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Lübeck Abgeschleppt: Die letzte Fahrt der „Nautilus“
Lokales Lübeck Abgeschleppt: Die letzte Fahrt der „Nautilus“
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11:06 07.12.2018
Mit einem Schlepper der LPA wurde die „Nautilus“ jetzt vom Fischereihafen zur Herreninsel gebracht. Quelle: Klaus Abraham.
Travemünde

Ende Januar 2016 lief sie zum ersten Mal auf Grund. Ein knappes Jahr später sank die „Nautilus“ im Travemünder Fischereihafen ein zweites Mal. Nach seiner Bergung wurde das ehemalige Restaurantschiff wieder an der Fischerbrücke vertäut und später wegen der beginnenden Sanierungsarbeiten am Kai zu einem anderen Anleger gebracht.

Die Historie

Das Motorschiff „Nautilus“ wurde 1935 auf der Rostocker Neptunwerft als Schlepper für den Reeder Hermann Alwert in Wiek auf Rügen gebaut und gehörte ab 1957 zum VEB Weiße Flotte Stralsund. Es wurde bis 1990 überwiegend im Ausflugs- und Linienverkehr entlang der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns eingesetzt. Der Dampfer ist knapp 33 Meter lang, 5,30 Meter breit und hat einen Tiefgang von 1,97 Metern. 1992 kaufte der Travemünder Fischer Harry Lüdtke die „Nautilus“, holte sie aus Warnemünde ins lübsche Seebad.

Jetzt hat die „Nautilus“ ihre wohl letzte Reise angetreten: Ein Schlepper der Lübeck Port Authority (LPA) zog das 83 Jahre alte Schiff zur Herreninsel gegenüber der Ölmühle. Was genau mit dem verrosteten Seelenverkäufer passieren soll, steht noch nicht fest.

20000 Euro Schrottwert

Grund für die Aktion ist laut Stadtpressesprecherin Nicole Dorel, dass im Zuge der Bauarbeiten am Fischereihafen zurzeit der sogenannte Wellenbrecher – der Anleger direkt an der Trave – mit seinem Zugangssteg erneuert wird. „Es musste ein freies Baufeld geschaffen werden. Die LPA hat entschieden, das Schiff sicher im Bereich der Herreninsel abzulegen“, erklärt Nicole Dorel. Mit dem neuen Zugangssteg werde der erste Schritt zur Neugestaltung des Sportboothafens realisiert. Dadurch entstünden für die Saison 2019 bereits 19 neue Liegeplätze. Ob die „Nautilus“ abgewrackt werde oder an ihrem neuen Liegeplatz bleibe, sei Entscheidung des Eigentümers. Auf jeden Fall müsse dieser die Kosten für den Liegeplatz und ein eventuelles Abwracken tragen. Nach LN-Informationen soll der Schrottwert des Schiffs etwa 20 000 Euro betragen, das Abwracken dagegen geschätzt 80 000 Euro kosten.

Erste Havarie 2016

Das Schicksal der gesunkenen „Nautilus“ sorgte seit der ersten Havarie Anfang 2016 für Schlagzeilen in Presse, Rundfunk und Fernsehen. Das ehemalige Fahrgastschiff der DDR, im lübschen Seebad viele Jahre ein beliebter kulinarischer Anlaufpunkt für Touristen, lief am 29. Januar 2016 wegen eines Wassereinbruchs zum ersten Mal auf Grund. Die Feuerwehr sicherte das Schiff mit Tauen und legte eine Ölsperre. Durch die Havarie wurden mehrere Bullaugen beschädigt, durch die noch mehr Wasser eindrang. Die genaue Ursache des Sinkens konnte nicht festgestellt werden. Da die Küche und der Gastronomiebereich vom Wassereinbruch verschont blieben, zeigte sich der damalige Besitzer Dieter Müller optimistisch, das Restaurant bald wieder eröffnen zu können.

Zweite Havarie ein Jahr später

Doch daraus wurde nichts. Die „Nautilus“ blieb geschlossen und fing an, vor sich hinzurotten. Das ganze Jahr über lag das Schiff verwaist an der Fischerbrücke. Am 8. Januar 2017 dann die zweite Havarie. Es gab erneut einen Wassereinbruch, vermutlich aufgrund einer geplatzten Frischwasserleitung. Vor dem Abpumpen und der Bergung überprüften Taucher das Schiff auf undichte Stellen. Die „Nautilus“ wurde wiederum an der Brücke vertäut, lag dort bis April 2018. Da der Anleger wegen der Sanierungsarbeiten im Hafen abgerissen werden musste, wurde das „Geisterschiff“, wie es mittlerweile in der Bevölkerung spöttisch genannt wurde, an einen anderen Steg gezogen.

Kurz vor dem Verkauf

Vor der zweiten Havarie hatte Besitzer Müller gegenüber den LN geäußert, den Unglücksdampfer verkaufen zu wollen. Einen Interessenten hätte er bereits gefunden. Doch wenige Tage vor dem Vertragsabschluss sank das Schiff zum zweiten Mal. Gerüchten zufolge soll die „Nautilus“ zwischenzeitlich im Internet-Auktionshaus Ebay für einen Euro versteigert worden sein. Der Anblick des abwrackreifen und immer weiter rostenden Schiffs brachte jedenfalls Travemünder Politiker und Bürger auf die Palme. „Schandfleck“, „nicht mehr hinnehmbar“ und „eine Gefahrenquelle“ wurde geschimpft.

Der Zugang zur „Nautilus“ wurde von der Hafenbehörde mit einem Bauzaun gesperrt, damit keine Unbefugten auf das marode Schiff klettern konnten. Wer durch die Fenster des Restaurants lugte, konnte jedoch vermuten, dass dort weiterhin Essen serviert wurde, denn die Tische waren noch mit Tellern und Gläsern gedeckt. Zuletzt lag der Staub fingerdick auf Geschirr und Möbeln.

Thomas Krohn

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