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Lübeck 705 Millionen Euro Umsatz: Lübeck lebt von Touristen
Lokales Lübeck 705 Millionen Euro Umsatz: Lübeck lebt von Touristen
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00:36 30.07.2016
Die Küste ist beliebt: Travemünde verzeichnet ein Plus von 7,7 Prozent an Übernachtungsgästen – im Zeitraum Januar bis Mai. Quelle: Olaf Malzahn
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Lübeck

Urlaub machen, Zeit haben, Geld ausgeben. Dieser Dreisatz gilt offenbar auch für die Gäste der Hansestadt. Denn noch nie haben Touristen so viel Geld in der Stadt gelassen wie im vergangenen Jahr. Satte 705 Millionen Euro Umsatz durch Touristen verzeichnet die Hansestadt. Das ergibt eine Studie des DWIF-Instituts in München im Auftrag des Lübeck und Travemünde Marketings (LTM). Das sind knapp 70 Millionen Euro mehr als noch zwei Jahre zuvor. 2013 fuhr Lübeck 635 Millionen Euro Umsatz ein. Eine Steigerung um zehn Prozent. Damit ist der Tourismus die entscheidende Wachstumsbranche in der Hansestadt.

„Der Tourismus ist eine Kernbranche“, erklärt Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD). Er sei ein starker Wachstumsmarkt und wichtiger Wirtschaftsfaktor. Und vor allem: Die Tourismusbranche biete „standortgebundene Arbeitsplätze, die nicht in andere Länder oder Regionen verlagert werden können“. Denn die Gäste wollten ja Lübeck und Travemünde sehen – und nicht Neumünster und Selmsdorf. Am meisten profitiert der lübsche Einzelhandel von den Touristen. Dort gaben die Gäste 295,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr aus. Das Gastgewerbe folgt dicht dahinter mit 294,8 Millionen Euro auf Platz zwei der Profiteure. Platz drei belegen die Dienstleistungen mit 114,7 Millionen Euro. Doch auch die Hansestadt selbst hat etwas von den Touristen: Denn der Umsatz generiert Steuereinnahmen. Die belaufen sich auf 15,5 Millionen Euro, legt man 2,5 Prozent als kommunalen Steueranteil zu Grunde.

Hauptgrund für den Besucher- Boom: der Trend der Deutschen zum Urlaub im eigenen Land. Lübeck mit seiner Altstadt und Travemünde mit der Ostsee ist dabei offenbar eine attraktive Kombination. Im vergangenen Jahr reisten so viele Gäste in die Hansestadt wie noch nie: 730 000.  Und sie übernachteten 1,7 Millionen Mal in Hotels und auf Campingplätzen der Hansestadt. „Wir haben wieder eine neuen Rekord erzielt“, freut sich LTM-Aufsichtsratschef Lars Rottloff. Er sei optimistisch, dass die Tourismus-Offensive der Stadt aufgehe. Denn die Stadt will 2020 zwei Millionen Übernachtungen zählen. Wenn man für 2015 auch die Nächte bei den kleinen Privatvermietern dazu rechnet, ist die Stadt bereits über ihr Ziel hinausgeschossen – dann kommt sie auf 2,12 Übernachtungen. Und das fünf Jahre vor dem angepeilten Datum.

Doch vor allem: Die Hansestadt ist beliebt bei Tagesgästen. 16 Millionen zählte diese Gruppe 2015 – auch das sind so viele wie noch nie. Davon sind 14,2 Millionen Gäste, die klassisch für einen Tag anreisen. 1,72 Millionen sind Touristen, die bei Freunden und Verwandten nächtigen. Sie gelten auch als Tagesbesucher, wurden aber bisher nicht in der Statistik erfasst.

Doch wer sorgt für den meisten Umsatz in der Hansestadt? Weil die Tagesgäste und Besucher von Freunden mit 16 Millionen die größte Gruppe an Besuchern stellen, sorgen sie auch für mehr als die Hälfte des 705-Millionen-Euro-Umsatzes – nämlich für gute 460 Millionen Euro. Auf Platz zwei landen die Touristen, die in Hotelbetten schlafen. Sie generieren einen Umsatz von 215 Millionen Euro. Mit deutlichem Abstand folgen die Gäste der kleinen Privatvermieter mit einem Umsatz von 14,6 Millionen Euro.

Und wer gibt am meisten Geld für seinen Urlaubstrip in die Hansestadt aus? Das sind die Hotelgäste. Sie legen im Durchschnitt 134,50 Euro am Tag auf den Tisch. Denn sie zahlen ja auch das Hotelbett. Platz zwei belegen diejenigen, die bei Privatvermietern einchecken. Ihr Urlaubstag in der Hansestadt kostet 75,80 Euro. Die Camper geben 41,40 Euro am Tag aus – ihr Bett haben sie ja dabei. Auf fast den selben Tagesschnitt kommen Urlauber, die in ihrer Ferienwohnung oder auf ihrem Boot nächtigen. Sie geben durchschnittlich 41,30 Euro aus. Am günstigsten reisen Tagesgäste und die Besucher von Freunden. Ihr Bett kostet sie nichts. Aber in der Stadt geben sie dennoch im Schnitt 29 Euro am Tag aus.

Für LTM-Chef Christian Martin Lukas sind die Zahlen Motivation, einen „Sehnsuchtsort für unsere Gäste zu schaffen“ und einen guten Service zu bieten. Er wolle den Aufenthalt für die Gäste so schön wie möglich gestalten. Lukas: „So dass sie begeistert sind, eine Nacht verlängern und wiederkommen.“

Der Boom geht weiter

8,1 Prozent Plus verzeichnet die Hansestadt in den ersten fünf Monaten dieses Jahres. Das sind dann insgesamt 540 000 Übernachtungen. Vor allem Travemünde legt kräftig zu mit einem Plus von 11,1 Prozent und kommt auf 200 000 Übernachtungen. Das Stadtgebiet erreicht ein Plus von 6,3 Prozent, die Übernachtungen steigen damit auf 340 000.
6,2 Prozent Plus bei den Übernachtungsgästen kommen hinzu – im Vergleich zu den ersten fünf Monaten des Vorjahres. Das sind 224 000 Touristen. In Travemünde beträgt der Zuwachs 7,7 Prozent – das sind mehr als 62 000 Gäste, die in Hotelbetten schlafen. Im Stadtgebiet ergibt das ein Plus von 5,7 Prozent und 160 000 Übernachtungsgäste.
2 Millionen Übernachtungen – das ist das Ziel der Hansestadt für 2020. Dafür will sie die Zahl der Betten um 4300 auf 12 400 Betten erhöhen.

Josephine von Zastrow

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