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Lübeck Airport: Klagt Groß Grönau doch nicht?
Lokales Lübeck Airport: Klagt Groß Grönau doch nicht?
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08:44 19.09.2017
Lange sorgten sich die Groß Grönauer wegen vieler großer Flugzeuge. Jetzt ist es am Airport ruhiger geworden. Quelle: Fotos: Dpa, Felix König

Vor einem Jahr hat Winfried Stöcker den Flughafen gekauft. Er will dort eine Million Passagiere pro Jahr abfertigen, hat er angekündigt „Er ist ein seriöser und erfolgreicher Geschäftsmann“, so Graf.

Ein jahrelange Streit könnte bald zu Ende sein: Groß Grönaus Bürgermeister Eckhard Graf (SPD) will die Klage gegen den Lübecker Flughafen zurücknehmen. „Ich möchte einen Dialog führen“, sagt Graf. Denn: Der wohlhabendste Bürger ist jetzt Eigentümer des Airports.

Man müsse Stöckers Pläne ernstnehmen – im Gegensatz zu den früherer Investoren. Graf hofft, dass er im Gespräch mit Stöcker mehr erreicht als vor Gericht. Zudem: Etliche Groß Grönauer arbeiten bei Euroimmun. Stöcker hat die Firma gegründet und in diesem Sommer verkauft. Er hat den Standort des Medizintechnik-Unternehmens abhängig gemacht von einem Flughafen in Lübeck. „Die Existenz vieler Bürger hängt daran“, sagt Graf. Er will die Groß Grönauer diese Woche in einem Bürgerbrief über seine Haltung zum Flughafen informieren – und muss sich für Gespräche das Okay der Gemeindevertretung holen, wahrscheinlich im November. In der Gemeindevertretung sitzen jeweils acht Vertreter von SPD und CDU sowie ein Liberaler.

Reden statt klagen – das kommt beim Kieler Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) gut an. „Der Weg über die Gerichte ist für alle Seiten mühsam und zeitraubend“, sagt Buchholz. „Ich hoffe, dass die geplanten Gespräche in eine gutnachbarschaftliche Einigung münden.“ Möglicherweise führe ein Dialog dazu, „dass Groß Grönau erkennt, dass die Pläne Stöckers für den Flughafen nicht nur negative Auswirkungen auf die Gemeinde haben“. Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) ist ähnlicher Ansicht: „Es ist richtig, sich um eine außergerichtliche Einigung zu bemühen.“ Und Stöcker? Setzt auf Gespräche. „Unser Ziel ist eine gute Beziehung zur Nachbarschaft“, sagt Sprecherin Stefanie Eggers.

Allerdings ist die Gemeinde Groß Grönau nicht die einzige Klägerin. Auch die Schutzgemeinschaft gegen Fluglärm und zwei Anwohner klagen. Und die denken nicht daran, sich außerhalb des Gerichtssaals zu einigen. „Wir klagen bis zum bitteren Ende“, kündigt Gerhard Haase von der Schutzgemeinschaft an. Die Initiative hat nach seinen Angaben 400 Mitglieder. Haase kämpferisch: „Wir lassen uns nicht kaufen.“

Formal richtet sich die Klage gar nicht gegen den Flughafen, sondern gegen das Land. Denn Kiel hat im März 2009 grünes Licht für den Ausbau des Airports durch einen Planfeststellungsbeschluss gegeben. „Der ist gut begründet und ausgewogen“, sagt Buchholz. Und macht klar: „Falls es zu keiner außergerichtlichen Einigung kommt, werden wir die Auseinandersetzung vor Gericht nicht scheuen.“

Vorgesehen ist: Die Start- und Landebahn soll um 155 Meter auf 2257 Meter verlängert und an beiden Enden mit Wendehammern versehen werden. Das Vorfeld soll für zehn Maschinen erweitert werden. Zudem sind Tausende Parkplätze geplant, ein neues Abfertigungsgebäude und eine Anflugbefeuerung. Das Nachtflugverbot gilt zwischen 23.30 und 5.30 Uhr – Ausnahmen sind aber möglich.

Dagegen sind die Kläger im April 2009 vor das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Schleswig gezogen. Ihr Hauptargument: Der Ausbau sei nicht finanzierbar. Im März 2011 dann die Entscheidung: Der erste Senat des OVG hat den Ausbau genehmigt – im Eilverfahren. Das Hauptsacheverfahren ist indes noch nichts entschieden. Es ruhte, weil die Airport-Eigentümer drei Mal wechselten und die beiden privaten Betreiber pleite gingen. Nun ist der vermögende Stöcker neuer Eigentümer – und jetzt könnte es schnell gehen. Eine Sprecherin des OVG: „Es ist noch in diesem Jahr eine Sitzung geplant.“

 Von Josephine von Zastrow

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