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Lübeck Ärger um Hotel am Zob: Bürgerschaft stoppt Neubau
Lokales Lübeck Ärger um Hotel am Zob: Bürgerschaft stoppt Neubau
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20:55 13.04.2017
Alles neu am Zob: Ein Hotel und ein Ärztehaus sind geplant. Quelle: Foto: Neelsen

Das ist üblich, insbesondere an so einer prominenten Stelle. Zudem gehört das 2500 Quadratmeter große Grundstück der Stadt. Sie will es für 1,4 Millionen Euro an die WKM Development GmbH aus Herford veräußern. Das geht aus Unterlagen hervor, die den LN vorliegen. Doch die Politiker haben den Verkauf jetzt in nicht-öffentlicher Sitzung vertagt.

Denn: „Das Verfahren ist unglücklich gelaufen“, sagt SPD- Fraktionschef Jan Lindenau. Die Baupolitiker seien überhaupt nicht beteiligt worden. „Der Ablauf ist schon sehr merkwürdig“, stimmt CDU-Vormann Christopher Lötsch zu. Im Bauausschuss wurde das Projekt nur auf Nachfrage erwähnt. Zwar wurde es im Gestaltungsbeirat von den Architektur-Professoren diskutiert und abgesegnet – aber eher nebenbei. Eigentlich ging es dabei um den Neubau der benachbarten Apotheke samt Ärztehaus. Jetzt muss der Hotel-Neubau im Mai vorgestellt werden. Die Bürgerschaft könnte den Kaufvertrag dann entweder Mitte Mai oder Ende Juni absegnen.

Allerdings: Nicht nur die Politiker wussten nichts von dem Projekt, auch mit dem Stadtverkehr ist nur am Rande darüber gesprochen worden. Dabei ist der Zob direkt betroffen. „Das Vorhaben trifft unseren Nerv“, macht Sprecherin Gerlinde Zielke klar. Denn der Zob ist der Hauptknotenpunkt für die Busse. Täglich steigen dort 30 000 Fahrgäste ein und aus. Und täglich fahren dort 2000 bis 2500 Busse – macht im Durchschnitt 100 Busse in einer Stunde. „Der Zob muss funktionieren“, sagt Zielke und fordert: „Dieses Bauvorhaben muss intensiv mit uns abgestimmt werden.“

Das neue Hotel soll direkt am Zob errichtet werden. Das Areal grenzt dort an – und ist neben dem Durchgang zum Bahnhof platziert. Dort steht aktuell ein graues schäbiges Gebäude aus den 1960er Jahren, auf dem in Blau die drei Buchstaben „ZOB“ prangen. Daneben ist ein Parkplatz und wild gewachsenes Gestrüpp. Das Grundstück erstreckt sich bis zur Konrad-Adenauer-Straße. Das Gelände entwickelt Jürgen Wernekinck von WKM. Dem Vernehmen nach wird es ein Steigenberger Hotel mit vier Sternen. Das Gebäude ist ein langgestreckter Riegel mit fünf Geschossen, die Fassade besteht aus rotem Ziegel. Die noble Unterkunft beherbergt 172 Zimmer, zudem sind Konferenzräume geplant. Baustart soll 2018 sein, Eröffnung 2019.

Das Problem: Der Haupteingang des Hotels ist in Richtung Zob platziert. Direkt davor sind drei Haltestellen für Busse. „Taxis und Autos von den Hotelgästen dürfen dort gar nicht vorfahren“, macht Lindenau klar. Und: Die Anlieferung des Hotels soll ebenfalls über den Zob erfolgten. Die Lastwagen sollen am Hotel vorbei in den Innenhof fahren – dort ist der Durchgang zum Zob. Morgens gehen hier Tausende Pendler zum Bahnhof. „Wie soll das funktionieren?“, fragt Lindenau. Zudem ist an dieser Stelle ein Café im Erdgeschoss des Hotels mit einer Terrasse geplant. Direkt dort, wo auch die Busse halten und die Fahrgäste aussteigen. Lötsch: „Es muss sichergestellt werden, dass die Funktion des Zob nicht beeinträchtigt wird.“ Die Idee: Das Hotel hat an der Seite zur Konrad-Adenauer-Straße einen kleineren Eingang – der könnte zum Haupteingang werden.

Aber: Es gibt auch eine unklare Rechtslage. „Die muss geprüft werden“, so Lindenau. Die Stadt will das Grundstück auf Grundlage eines Kaufvertrages von 1990 veräußern. Den hatte die Stadt damals mit Siegfried Homann geschlossen. Er hatte sich damit eine Option gesichert. Doch fast 30 Jahre ist nichts passiert. Im Vertrag gab es keine Frist, wann es losgehen sollte. Jetzt würde WKM in den Vertrag einsteigen. Heutzutage müsste die Stadt das Areal wohl ausschreiben.

Der Investor

Der Entwickler des Hotels, Jürgen Wernekinck, wollte schon einmal in der Hansestadt investieren. Zwei Grundstücke hatten er und Volker Schlüschen reserviert – im Kailine- Projekt auf der Nördlichen Wallhalbinsel. Doch die Bürgerschaft stoppte das Projekt 2013 spektakulär – mit den Stimmen von CDU, Grünen und kleinen Parteien. Am Zob indes sind sich CDU und SPD einig, dass sie den Neubau des Hotels grundsätzlich wollen.

 Josephine von Zastrow

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