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Lübeck 70 Jahre sicheres Baden auf dem Priwall
Lokales Lübeck 70 Jahre sicheres Baden auf dem Priwall
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20:17 26.08.2017
Später will Felix Wohlsen mal bei der DRK-Wasserwacht arbeiten – genau wie sein Opa. Beim Tag der offenen Tür darf der Dreijährige schon mal auf dem Einsatzquad der Rettungskräfte probesitzen. Quelle: Fotos: Lutz Roessler

Der Rettungswagen braucht etwa sieben bis elf Minuten von Kücknitz bis zum Priwall in Travemünde. Eigentlich keine lange Zeit, aber im Notfall kann jede Sekunde zählen. „Seitdem das Priwall-Krankenhaus vor etwa zehn Jahren geschlosen wurde, übernehmen wir die Erstversorgung der Verletzten, bis der Rettungswagen eingetroffen ist“, sagt Ulrike Schumacher, Kreisleiterin der DRK-Wasserwacht Lübeck. „Sobald irgendjemandem auf dem Priwall etwas passiert – und sei es nur, dass er in eine Glasscherbe getreten ist, dann sind wir da.“

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Die Ehrenamtler der DRK-Wasserwacht Lübeck feiern Jubiläum – Besucher, Interessierte und ehemalige Rettungskräfte beim Tag der offenen Tür in der Strandrettungswache auf dem Priwall.

Und das schon lange. Die DRK-Wasserwacht auf dem Priwall feiert ihr 70-jähriges Jubiläum. Zum Tag der offenen Tür kamen gestern viele Besucher und Interessierte an den DRK-Wachturm der Strandrettungswache auf der Halbinsel. Sie schauten sich Einsatzfahrzeuge und alte Fotos an oder warfen einen Blick in das Innere des 1953 gebauten Wachturmes. „Als es den Turm noch nicht gab, haben die Rettungskräfte hier den Sommer über in einem großen Zelt geschlafen“, sagt Schumacher. „Wachdienst wird hier nicht mehr gemacht, dafür haben wir zwei andere Wachtürme direkt am Strand. Heute sind in dem Turm eine Küche und einige Schlafplätze.“

Klaus-Dieter Dornbusch kann sich noch erinnern, wie er selbst in dem Turm Wache geschoben hat. „Damals war die Wasserkante noch viel dichter, der Strand war nicht so groß wie heute“, sagt Dornbusch, der 1966 bei der Wasserwacht angefangen und fast jeden Sommer auf dem Priwall beim DRK gearbeitet hat. „Einmal“, erinnert sich Dornbusch, „damals gab es die innerdeutsche Grenze noch, da spazierte ein Spanier am Strand entlang und ging immer weiter bis zur DDR-Grenze dahinten“, sagt Dornbusch und zeigt auf den weitläufigen Priwallstrand Richtung Osten. „Er hat wohl die Warnhinweise der Grenzbeamten nicht gehört oder verstanden. Dann fielen Schüsse. Wir haben den Mann mit einem Oberschenkeldurchschuss wieder rübergeholt. Das war heftig.“

Doch es gibt auch schöne Erinnerungen an seine Zeit bei der DRK-Wasserwacht. „Bei der Weltmeisterschaft 1974 – das war witzig – da haben wir hier per Lautsprecher die Ergebnisse durchgegeben. Der ganze Strand hat mitgefiebert“, sagt der 68-Jährige und muss dabei lächeln. „Eigentlich darf man durch den Lautsprecher nur Warnungen aussprechen, aber das war eine Ausnahme.“

Felix Wohlsen ist noch zu klein, um bei der Wasserwacht mitzumachen – er würde aber gerne. Deswegen sitzt der Dreijährige auf dem Quad des DRK, lenkt wild hin und her und drückt einige Knöpfe. „Wenn ich groß bin, dann will ich auch hier sein. Genauso wie mein Opa“, sagt der Junge.

Über Familienbande ist auch Robert Rumm zur DRK-Wasserwacht gekommen – allerdings schon im Jahr 1978. „Mein Vater war hier früher Wasserwachtleiter, meine Mutter hat auch hier gearbeitet“, sagt der 55-Jährige, der heute noch als Ausbilder tätig ist. „So kommt man hier rein, ich habe hier so viele Sommer verbracht. Erst in den 90ern wurde es ein bisschen weniger, davor war ich jede Saison hier.“

Geändert hat sich in der Zeit vieles: die Größe des Strandes, die Ausstattung der Rettungskräfte, die zwei neuen Wachtürme. Eines aber ist gleich geblieben: „Das Miteinander. Die Leute machen das ehrenamtlich, kommen aus ganz Deutschland hierher und nutzen teilweise ihren Jahresurlaub, um hier mitzuarbeiten. Die Kameradschaft war und ist schon immer etwas ganz Besonderes.“

Im Sommer jeden Tag im Einsatz

14 Ehrenamtler kümmern sich täglich in der Sommersaison um die Sicherheit der Badegäste auf dem Priwall. Sie überwachen den Badebetrieb auf den beiden Wachtürmen, sind mit dem Boot draußen auf dem Meer oder mit dem Quad am Strand unterwegs. Die Wachtürme sind jedes Jahr vom 1. Juni bis zum 15. September von 9 bis 18 Uhr besetzt, außerhalb der Wachzeiten leben die Ehrenamtler im Hauptwachturm. Außerdem gibt es beim DRK zwei „First Responder“, die die medizinische Erstversorgung bei Verletzten übernehmen, solange bis der Rettungswagen aus Lübeck eingetroffen ist.

Die DRK-Wasserwacht ist immer auf der Suche nach Freiwilligen. Interessierte müssen nicht wasseraffin sein, es wird auch Unterstützung im technischen Bereich oder bei der Organisation gebraucht.

Hannes Lintschnig

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