Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Bis zu 30 Prozent mehr Gehalt für Amtsärzte
Lokales Lübeck Bis zu 30 Prozent mehr Gehalt für Amtsärzte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:38 07.11.2018
Mit Gehaltszulagen will die Stadt Amtsärzte für das Gesundheitsamt gewinnen. Quelle: Lutz Roessler
Lübeck

Mit Gehaltszulagen für Amtsärzte will die Hansestadt Pannen wie ausgefallene Einschulungstests künftig vermeiden. Sozialsenator Sven Schindler (SPD): „Eine Arbeitsmarktzulage, die wir bereits jetzt zahlen können, soll künftig für Amtsärzte zur Regel werden.“ Diese Zulage beträgt 20 Prozent. Außerdem denkt Schindler über eine Facharztzulage von weiteren zehn Prozent nach. Der Sozialsenator: „Damit kommen wir in Größenordnungen der Gehälter, die am UKSH gezahlt werden.“ Derzeit würden Lübecker Amtsärzte bis zu 1000 Euro weniger im Monat als Klinikärzte verdienen.

Die Stadt öffnet die Schatulle, weil sie als Arbeitgeber attraktiver werden möchte. Und ganz konkret, damit sie den Ärztemangel im Gesundheitsamt in den Griff bekommt. Das Gesundheitsamt, das insgesamt 70 Mitarbeiter hat, konnte die Einschulungsuntersuchungen für angehende ABC-Schützen nicht mehr vollständig sicherstellen. 2017 waren rund 200 Kinder nicht vor dem Schuleintritt untersucht worden, 2018 waren es 160. Dr. Michael Hamschmidt, Leiter des Gesundheitsamtes, sprach am Dienstagabend vor Sozialpolitikern von „einer Verkettung unglücklicher Umstände“.

Dr. Michael Hamschmidt, Leiter des Gesundheitsamtes: „Das war eine Verkettung unglücklicher Umstände.“ Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

So sei eine Ärztin woanders hingegangen, eine gerade neu eingestellte Kollegin sei schwanger geworden und in den Erziehungsurlaub gegangen, eine Kollegin sei langfristig erkrankt und eine andere Kollegin für eine Facharztausbildung freigestellt worden. Hamschmidt hofft, dass eine Ärztin im Februar 2019 aus dem Erziehungsurlaub zurückkehrt und eine bereits ausgeschriebene Kinderarztstelle vorzeitig besetzt werden kann. Nach dem LN-Artikel über den Ärztemangel habe sich ein pensionierter Kinderarzt gemeldet, „der uns unter die Arme greifen will“. Außerdem sei das Gesundheitsamt mit einem Nachbarkreis im Gespräch, um eventuell Kinder dorthin zur Untersuchung zu schicken.

Eine Kooperation mit niedergelassenen Ärzten, wie sie von mehreren Politikern vorgeschlagen wurde, hält Hamschmidt nicht für aussichtsreich: „Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die niedergelassenen Kollegen noch Zeit für schulärztliche Untersuchungen haben.“ Der Leiter des Gesundheitsamtes glaubt, „dass wir es 2019 hinkriegen“.

Sozialsenator Sven Schindler und der Vorsitzende des Sozialausschusses, Ingo Schaffenberg (beide SPD), im Sozialausschuss. Quelle: 54° / Felix König

Die Sozialpolitiker kritisierten, dass sie über die Zustände aus der Zeitung erfahren hätten. Michelle Akyurt (Grüne): „Wenn 200 Kinder nicht untersucht werden, ist das gravierend.“ Die Behörde habe nicht rechtzeitig auf den Ärztemangel reagiert. Sozialsenator Schindler, der erst durch eine Notiz eines Schulrates von den Folgen des Ärztemangels im Gesundheitsamt erfahren hatte: „Bisher haben wir immer eine Lösung gefunden. Wir hatten das Gefühl, dass es eng wird, aber klappt.“ Andreas Müller (Linke) befürchtet, dass ähnliche Hiobsbotschaften auch aus anderen Ämtern drohen. Müller: „Das sind die Folgen der Politik des schlanken Staates.“ Ingo Schaffenberg (SPD) regte an, Zulagen nicht nur an Ärzte, sondern auch an Pflegekräfte zu zahlen.

Kai Dordowsky

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Donnerstag- und Freitag-Nacht wird die Eric-Warburg-Brücke gereinigt und gewartet. Ab 19 Uhr ist die Brücke daher teilweise gesperrt.

07.11.2018
Lübeck Travemünde/St. Lorenz Nord - Genetischer Zwilling für Ben gesucht

15-Jähriger aus Thüringen galt nach Chemotherapie als geheilt. Jetzt ist die Leukämie zurück, Ben braucht dringend einen Stammzellen-Spender. Das Gesundheitsnetzwerk ruft zur Typisierung auf.

07.11.2018

Die Edel-Burgerketten „Hans im Glück (München) und „Peter Pane“ (Lübeck) haben ihren jahrelangen Streit überraschend mit einer außergerichtlichen Einigung beendet. Unter anderem ging es um die Gestaltung der Restaurants.

08.11.2018