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Lübeck A-1-Baustelle: Deshalb dauert’s so lange
Lokales Lübeck A-1-Baustelle: Deshalb dauert’s so lange
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06:56 05.04.2017
Dringender Sanierungsbedarf: Jens Sommerburg zeigt an der A-1-Brücke über die Elisabethstraße den aktuellen Zustand der Fahrbahn. Quelle: Fotos: Lutz Roessler
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Lübeck/Bad Schwartau

Der Bagger gräbt seine Schaufel in den Grund, wo früher die Mittelleitplanke stand. Auf vier schmalen Spuren, auf der alten Fahrbahn Richtung Hamburg, rauschen die Autos vorbei. Staatssekretär Frank Nägele steht mit einer orangen Jacke auf der A 1, rund 200 Meter vor der Ausfahrt Bad Schwartau, und macht sich ein Bild vom Baufortschritt. „Was wir hier machen, ist eine Operation am offenen Herzen“, sagt er, während der Bagger seine Schaufel wieder in die Erde gräbt.

Fahrbahnschichten müssen erneuert, Brücken saniert werden – Staatssekretär macht sich ein Bild.

Nägele ist Staatssekretär im Kieler Verkehrsministerium, das für den Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr verantwortlich ist. Der Landesbetrieb wiederum plant, baut und unterhält die Autobahnen in Schleswig-Holstein. „Die A 1 ist eine der meist befahrenen Autobahnen Deutschlands“, sagt Nägele. „Wir wissen, dass diese Baustelle Touristen und Bewohner trifft.“ Die Maßnahmen seien jedoch unumgänglich für eine intakte Infrastruktur. Er wirbt daher um Verständnis und Geduld.

Die Autobahn wird grundlegend erneuert, der Lärmschutz verbessert. Seit rund drei Wochen ist die Autobahn nördlich der Anschlussstelle Lübeck-Zentrum bis zum Kreuz Bad Schwartau verengt. Derzeit werden die Spuren Richtung Norden saniert. Der Verkehr wird auf der Gegenfahrbahn auf zwei statt drei Fahrstreifen geführt.

Auch in der Hansestadt wird es eng. Denn die Anschlussstelle Bad Schwartau ist seit ebenfalls gut drei Wochen gesperrt. Wer aus Hamburg kommt und die Abfahrt nehmen will, muss eine Umleitung fahren – mitten durch Lübeck. Der Lohmühlenteller ist dabei nur das erste Nadelöhr. Zeitgleich erfolgte die Vollsperrung der A 226 Richtung Hamburg ab der Anschlussstelle Dänischburg bis zum Dreieck Bad Schwartau. Der Verkehr wird über die Landesstraße 181 und die Anschlussstelle Sereetz wieder auf die A 1 geführt.

Die Großbaustellen stellen die Lübecker Autofahrer derzeit auf eine Geduldsprobe, die noch bis Ende des Jahres andauern wird. „Solch ein Projekt schüttelt man nicht eben so aus dem Ärmel“, sagt Jens Sommerburg, Leiter der Niederlassung Lübeck des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr. „Von der Zeit her lädt das Projekt nicht zum Trödeln ein. Wir müssen stramm arbeiten.“

So müssen laut Sommerburg alle Schichten der Autobahn grundlegend erneuert werden. Die alte Fahrbahn wird dabei bis zu 80 Zentimeter tief ausgehoben. Der Experte nennt das „auskoffern“. „Wir reden hier von Tonnagen im Tausender-Bereich. Das ist eine logistische Herausforderung“, sagt Sommerburg. Das Material werde erst recycelt und anschließend zum Bau der neuen Fahrbahn genutzt.

Hinzu kommen die Brückenbauwerke. Vier Brücken, über die die Autobahn 1 führt, müssen saniert, zwei Brücken komplett erneuert werden. „Das können wir nur halbseitig machen, weil der Baustellenverkehr sonst nicht fahren kann“, sagt Sommerburg. „Das dauert dann fast doppelt so lang wie sonst.“

Auch der neue, offenporige Asphalt, der Verkehrslärm um rund fünf Dezibel mindert, trägt seinen Teil zur Bauzeit von neun Monaten bei. „Er hat ganz spezielle Anforderungen und kann nur bei optimalen Bedingungen verlegt werden“, sagt Sommerburg über das sensible Material.

Erst wenn die Fahrbahndecke fertig ist, können die Begleitmaßnahmen angegangen werden, so Sommerburg. Leitplanken aufbauen, Schilder und Leitpfosten aufstellen, Geländer montieren, Markierungen aufmalen. Insgesamt werden von den rund 68 Millionen Euro, die in diesen Abschnitt der A 1 investiert werden, in diesem Jahr 15,5 Millionen verbaut.

 Jan Dresing

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