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Lübeck Als der Lübecker Schiffsbau kurz vor dem Ende war
Lokales Lübeck Als der Lübecker Schiffsbau kurz vor dem Ende war
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15:03 18.09.2017
Dieses Bild entstand Anfang 1988. Bei der Firma O & K liefen da bereits keine neuen Schiffe mehr vom Stapel. Das Unternehmen beschränkte sich auf Reparaturen und Umbauten, hier bei der „Maria Oldendorff“. Quelle: KRANZ-PÄTOW
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Die goldenen Zeiten des Schiffbaus in Lübeck waren vor 30 Jahren längst vorbei. Ende 1986 arbeiteten noch 600 Menschen in der Schiffstechnik-Sparte der Werft Orenstein & Koppel (O & K). Anfang 1988, als dieses Bild entstand, waren es nur noch 150. Seit 1987 liefen bei O & K keine neuen Schiffe mehr vom Stapel. Das Unternehmen beschränkte sich auf Reparaturen und Umbauten. Die „Maria Oldendorff“, die auf dem Bild zu sehen ist, wurde mit neuen Bordkränen ausgestattet.

Klicken Sie sich in dieser Galerie durch Fotos von Lübecker Straßen, Gebäuden und Plätzen aus dem LN-Archiv, die wir mit aktuellen Aufnahmen vergleichen.

Gut 100 Jahre nach ihrem Beginn war die Werftindustrie in Lübeck nur noch ein Schatten ihrer selbst. Die erste Lübecker Werft, die Schiffe aus Eisen baute, war die Schiffswerft von Henry Koch. 1883 gegründet, war sie Anfang des 20. Jahrhunderts neben dem Drägerwerk der größte Arbeitgeber der Stadt, fiel aber 1932 der Weltwirtschaftskrise zum Opfer. Die Flender-Werft, gegründet 1917, überstand diese Krise - und profitierte dann von Hitlers Aufrüstungspolitik. Ende der 50er Jahre beschäftigte sie 4000 Arbeitnehmer.

Bis in die 70er Jahre dauerte die goldene Zeit des Lübecker Schiffbaus. Die Schlichting-Werft in Travemünde auf dem Priwall, 1898 als Bootswerft gegründet, baute große Frachtschiffe, Kühlschiffe, Spezialtanker, Schwergutschiffe, Forschungsschiffe und Marineschiffe. Zu ihren besten Zeiten beschäftigte sie 850 Menschen. In den 50er Jahren baute außerdem die Travewerft auf der Teerhofsinsel Fischkutter, Binnenschiffe und kleine Frachter. Die Werft Orenstein & Koppel, die 1950 mit der Lübecker Maschinenbau-Gesellschaft fusionierte, baute vor allem Spezialschiffe.

Die Ölkrise und der Aufstieg des Schiffbaus in Asien setzten den Werften zu. Die Schlichting-Werft stellte 1986 den Betrieb ein. Auch Flender überstand die Krise der 70er bis 90er Jahre nicht ungeschoren; die Mitarbeiterzahl sank auf unter 1000. Immerhin überlebte das Unternehmen aber den Konkurs der Muttergesellschaft Vulkan 1996. Noch Ende der 90er Jahre war die Auftragslage gut. Das Ende kam 2002, nachdem Flender sich mit dem Bau von zwei Schnellfähren für einen griechischen Reeder übernommen hatte. Die Lübecker Maschinenbau-Gesellschaft (LMG), wie Orenstein & Koppel ab 1992 hieß, existiert nach einer Insolvenz heute noch als Produktionsstandort eines Windanlagenbauers.

Dort, wo 1988 die „Maria Oldendorff“ modernisiert wurde, liegen auch heute regelmäßig Schiffe - allerdings nicht, um umgebaut oder repariert zu werden, sondern um Ladung zu löschen. Das Gelände nutzt heute das Unternehmen Lagerhaus Lübeck, das Getreide, Ölsaaten, Dünger und anderes Schüttgut in großen Hallen lagert. Weiter südlich, im Rücken des Betrachters, hat die Kulturwerft Gollan einige ehemalige Werfthallen zu neuem, ganz anderem Leben erweckt. In Blickrichtung ist im Hintergrund die Eric-Warburg-Brücke zu sehen, die seit 2008 in Betrieb ist. 

Hanno Kabel

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