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Lübeck Abgesagt: Stadtverkehr-Chef geht ohne Abschiedsfeier
Lokales Lübeck Abgesagt: Stadtverkehr-Chef geht ohne Abschiedsfeier
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21:28 27.06.2017
Willi Nibbe geht in Rente. Quelle: Foto: Neelsen
Lübeck

Und tschüss. Ohne Fest. Die Abschiedsfeier für Stadtverkehr-Chef Willi Nibbe findet nicht statt. Er hat den Stadtverkehr 14 Jahre lang geleitet. Jetzt geht er am 31. Juli in Rente. Er hat seine Party selbst abgesagt. Der offizielle Grund: „Bedauerlicherweise kann die Verabschiedung aus persönlichen und organisatorischen Gründen nicht wie geplant stattfinden“, heißt es im Schreiben an die wieder ausgeladenen Gäste. Und weiter heißt es: „Stattdessen wird Willi Nibbe auch an diesem Tag unverdrossen als Geschäftsführer aktiv sein und am 31. Juli in den Ruhestand gehen.“ Der Brief wurde vergangene Woche verschickt. Die Einladung zur Verabschiedung war erst kurz davor versendet worden. Beide Schreiben hat Aufsichtsratschef Ulrich Pluschkell (SPD) unterschrieben.

Die Regeln

Die Abschiedsfeiern von Geschäftsführern städtischer Gesellschaften werden immer von der Gesellschaft finanziert. Die Stadt achtet darauf, dass die Party nicht opulent ausfällt. Es gab Chefs, die sich finanziell an der Feier beteiligt haben, um mehr Gäste einladen zu können. Was von Seiten der Stadt auch erlaubt ist.

Ratlos lässt das die meisten ausgeladenen Gäste zurück. Nach LN-Informationen hat es offenbar im Hintergrund die Debatte gegeben, ob die Verabschiedung nicht zu groß und zu teuer angelegt ist. „Es hat Diskussionen gegeben, ob das finanziell zu vertreten ist“, bestätigt Nibbe. Daraufhin habe er gesagt: „Dann lass’ ich es lieber.“ Und die Feier abgesagt. Daher die Ausladung an die Gäste mit dem Stempel auf Englisch: Cancelled.

Das war geplant: Nibbe wollte am 18. Juli auf den Betriebshof am Ratekauer Weg einladen. Von 11 bis 15 Uhr sollte es Chili con Carne aus der Gulaschkanone des benachbarten THW geben, dazu Salat und Eis. „Ich wollte eine bodenständige Sache mit meinen Mitarbeitern“, sagt Nibbe. Er habe nicht in einem exklusiven Kreis in einem schicken Restaurant mit Champagner feiern wollen. Da Nibbe Chef von drei Unternehmen ist, geht es immerhin um 700 Mitarbeiter vom Stadtverkehr, von der Lübeck-Travemünder Verkehrsgesellschaft und der Stadtwerke Holding. Allerdings wäre sicher nicht jeder gekommen.

Und zusätzlich waren gut 300 Gäste aus Lübeck, Hamburg und Schleswig-Holstein eingeladen. „Die sollten ebenfalls Chili con Carne bekommen“, sagt Nibbe. Etwa Hundert Leute hatten schon zugesagt. Ihm sei die Größenordnung der Veranstaltung durchaus klar gewesen. Bezahlt hätte die Feier der Stadtverkehr.

Doch dann hat es irritierte Nachfragen gegeben: Wie sollen die Busfahrer mitfeiern, wenn sie arbeiten? Wie sollen die Stadtwerke- Leute von der Geniner Straße zum Betriebshof kommen? Ist das Ganze nicht zu groß und zu teuer für ein Unternehmen, das städtische Zuschüsse bekommt? „Daher habe ich abgesagt – aber ohne Groll“, sagt Nibbe. „Ich wollte auch Schaden vom Unternehmen abwenden.“ Und sicher hätte auch ihm eine ausführliche Debatte über die Größe seiner Feier geschadet.

Klar ist aber: Auch die Ausladung sorgt jetzt für Irritationen. „Ich finde das unwürdig – nach 14 Jahren in einer Führungsposition“, sagt Andreas Zander (CDU). Er wollte im Hauptausschuss nachfragen, wie es dazu kommen konnte. Denn viele Politiker rätseln, was der Grund für die Ausladung ist. Auch der Betriebsratschef des Stadtverkehrs ist überrascht. Dem Vernehmen nach war man vor allem unter Sozialdemokraten erstaunt über die Party. Denn Nibbe hat als Stadtverkehr-Chef zwar das Defizit von knapp 30 Millionen Euro halbiert und auf 15 Millionen Euro gedrückt. Aber das war vor allem hart für die Mitarbeiter und hat Jobs gekostet.

Josephine von Zastrow

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