Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Airport: Stöcker im Glück – aber Groß Grönau will weiter klagen
Lokales Lübeck Airport: Stöcker im Glück – aber Groß Grönau will weiter klagen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:43 01.07.2016
Auf ein Neues: Winfried Stöcker ist Airport-Eigentümer, Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) gratuliert. Quelle: Maxwitat

Das Leben ist kurios. Jetzt klagt Lübecks Nachbargemeinde gegen einen ihrer prominentesten und wohlhabendsten Bürger. Groß Grönau gegen einen Groß

Zur Galerie
Auf ein Neues: Winfried Stöcker ist Airport-Eigentümer, Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) gratuliert.

Grönauer. Euroimmun-Chef Winfried Stöcker ist seit gestern neuer Eigentümer des Lübecker Airports, dessen Firmensitz ebenfalls in Groß Grönau ist. Gegen den Flughafen kämpft die Nachbargemeinde seit Jahren. Und das bleibt auch so.

„Ich gehe davon aus, dass die rechtliche Auseinandersetzung zu einem Ende geführt wird“, macht Groß Grönaus Bürgermeister Eckhard Graf (SPD) klar. Am kommenden Mittwoch tagt der Flughafen- Ausschuss der Gemeinde, dort wird die neue Situation beraten. Aber Graf geht nicht davon aus, dass Groß Grönau die Klage zurückzieht. Das könnte nur die Gemeindevertretung. Dennoch: „Wir wollen das Gespräch mit Herrn Stöcker suchen“, sagt Graf. Noch sei nicht klar, was der Unternehmer genau am Flughafen vorhat. Gesetzt den unwahrscheinlichen Fall, dass Groß Grönau doch auf den Gerichtsweg verzichtet, gibt es drei weitere Kläger. Die Schutzgemeinschaft gegen Fluglärm und zwei Nachbarn. „Wir und die Anwohner ziehen die Klage nicht zurück“, erklärt Gerhard Haase vom Verein. Es mache keinen Unterschied, ob der Flughafenbetreiber aus Groß Grönau oder aus China komme.

Der Hintergrund: Groß Grönau, Schutzgemeinschaft und Anwohner klagen formal gegen das Land – nicht gegen den Flughafen. Denn Kiel hat im März 2009 grünes Licht für den Ausbau des Airport durch einen Planfeststellungsbeschluss gegeben. Der besagt: Die Start- und Landebahn soll um 155 Meter auf 2257 Meter verlängert und an beiden Enden mit Wendehammern versehen werden. Das Vorfeld soll für zehn Maschinen erweitert werden. Zudem sind Tausende Parkplätze geplant, ein neues Abfertigungsgebäude und eine Anflugbefeuerung. Das Nachtflugverbot gilt zwischen 23.30 und 5.30 Uhr– Ausnahmen sind aber möglich. Gegen den Beschluss sind die Kläger im April 2009 vor das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Schleswig gezogen. Ihr Hauptargument: Der Ausbau sei gar nicht finanzierbar.

Im März 2011 dann die Entscheidung: Der erste Senat des OVG hat den Ausbau genehmigt – im Eilverfahren. Das Hauptsacheverfahren ist indes noch nicht entschieden. Es wurde unterbrochen, weil die Airport-Eigentümer seither drei Mal wechselten und weil die beiden privaten Betreiber pleitegingen. Jetzt übernimmt Stöcker den Flughafen. „Wir wollen zunächst einen attraktiven Business-Airport für Norddeutschland entwickeln“, erklärt der Unternehmer. Der neue Flughafen-Chef Jürgen Friedel stimmt zu: „Wir werden den Airport zunächst vorwiegend für Geschäftsflieger offenhalten.“ Dann soll der Weg für die Verkehrsfliegerei geebnet werden. Dafür müsse der Planfeststellungsbeschluss rechtssicher sein und der Flughafen nach Bedarf ausgebaut werden. Friedel will daher mit Anwohnern und Vereinen rund um den Airport Gespräche führen.

Die Haltung der Schutzgemeinschaft ist aber eindeutig: „Wir fordern, dass das Gerichtsverfahren schnellstmöglich wieder aufgenommen wird“, sagt Haase. Auch das Land hat es eilig. „Wir gehen davon aus, dass in absehbarer Zeit das Verfahren wieder aufgenommen wird“, so ein Sprecher. Stöcker hat bereits erklärt, dass er als Flughafen-Eigentümer als Beigeladener das Gerichtsverfahren weiterführen will. Indes: Beim OVG ist das nicht bekannt. Wie eine Sprecherin sagt, gilt das Verfahren offiziell weiterhin als unterbrochen.

Der neue Eigentümer

Die Stöcker Flughafen GmbH & Co.KG hat zum 1. Juli den Flughafen Lübeck übernommen – mit Sitz in Groß Grönau. Dahinter steht Euroimmun-Chef Winfried Stöcker. Er ist der vierte private Eigentümer des Airports, den nun ein neues Logo (Foto) ziert. Seine Firma liegt direkt neben dem Airport. „Für mein Unternehmen ist ein Flughafen in der Nähe ein Standortvorteil und fast eine Voraussetzung“, so Stöcker. „Vor allem werden Lübeck und die beiden Nordländer vom Flughafen profitieren.“ Hoteliers der Region und der Fährhafen würden es begrüßen, wenn ihre Gäste Deutschlands Norden per Flugzeug erreichen können.

 Josephine von Zastrow

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die mehrheitliche Entscheidung der Bürgerschaft, dass die 48 Winterlinden an der Untertrave gefällt werden, hat überall empörte Reaktionen hervorgerufen. 230 Kommentare gingen allein auf der Facebook-Seite der LN ein. Am Mittwoch entscheidet das Aktionsbündnis über ein Bürgerbegehren.

01.07.2016

Wieder sind einer Lübecker Ampel die Lichter ausgegangen: Nach zahlreichen Ampelausfällen in den letzten Monaten – Holstenstraße, Hafenstraße, Possehlstraße/Ecke Welsbachstraße – hat es jetzt eine Fußgängerampel an der Kronsforder Allee erwischt.

02.07.2016

In ihrer Sommeraktion „Verborgene Paradiese“ stellen die Lübecker Museen einmal nicht ihre Exponate, sondern ihre Gärten und Höfe in den Mittelpunkt. Im Juli und August nutzen sie ihre Außenanlagen für Feste und kulturelle Veranstaltungen.

02.07.2016
Anzeige