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Lübeck Alle Kandidaten wollen kräftig investieren
Lokales Lübeck Alle Kandidaten wollen kräftig investieren
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21:19 06.10.2017
IHK-Hauptgeschäftsführer Lars Schöning befragte die Kandidaten zu ihrer Digitalstrategie. Quelle: Foto: Neelsen
Lübeck

Wenn die Bürgermeister-Bewerber den Chefsessel im Rathaus besteigen, wird erst einmal ordentlich in die Infrastruktur investiert. Das machten Weiher (parteilos), Lindenau (SPD), Misch (Freie Wähler), Alam (parteilos), Stolzenberg (parteilos) und Heising (parteilos) auf Befragung der Industrie- und Handelskammer (IHK), der Kaufmannschaft zu Lübeck und der Wirtschaftsjunioren Lübeck in der Musik- und Kunstschule klar.

Kampf um den Chefsessel im Rathaus: Fünf Männer und eine Frau wollen Lübecks neuer Bürgermeister werden. Neu hinzugekommen ist der bisher unbekannte Kandidat Joachim Heising (parteilos). Am Freitag muss der Gemeindewahlausschuss die Bewerber bestätigen.

IHK-Hauptgeschäftsführer Lars Schöning wollte wissen, welche Digitalisierungsstrategie die Kandidaten verfolgen. Weiher erklärte, dass sie ein digitales Konzept für die Schulen fertig in der Schublade habe, aber nicht umsetzen dürfe. „Das werde ich nach der Wahl als erstes umsetzen.“ Lindenau will „die komplette, technische Infrastruktur der Hansestadt erneuern“. Die Verwaltung sei gerade erst auf Windows 7 „upgegradet“ worden. Heising will dafür sorgen, dass „Bürger 80 bis 90 Prozent der Vorgänge online durchführen können“. Stolzenberg bezeichnete die Digitalstrategie des Amtsinhabers als Bankrotterklärung und will als erstes einen Beraterkreis Digitale Strategie einberufen. Misch will die städtische Informationstechnologie besser besetzen. Alam erklärte: „Es macht keinen Spaß, in Lübeck zu surfen, die Stadt muss in Datenleitungen investieren.“

Michael Weiß, Präses der Kaufmannschaft, beklagte, dass er mit dem Auto von der Moltkestraße bis zum Hauptbahnhof eine Stunde brauche. „Was wollen die Kandidaten tun, damit Investoren von den Lübecker Staus nicht abgeschreckt werden?“, fragte er. Weiher räumte ein, dass „ich als Investor derzeit woanders hingehen würde“. Mit ihr werde es „wunderbare, neue Gewerbegebiete“ und „abgestimmte Planungsprozesse“ geben. Es könne nicht angehen, dass Investoren acht bis zehn Jahre vertröstet würden. „Scheiß auf die schwarze Null“, sagte Alam, Lübeck müsse sofort Geld für Straßen und Brücken ausgeben. Lindenau will Gewerbegebiete auf Vorrat entwickeln, „weil wir drei Mal mehr Anfragen als verfügbare Flächen haben“. Auch in den bestehenden Gewerbegebieten müssten Datenleitungen ausgebaut werden. Heising zeigte sich erleichtert, dass Lübeck der Flughafen erhalten geblieben ist und forderte ein besseres Baustellen-Management. Misch kritisierte die „investorenfeindliche Haltung der Bürgerschaft“ und forderte mehr Mitarbeiter für die Bauverwaltung. Stolzenberg bezeichnete Lübecks Infrastruktur als ausreichend: „Das Chaos wird durch die vielen Baustellen verursacht.“

Alle sechs Bewerber halten sich für kompetent, den Wirtschaftsstandort Lübeck voranzubringen. Lindenau, Misch und Heising verwiesen auf ihre langjährigen Erfahrungen in der freien Wirtschaft als Bankkaufmann, Autohändler und Finanzmakler. Stolzenberg ist Freiberufler und hat in einer Kommunalverwaltung gearbeitet. Weiher hat in verschiedenen Branchen Spitzenpositionen bekleidet. Und Alam war früher mal Tellerwäscher und ist jetzt Geschäftsführer einer kleinen Grafikfirma.

 dor

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