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Lübeck „Alte Scheune“ verschwand in Staubwolke
Lokales Lübeck „Alte Scheune“ verschwand in Staubwolke
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12:31 19.10.2013
Am Sonnabendmorgen gehen die Aufräumarbeiten weiter. Quelle: Kröger

Nach dem Einsturz einer ehemaligen Diskothek in Lübeck-Moisling am Freitag werden die Räumungsarbeiten fortgesetzt. „Wir gehen in den Morgenstunden mit größerem Gerät ran“, sagte ein Polizeisprecher am Samstag. 

Am Sonnabend gehen die Aufräumarbeiten an dem eingestürzten Gebäude weiter.

„Es war wie ein Erdbeben, ich stand plötzlich in einer riesigen Rauchwolke“, sagt Trajo Ajetovic (25). Er betreibt direkt gegenüber der „Alten Scheune“ in der Stecknitzstraße eine Autoaufbereitung.

Zunächst habe er ein Knistern, dann ein Krachen gehört und plötzlich in einer gigantischen Staubwolke gestanden. „Passanten habe ich nur zugerufen: Ruft die Polizei , vielleicht ist jemand auf dem Gehweg unter Schutt begraben!“ Das war auch die größte Sorge der um 16.18 Uhr alarmierten Feuerwehrleute unter Einsatzleiter Stefan Petersen.

Weil niemand wusste, ob nicht vielleicht Obdachlose oder spielende Kinder sich in dem eingestürzten Gebäude befanden, forderte die Feuerwehr das THW mit Personen-Ortungssystem und die Rettungshundestaffel Ostholstein an. Während das THW gegen 17 Uhr eintraf und sich an die Arbeit machte, steckten Hundeführer und Hunde zunächst im Stau und konnten erst gegen 18.30 Uhr ihre Arbeit aufnehmen. Alle Beteiligten, auch Notarzt Dr. Sönke Boye, bibberten bis 20.30 Uhr, ob die Hunde wohl anschlagen würden. Dann konnte endlich Entwarnung gegeben werden. Die Suchtrupps hatte man, so Einsatzleiter Petersen, „rein vorsorglich angefordert“.

Schon sehr früh hingegen wurde die Befürchtung zerstreut, dass ein Passant auf dem Gehweg unter Schutt begraben sei: Gleich die erste Arbeit der Feuerwehrleute war es, den Gehweg von Schutt zu befreien. Auch die Sorge um den letzten Bewohner des Wohntraktes erwies sich als unbegründet. Im zur August-Bebel-Straße gelegenen Bereich des etwa 100 Jahre alten Hauses hatte noch vor kurzem der 60-jährige Sohn der Eigentümerfamilie Krüger gelebt. Doch der ehemalige VfB-Aufsichtsratschef Wolfgang Piest gab Entwarnung: Er ist ein Freund der Familie und offizieller Betreuer des 60-Jährigen.

Nach einer schweren Herzattacke habe man diesen in einer Einrichtung im Hochschulstadtteil unterbringen können. „Seit Mitte Mai ist das Gebäude nicht mehr bewohnt“, konnte Piest beruhigen.

Viele schaulustige Moislinger drängten sich dicht an die Absperrungen, teils mit Fotoapparaten bewaffnet. Die Stecknitzstraße blieb beidseitig gesperrt, die Zufahrt Richtung Moisling war bereits an der Kreuzung Malmöstraße gesperrt. Auch über den Moislinger Baum war der Stadtteil vorübergehend nicht zu erreichen.

Die „Alte Scheune“ war zu Wolfgang Piests Schulzeiten unter Familie Krüger „das Zentrum von Moisling, ein Treffpunkt für alle“. Warum es an einem regenfreien, windstillen Tag einstürzte, darüber kann nur spekuliert werden. „Am Donnerstag war es ja recht stürmisch, vielleicht hat das Haus da einen Knacks bekommen“, mutmaßt der Leiter der Polizeistation Moisling, Jürgen Landmesser. Eine offizielle Einsturzgefahr-Meldung habe zwar nicht vorgelegen, „aber jeder wusste, dass das Haus nicht mehr den statischen Anforderungen entspricht“.

Und Piest, der schon einige Aufräumarbeiten im Haus vorgenommen hat, weiß: „Drinnen hingen schon an einigen Stellen Schilder, die auf eine Einsturzgefahr hinwiesen.“ Innensenator Bernd Möller, der nach Moisling geeilt war, war nichts von einer Einsturzgefahr bekannt. „Wir werden alle Maßnahmen ergreifenen, die der Gefahrenabwehr dienen.“ Kaum hatten die Suchhunde ihre Arbeit beendet, da begann die Firma Bergemann Gräper mit dem Abriss. Die Stadtwerke halfen ebenfalls mit, indem sie Versorgungsleitungen kappten.

Damit endet die rund 100-jährige Geschichte des Hauses, das einst einen Kaffee- und Biergarten, später eine Disco beherbergte.

Sabine Risch

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