politiker mit schweren Verunglimpfungen zu kämpfen hatte:

„Brandt wurde herabgesetzt wegen seiner Herkunft, seines Exils und seiner Ostpolitik.“

In seiner Rede betonte der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Werner Gatzer („Ich bin der letzte Sozialdemokrat in der Bundesregierung, das wird sich hoffentlich ändern“), die Bedeutung von Briefmarken als „kleinste Botschafter Deutschlands“. Weltweit werde jetzt mit dieser Sondermarke an einen der herausragendsten Staatsmänner des 20. Jahrhunderts erinnert. Dass Brandt den Weg gehen musste, den er ging, wird deutlich in einem Satz, mit dem Lehrer des Johanneums 1931 in einem Protokoll den Schüler Herbert Frahm charakterisierten. Werner Gatzer zitierte diesen bemerkenswerten Vermerk: „Frahm ist ein Fanatiker seiner Überzeugung.“

Sonderstempel
Die Willy-Brandt-Sonderbriefmarke wird vom Bundesfinanzministerium mit einer Auflage von fünf Millionen Stück herausgegeben. Am kommenden Sonnabend, 2. November, können interessierte Bürger und begeisterte Philatelisten die Sondermarke mit dem Sonderstempel „Kniefall von Warschau“ erwerben. Die Stempelaktion findet im Willy-Brandt-Haus in der Königstraße 21 in der Zeit von 11 bis 18 Uhr statt.

Torsten Teichmann

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