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Lübeck Abschied vom Riesenrad
Lokales Lübeck Abschied vom Riesenrad
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10:10 22.06.2017
Feinarbeit: Christian Witthut (l.) und Nita Adrian Catalin bugsieren die abmontierten Gondel-Halterungen in den Container. Quelle: Fotos: Lutz Roessler
Travemünde

Das weiße Rad reckt sich 60 Meter hoch in den Himmel über Travemünde. Wie Gerippe wirken die Halterungen, die noch bis Dienstagabend die Gondeln trugen. Ab und an bewegt es sich ein Stückchen, danach ist nur Hämmern und das Geräusch eines Akkuschraubers zu hören. Gut abgeschirmt von neugierigen Blicken der Passanten auf Promenade und Trelleborgallee bauen sechs Arbeiter der Firma Steiger das 60 Meter hohe Riesenrad ab.

Drinnen, in den zu einer Seite aufgeklappten Containern, herrscht hektisches Treiben. Fast im Sekundentakt ist zu hören: „Weiter!“ Mehr wird nicht gesprochen auf der Baustelle, auf der vier Rumänen, ein Pole und Christian Witthut (35) als Leiter des Ganzen arbeiten. Zwei Männer stehen hoch oben auf einem fahrbaren Gerüst, einer verschiebt es, ein vierter steuert die kleinen Lastenträger. Unter die Halterungen der Gondeln fahren, in die kleinen Lastenheber einhängen, loshämmern, Bolzen herausnehmen und verstauen, Halterungen einklappen, sichern und hinüberheben auf die passgenauen Plätze im Container. Dort schiebt Nita Adrian Catalin (20) sie übereinander, während Witthut per Joystick den kleinen Kran steuert – so ist der Ablauf, der sich geschätzt binnen einer Minute abspielt, immer wieder kurz unterbrochen von „Weiter, Weiter!“-Rufen.

„Ich muss meine Augen überall haben“, sagt Witthut, der acht Jahre lang den Betrieb des Riesenrads geleitet hat, bis er in die Imbiss-Betriebe seiner Eltern einstieg. Doch bei Auf- und Abbau ist er nach wie vor am Riesenrad vor Ort, „denn ich kenne ja alles hier“. Wer so schnell arbeitet wie die Abbauhelfer, ist auch mal einen kleinen Moment unachtsam. Plötzlich krachen zwei dicke Schrauben vom Gerüst herunter auf den Containerboden – gut, dass gerade niemand in der Nähe steht. Nicht umsonst tragen die Abbauarbeiter Helme.

Gewichtiger Riese

420 Tonnen ist das Riesenrad schwer. Nach dem Abbau wird es auf 32 Container verladen, die jeweils 40 Fuß groß sind. Bis zum Transport nach Hamburg – dort wird es zum Sommer-Dom aufgebaut – wird es in der Nähe von Travemünde eingelagert.

42 Gondeln hat das Rad, 250000 LEDs beleuchten es.

Die 42 weißen Gondeln sind bereits am späten Dienstagabend abgebaut worden, in Reih und Glied stehen sie im Container. Jede Gondel trägt in roter Schrift den Namen einer deutschen Stadt. Düsseldorf „parkt“ beispielsweise zwischen Hannover und Köln. „Das größte transportable Riesenrad der Welt“, wie in den Gondeln zu lesen ist, verliert mehr und mehr Gerippe. „Bis zum Mittag“, sagt Witthut, „werden wir wohl fertig sein“. Dann stehen noch die Felge, die mit einem Kran abmontiert wird, und die großen Masten – einer wiegt 30 Tonnen. Chef Theo Rosenzweig (46), der gestern zum nächsten Einsatzort nach Hamburg eilen musste, ist sicher: „Spätestens Sonnabendmittag sind wir mit dem Abbau fertig.“ Dann werden die Container in der Nähe von Travemünde gelagert, bis das Riesenrad nach Hamburg gebracht wird. Rund eine Woche dauert dort der Aufbau.

Gerade rechtzeitig zu Ostern hatte das Steiger-Riesenrad seinen Betrieb aufgenommen. Nach gut zwei Monaten zieht Rosenzweig Bilanz: „Insgesamt sind wir ganz zufrieden, bei gutem Wetter war der Besuch in Ordnung.“ Doch das Wetter war – gerade in der ersten Maihälfte – nicht immer bestens. Dass er jetzt, wo in vier Bundesländern die Ferien beginnen, abreisen muss, bedauert Rosenzweig. „Aber das war auch relativ kurzfristig geplant, nächstes Mal werden wir das langfristiger planen.“ Eine Rückkehr nach Travemünde wäre auch aus Sicht des Lübeck und Travemünde Marketings schön. „Das Riesenrad war eine tolle Bereicherung, viele Gäste waren begeistert von dem tollen Blick“, sagt LTM-Sprecherin Doris Schütz.

Wer jetzt schon Riesenrad-Sehnsucht hat: Zur Travemünder Woche im Juli wird wieder eines aufgebaut. In der Weihnachtszeit soll dann ein Riesenrad auf dem Koberg stehen.

 Sabine Risch

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