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Lübeck Abdul: Eine Zukunft in Deutschland
Lokales Lübeck Abdul: Eine Zukunft in Deutschland
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10:12 08.08.2015
Mit seinen Pflegeeltern — hier mit Ziehvater Hans Kleinehelftewes — verbrachte Abdul (16, l.) ein paar Urlaubstage in Travemünde. Quelle: Leo Bloom
Travemünde

Windig ist es am Priwall-Strand, am Himmel ziehen die Wolken — doch Abdul stört das wenig. „Ich mag es hier“, sagt er und schaut auf das Wasser der Ostsee. „Die frische Luft tut einfach gut.“ Vor Kurzem verbrachte er zusammen mit seinen Pflegeeltern ein paar Urlaubstage in Travemünde, eine verdiente Auszeit, schließlich liegen schwere Jahre hinter dem junge Afghanen.

Bereits mehrere Male berichteten die LN über den 16-Jährigen, der vor sieben Jahren bei einer Gasexplosion in seiner Heimatstadt Mazar-i-Sharif im Norden Afghanistans schwer verwundet worden war.

Damals verbrannte seine Haut am ganzen Körper, das Gesicht war entstellt, durch die Wucht der Explosion verlor er einen Unterschenkel. Zwei Jahre musste Abdul mit den Verletzungen leben, bis er 2011 über eine Hilfsorganisation nach Deutschland kam. Die folgenden Jahre wurde er über 40 Mal an deutschen Kliniken operiert, zuletzt auch an der Universitätsklinik und der Sana-Klinik in Lübeck. „Es war eine schwere Zeit“, sagt der junge Mann heute, „aber ich bin für die Hilfe, besonders die der Lübecker Ärzte, sehr dankbar.“

Noch immer zeichnen Narben sein Gesicht, sein verlorener linker Unterschenkel wurde durch eine Prothese ersetzt. Dennoch kann Abdul heute wieder lachen: Das verdankt er vor allem auch seinen Pflegeeltern Iris und Hans Kleinehelftewes, mit denen Abdul jetzt in Nordrhein-Westfalen lebt. 2011 lernte das Ehepaar den damals Zwölfjährigen dort in einer Klinik kennen, Hans Kleinehelftewes war wegen einer gebrochenen Hand in Behandlung. „Ich habe Abdul im Wartezimmer gesehen, keiner wollte wegen seines entstellten Gesichtes mit ihm reden“, erinnert sich der Frührentner. Er sprach Abdul kurzerhand an. „Daraus hat sich dann eine Freundschaft entwickelt“, so Kleinehelftewes.

Über die Jahre halten Abdul und das Ehepaar den Kontakt, auch als der Junge zwischenzeitlich wieder in Afghanistan bei seiner Familie lebt. Das Ehepaar Kleinehelftewes will seinen jungen Freund unterstützen. Beide wenden sich an die Presse und sammeln etliche Spendengelder für die aufwendigen Operationen.

Mittlerweile sind die Nachbehandlungen der chirurgischen Eingriffe abgeschlossen. Und auch Deutsch hat Abdul in den vergangenen Jahren lernen können. Eine Voraussetzung für die Ausbildung, die er jetzt in Deutschland absolvieren wird. „Ich beginne im August bei einer Internetfirma eine Ausbildung zum Fachlageristen“, sagt er. Während der zweijährigen Lehre wird er bei seinen Pflegeeltern leben. Seine Eltern und seine sechs Geschwister in Afghanistan wird er selten sehen können. „Das ist natürlich traurig, wir stehen aber im Kontakt über Skype“, sagt Abdul. „Meine Familie ist sehr froh, dass ich jetzt eine Ausbildung in Deutschland beginnen kann.“

„Ich bin für die Hilfe der Lübecker Ärzte sehr dankbar.“
Abdul (16) aus Afghanistan

Katrin Diederichs

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