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Lübeck Alles Übung: Großalarm bei Remondis
Lokales Lübeck Alles Übung: Großalarm bei Remondis
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07:36 14.10.2016
Übung eines Extremfalls: Nach einer knappen Stunde können die Einsatzkräfte den zwischen Giftfässern und Lkw eingeklemmten Mann bergen und reanimieren. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
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St. Lorenz Nord

Der Alarm kommt um 15.03 Uhr bei der Leitstelle der Feuerwehr an. „Im größten Zwischenlager für Sonderabfälle in Schleswig-Holstein im Gewerbegebiet Roggenhorst hat es einen schlimmen Betriebsunfall gegeben. Ein Lkw-Fahrer hat wegen eines Herzinfarktes die Kontrolle über seinen Wagen verloren und einen Behälter mit leicht brennbarer Flüssigkeit angefahren. Es gibt mehrere Verletzte.“ Die Einsatzkräfte rücken aus.

„Die Feuerwehr ist immer innerhalb von wenigen Minuten hier“ lobt Remondis-Sprecher Michael Schneider, während er vor einem weißen Lkw steht, der offenbar in einen Haufen blauer Spannringfässer gefahren ist. Rauch steigt auf, und eine grüne Flüssigkeit läuft aus den Fässern in Richtung der Lagerhalle 1. Der Fahrer des Lkw hängt leblos über dem Steuer. „Er ist Laienschauspieler und das alles glücklicherweise nur eine Übung, aber wir simulieren ein multiples Schadensszenario“, erklärt Schneider. Im Hintergrund sind die Hilferufe eines weiteren Schauspielers zu hören. „Er wurde vom Lkw gegen Fässer mit Flusssäure gedrückt und steckt nun fest“, so Schneider.

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Feuerwehr übt im Zwischenlager für Sonderabfälle einen Störfall – Unfallszenarien halten Einsatzkräfte in Atem.

In kürzester Zeit dröhnen die Martinshörner durch das Gewerbegebiet Roggenhorst, in dem sich die Lübecker Niederlassung von Remondis befindet. „Von der Übung hatte nur eine Handvoll Leute Kenntnis – die Kollegen kommen her und wissen nicht, dass es sich um einen Test handelt“, sagt Übungsleiter Henning Witten von der Feuerwehr. Dann fahren zwei Löschzüge auf das Gelände. „Wir werden hier immer schon von zwei Fachberatern empfangen, die uns über die Situation informieren“, so Witten. Ein Blick auf die zahlreichen Zuschauer reicht den Einsatzkräften, um zu erkennen, dass es sich doch nicht um einen echten Notfall handelt, trotzdem ziehen sie die Übung durch. „Es muss realitätsnah sein“, sagt der Übungsleiter. Unter Atemschutz befreien fünf Feuerwehrmänner den Mann im Lkw und tragen ihn fort vom Geschehen, hin zu den bereitstehenden Rettungswagen. „Das Verhalten der Rettungskräfte ist absolut vorbildlich“, sagt Remondis-Sprecher Schneider. Denn im Ernstfall wäre der Rauch, der bei der Übung völlig harmlos ist, giftig – der Notarzt darf nicht zu nahe heran.

„Was wir sehen, ist der Fall, von dem wir hoffen, dass er nie eintritt“, verrät Schneider und blickt zur Halle 1, vor der der Lkw steht. „In unserem Szenario hat ein dritter Mitarbeiter den Unfall beobachtet und möchte helfen. Er wird aber von den giftigen Dämpfen ohnmächtig und liegt in der Halle. Dabei läuft die Säure, in diesem Fall grüne Lebensmittelfarbe, auf den Ohnmächtigen zu“, beschreibt Schneider, als gerade zwei Feuerwehrmänner in Schutzanzügen durch den Hintereingang der Halle gehen und den Schauspieler finden.

Einige Probleme bereitet den Einsatzkräften die Bergung des vor dem Lkw und zwischen den Fässern eingeklemmten Mitarbeiters. Eine knappe Stunde muss er in seiner Lage ausharren, bis der Weg mit einem Gabelstapler freigeräumt wird und es den Feuerwehrleuten gelingt, zu dem Verletzten zu gelangen. Um 16.19 Uhr ist der Übungseinsatz schließlich beendet.

„Im Großen und Ganzen ist alles gut gelaufen, aber es gibt einige Stellschrauben, an denen wir drehen müssen. Und wir haben einige neue Techniken ausprobiert“, fasst Henning Witten die Übung zusammen – während die Feuerwehrleute in der Dekontaminierungsschleuse gereinigt werden.

Immer wieder Vorfälle

Remondis ist das größte Zwischenlager für Sonderabfälle in Schleswig-Holstein. Immer wieder kommt es hier zu Bränden.

Im Oktober 2011 kam es in einem ein Kubikmeter großen Stahlbehälter zu einer Explosion. In einem Spezialbehälter mit Altlacken gab es im Mai 2012 eine thermische Reaktion.

50 Feuerwehrleute kämpften im November 2012 gegen brennendes Altpapier. Zwei Mitarbeiter erlitten damals Rauchgasvergiftungen.

 Tomma Petersen

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