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Lübeck Alles muss raus: Ansturm auf Lübecks Praktiker-Baumarkt
Lokales Lübeck Alles muss raus: Ansturm auf Lübecks Praktiker-Baumarkt
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10:30 14.09.2013
Ununterbrochen strömen Kunden in den Praktiker-Baumarkt an der Geniner Straße auf der Suche nach Schnäppchen. Quelle: Fotos: Peer Hellerling
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Freitag, der 13. — das Startdatum für den groß angelegten Räumungsverkauf in 130 Praktiker-Filialen hätte nicht passender sein können. Der Konzern ist insolvent, auch in Lübeck muss deshalb seit gestern alles raus aus den Regalen. Der Markt an der Geniner Straße bietet je nach Warengruppe Rabatte zwischen zehn und 25 Prozent. Auf dem Parkplatz und an den Kassen, wo sonst immer überschaubare Aktivität herrschte, stauen sich zum Ausverkaufs-Start Autos beziehungsweise Kunden.

Im Einkaufswagen von Roland Müller liegen zum Beispiel ein Sack Blumenerde, ein Starkstrom-Verlängerungskabel, eine Lackdose und ein elektrischer Luftentfeuchter. Statt 170 Euro muss der 60-Jährige jetzt bei Praktiker nur 128 bezahlen. „Es sind alles Dinge, die sich über das Jahr angesammelt haben“, sagt Müller. Bisher brauchte er es nicht wirklich, „nun ist aber das Schnäppchen entscheidend“.

Andere Kunden schieben kistenweise Raufasertapeten heraus, Orchideen, Rasenmäher oder Holzbalken.

Kerstin Wilbrandt bereitet sich bereits mit Herbstblumen auf die kalte Jahreszeit vor. Sie sei nicht extra wegen des Ausverkaufs gekommen, Praktiker sei jahrelang ihr Stamm-Baumarkt gewesen. „Aber den Rabatt nimmt man natürlich gerne mit.“ Die Insolvenz jedoch kam für Wilbrandt nicht überraschend. Bei den ständigen Rabattaktionen des Konzerns habe das nicht auf Dauer gutgehen können.

Das Aus der 130 Filialen hatte die Baumarkt-Kette bereits in der vergangenen Woche angekündigt. „Der Abverkauf kann noch etliche Wochen dauern“, sagt Unternehmenssprecherin Simone Naujoks. Die Zukunft der Baumärkte sei noch völlig offen, bisher haben sich im Rahmen des Insolvenzverfahren keine Interessenten für das Unternehmen gemeldet. „Fest steht, dass es den Namen ,Praktiker‘ nicht mehr geben wird.“ Bislang wurden aber keine Angestellten entlassen, auch keiner der 46 Lübecker Mitarbeiter. Nach dem Ausverkauf sollen die Standorte von Konkurrenten oder Handelsunternehmen aus anderen Branchen übernommen werden.

Praktiker als solchen werden viele Kunden nicht vermissen, sagen sie. „Lübeck hat sowieso schon viel zu viele Baumärkte“, sagt der 60-jährige Müller. Sowohl er als auch Kerstin Wilbrandt denken aber an die Angestellten. „Die Mitarbeiter tun mir leid“, sagt die 49-Jährige. Marianne Holtfoth, die Blumen, Erde und Zubehör kauft, hat ebenfalls Mitgefühl für die Angestellten. „Damit noch etwas da ist“, ist sie andererseits aber gleich am ersten Tag des Ausverkaufs hergekommen.

„Wie Leichenfledderei“, den Eindruck hat Heinz Stangl. Normalerweise sei der Parkplatz leer, jetzt strömen die Kunden in den Baumarkt. Der 58-Jährige selbst hat Blumen und Holzbretter im Wagen. Zwar hätte er nach eigener Aussage auch ohne Ausverkauf zugeschlagen, die jetzigen Preissenkungen nennt er dennoch teilweise einen Witz — so gäbe es zehn Prozent auf Blumen. „In den regulären Aktionen hatte Praktiker mehr Rabatte gegeben“, sagt Stangl. Da galten 20 Prozent auf alles — außer Tiernahrung.

Peer Hellerling

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