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Lübeck Ärger um Natur-Museum: Ausbau kommt nicht voran
Lokales Lübeck Ärger um Natur-Museum: Ausbau kommt nicht voran
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21:14 07.07.2017
Gerhard Höpfner (68) legt seit mehr als 30 Jahren urzeitliche Walskelette in Groß Pampau (Herzogtum Lauenburg) frei und präpariert sie. Sie sind die Hauptattraktion des Museums für Natur und Umwelt. Quelle: Foto: Lutz Roessler
Innenstadt

Vor fünf Jahren zwang die Bürgerschaft die Verwaltung zu einer Kehrtwende: Sie nahm das Museum für Natur und Umwelt von der Sparliste, die Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) vorgelegt hatte, und bewahrte es damit vor der Schließung. In derselben Sitzung beschloss sie einstimmig, das Museum auszubauen zu einem Umweltbildungszentrum. Das Museum blieb, aber das Bildungszentrum gibt es bis heute nicht. Der Walforscher Gerhard Höpfner, dessen Fossilienfunde die Hauptattraktion des Museums sind, wirft Kultursenatorin Kathrin Weiher (parteilos) jetzt vor, die Erweiterung absichtlich zu verschleppen.

Walforscher Gerhard Höpfner wirft Senatorin Kathrin Weiher vor, das 2012 beschlossene Umweltbildungszentrum zu verschleppen.

Weltweiter Rang

11 Millionen Jahre sind die fossilen Walskelette alt, die im Museum für Natur und Umwelt ausgestellt sind.

Darunter sind mehrere Fossilien von ausgestorbenen Arten, die bisher unentdeckt waren. Sie begründen den internationalen Rang der Lübecker Sammlung.

Auf Höpfner geht die Idee eines Umweltbildungszentrums zurück, das sich in Zusammenarbeit mit Umwelt- und Naturschutzorganisationen an die breite, vor allem junge Öffentlichkeit richten soll. Er brachte den Vorschlag im Juni 2012 in eine Einwohnerversammlung ein, von wo aus er seinen Weg in die Bürgerschaft nahm. „Danach war Ruhe“, sagt Höpfner. „Ich dachte, das geht jetzt seinen Gang.“

Zunächst sah es auch danach aus. 2014 gab die Possehl-Stiftung 35000 Euro für eine Biologin, die mit der Leiterin des Museums, Susanne Füting, ein Konzept erarbeiten sollte. Das Konzept liegt seit 2015 vor – ist aber bisher weder der Öffentlichkeit noch der Politik vorgelegt worden.

Für Höpfner ist die Idee eines Bildungszentrums eng verbunden mit einer angemessenen Präsentation der Fossilien, die er seit den 80er Jahren mit einem ehrenamtlichen Grabungsteam in einer Kiesgrube in Groß Pampau (Kreis Herzogtum Lauenburg) freigelegt und selbst in Tausenden von Stunden präpariert hat. Die meisten hat er dem Museum geschenkt. „Die Walfunde sind das Zugpferd. Sonst wäre das Museum dicht“, sagt er.

Auch die Politik macht Druck – nachdem Katja Mentz (GAL) eine detaillierte Anfrage an die Verwaltung stellte. Henning Stabe (CDU), Vorsitzender des Kulturausschusses, wünscht sich konkretere Angaben zu dem Projekt: „Wir brauchen Maßnahmenpakete, wie man das umsetzen kann.“ Peter Petereit, der für die SPD im Kulturausschuss sitzt, kritisiert die Zurückhaltung Weihers: „Wenn das Konzept existiert, dann muss es möglichst früh in die Diskussion.“ Die Idee eines Umweltbildungszentrums findet Petereit „hochgradig attraktiv und zukunftsweisend“. „Wenn dann nicht der Motor angeworfen wird, können Zweifel kommen, ob sie noch an die Idee glauben.“

Weiher beteuert, dass sie an dem Projekt festhält. Tatsächlich scheint sie aber von dem Konzept nicht völlig überzeugt zu sein. „Es ist mir ein bisschen schwergefallen, aufgrund dieses Konzeptes der Politik einen zusätzlichen Personalbedarf zu verkaufen“, sagt sie. „Ich habe ja erlebt, wie schwer es ist, hier Personalstellen zu rekrutieren.“ In der Antwort auf die GAL-Anfrage heißt es aber, das Konzept werde im September dem Kulturausschuss vorgestellt.

Der Umbau des Museums würde nach ihren Angaben etwa 450000 Euro kosten. Das sei ein Projekt für die nächste Legislaturperiode. Hans Wißkirchen, Chef der Lübecker Museen, sieht die Pampauer Walfossilien sogar als ein Alleinstellungsmerkmal für Lübeck wie das Welterbe oder die Nobelpreisträger. Das sei durch die Funde der letzten zwei Jahre deutlich geworden. Hoffnungen auf eine zusätzliche wissenschaftliche Stelle aus städtischen Mitteln weckt er nicht. Er sieht aber gute Chancen auf Drittmittel: „Die Stiftungen, die die Wissenschaft fördern, haben wesentlich größere Möglichkeiten als rein kulturelle Stiftungen.“

Hanno Kabel

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