Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck 600 Lübecker bei Demo zum Hafenstraßen-Brandanschlag
Lokales Lübeck 600 Lübecker bei Demo zum Hafenstraßen-Brandanschlag
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:30 18.01.2016
Demonstranten vor dem Holstentor. Quelle: Maxwitat
Innenstadt

Marie Agonglovi war auch da. Die 57-Jährige hatte sich von München aus auf den Weg nach Lübeck gemacht. 20 Jahre, nachdem sie ihr Leben retten konnte, erinnerte die Togolesin zusammen mit 600 Demonstranten daran, dass der Brandanschlag auf das Asylheim in der Hafenstraße bis heute ungeklärt ist. „Ich kann diese Nacht einfach nicht vergessen“, sagte Marie Agonglovi, „ich will, dass die Täter gefunden werden.“

Alles zum Brandanschlag in der Hafenstraße erfahren Sie in unserem Themendossier unter www.LN-Online.de/Hafenstrasse

Das will auch der damalige Bürgermeister Michael Bouteiller, der sich unter die Demonstranten mischte und die damalige Hausbewohnerin herzlich begrüßte. Doch die Wiederaufnahme von Ermittlungen, die Politiker und Rechtsanwälte immer wieder fordern, geht dem Solidaritätszentrum der Alternative auf der Wallhalbinsel nicht weit genug. Eine Rednerin verlangte bei der Kundgebung auf dem Schrangen, dass der Kieler Landtag einen Untersuchungsausschuss Hafenstraße einsetzen solle.

Bei der Demo zum Gedenken an die Opfer des Brandanschlags in der Hafenstraße 1996 nahmen laut Polizeiangaben am Sonnabendvormittag 600 Menschen teil.

Maria Brinkmann vom Flüchtlingsforum verlas die Namen der sieben Kinder und drei Erwachsenen, die bei dem verheerenden Feuer ums Leben kamen. Sie schlug den Bogen zur aktuellen Flüchtlingspolitik in Deutschland und Lübeck. Die Forderung des Flüchtlingsforums, Schutzsuchende nur in kleinen, dezentralen Unterkünften unterzubringen, sei fallengelassen worden. Das Versagen von Behörden müssten die Ehrenamtlichen ausbügeln. Brinkmann verurteilte die Abschiebepläne von Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) und ebenso „die widerlichen, sexuellen Übergriffe auf Frauen in Köln“. Inga Gottschalk, Vorsitzende des Migrationsforums, berichtete konkret von Abschiebungen durch die Hansestadt, bei denen Familien auseinandergerissen würden. Der damalige Bürgermeister Bouteiller habe sich 1996 für die Angehörigen der Opfer stark gemacht. Gottschalk: „Wir erwarten vom jetzigen Bürgermeister, dass er sich ebenfalls für die Familien einsetzt, statt pauschal die Zahl von 1000 möglichen Abschiebungen in die Welt zu setzen.“

Wie es Flüchtlingen ergeht, schilderte Fawad Hotak aus Afghanistan. Der 23-Jährige wartet seit 17 Monaten auf sein Asylverfahren. Das Leben in einer Erstaufnahme sei menschenunwürdig. Geflüchtete aus Afghanistan dürften nicht an kostenlosen Deutschkursen teilnehmen. Hotak: „Ein Kursus kostet 130 Euro im Monat, eine Fahrkarte 74 Euro. Das kann man von 330 Euro im Monat nicht bezahlen.“

Die Veranstalter hatten mit 1000 Teilnehmern gerechnet. Im vergangenen Jahr waren sogar 4500 Menschen auf der Demo — damals mobilisierten die Anschläge auf Charlie Hebdo die Bürger. Die geringere Zahl sei aber kein Zeichen, „dass die Aufmerksamkeit geringer geworden ist“, sagte Heike Behrens vom Flüchtlingsforum. Behrens: „Viele Bürger haben inzwischen durch ihre ehrenamtliche Arbeit direkten Kontakt zu Flüchtlingen gefunden und empfinden das womöglich als ausreichendes Signal.“

Von Kai Dordowsky

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!