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Lübeck Ärger um Ärztemangel: Politiker nicht informiert
Lokales Lübeck Ärger um Ärztemangel: Politiker nicht informiert
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18:44 05.11.2018
Weil Ärzte fehlen, fielen in diesem Jahr 200 Schuleingangsuntersuchungen aus. Quelle: Lutz Roessler
Lübeck

Diese Hiobsbotschaft traf die Sozialpolitiker der Bürgerschaft aus heiterem Himmel. 200 Kinder konnten in diesem Jahr vom Gesundheitsamt nicht auf ihre schulische Eignung untersucht werden, weil mehrere Ärztestellen nicht besetzt sind. „Das ist uns nicht bekannt gewesen“, erklärt Ingo Schaffenberg (SPD), Vorsitzender des Sozialausschusses. „Es ist ein Unding, dass wir diesen Zustand aus der Zeitung erfahren und nicht vom zuständigen Senator“, wettert Michelle Akyurt (Grüne), „diese Entwicklung muss sich doch abgezeichnet haben“.

Politiker von Untersuchungs-Ausfällen überrascht

Dass es Engpässe gebe, sei bekannt gewesen, sagt Gabriele Friemer (Unabhängige), aber dass Untersuchungen einfach ausfallen, „hat uns gänzlich überrascht“. Im vergangenen Dezember berichtete das Gesundheitsamt im Sozialausschuss ausführlich über Schuleingangsuntersuchungen. An Ausführungen zu einer dramatischen Personalnot, wodurch zehn Prozent der Schuleingangsuntersuchungen gar nicht stattfinden könnten, kann sich kein Sozialpolitiker erinnern.

Dabei stand die Behörde mit Sitz in der Sophienstraße 2015 schon einmal kurz vor dem Kollaps. Damals konnte das Gesundheitsamt wegen Personalmangels den Infektionsschutz nicht mehr gewährleisten. In einem Vermerk sprach der Leiter Dr. Michael Hamschmidt von einer dramatischen Lage. 2016 hieß es dann, die Lage habe sich entspannt.

Zügige Aufklärung über aktuellen Notstand

Die Sozialpolitiker fordern jetzt zügige Aufklärung über den aktuellen Notstand. Carsten Grohmann, Sozialpolitiker der CDU und selbst Mediziner, hat für den Sozialausschuss am Dienstag einen Fragenkatalog eingereicht. Grohmann will zunächst einmal die genauen Zahlen für 2018 wissen und eine Vorschau auf 2019 erhalten. Dann will der CDU-Politiker wissen, welche Anstrengungen die Hansestadt unternimmt, freie Arztstellen zu besetzen.

Sozialpolitiker verschiedener Parteien machen zugleich Vorschläge, wie eine schnelle Abhilfe aussehen könnte. „Die Stadt sollte prüfen, ob eine Zusammenarbeit mit Kliniken möglich ist“, sagt Ausschussvorsitzender Schaffenberg, von Beruf Krankenpfleger. Denkbar wäre, das Uniklinikum für die Schuleingangsuntersuchungen einzubinden. Schaffenberg: „In Zeiten des Mangels muss man Grenzen überwinden.“

Das leistet das Gesundheitsamt

Die Ärzte, Sozialarbeiter und Verwaltungsangestellten im Gesundheitsamt leiden nicht unter Langeweile. 2017 wurden 14906 zahnärztliche Untersuchungen in Kitas und Schulen vorgenommen, 1696 Kinder vor der Einschulung durchgecheckt. Der psychosoziale Dienst absolvierte 4928 Beratungen und Hausbesuche. In 816 Fällen ordnete die Behörde Zwangseinweisungen von psychisch Kranken an. 4852 Mal wurden Bescheinigungen nach Lebensmittelbelehrungen ausgegeben. 2474 Mal nahmen die Ärzte Leichenschauen vor.

Carsten Grohmann und Michelle Akyurt schlagen vor, die niedergelassenen Kinderärzte einzubinden. „Durch die regelmäßigen Untersuchungen sehen diese Ärzte die Kinder sowieso schon“, erklärt Grünen-Fraktionschefin Akyurt, „die Stadt müsste eine entsprechende Vergütung zahlen.“ CDU-Sozialpolitiker Grohmann will von der Verwaltung wissen: „Welche Bemühungen gibt es, durch Ausschreibung oder Kooperation mit niedergelassenen Ärzten zusätzliche Kapazitäten zu schaffen?“

Das sagen Politiker

Auch Gabriele Friemer von den Unabhängigen findet eine Ausschreibung der Leistung denkbar. Friemer: „Es ist jedenfalls ein Armutszeugnis, dass Schuleingangsuntersuchungen einfach ausfallen. Die Verwaltung hätte nach Alternativen suchen müssen.“ Grünen-Politikerin Akyurt sieht auch Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) in der Pflicht: „Wenn Stellen nicht besetzt werden können, weil sie nicht attraktiv genug sind, dann muss Lindenau überlegen, wie die Verwaltung attraktiver werden kann.“ Das sei allerdings ein langwieriger Prozess, räumt die Sozialpolitikerin ein.

Sozialsenator Sven Schindler (SPD), der selber erst vor ein paar Tagen von den Auswirkungen des Ärztemangels im Gesundheitsamt erfahren hat, will mit ersten Maßnahmen gegensteuern. Künftig werde die Stadt bei der Suche nach Ärzten mit finanziellen Anreizen arbeiten. Schindler: „Wir können Zulagen gewähren und werden diese offensiv vermarkten.“

Kai Dordowsky

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