Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Altenheime: Stiftungen geht das Geld aus
Lokales Lübeck Altenheime: Stiftungen geht das Geld aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:29 20.08.2017
Quelle: dpa

Die Stadt der großen Stiftungen. Mehr als hundert gibt es in Lübeck. Was kaum einer weiß: Die Hansestadt selbst hat Stiftungen. Es gibt sogar eine eigene Stiftungsverwaltung bei der Stadt. Sie kümmert sich um sechs Stiftungen und betreut ein Vermögen von 47 Millionen Euro. Allerdings: „Nur ein bis zwei Prozent davon sind Bargeld“, sagt Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Das Vermögen besteht meistens aus Gebäuden, Grundstücken, Wäldern. Das ist ein Glück für die Stiftungen. Denn derzeit gibt es keine Zinsen für Geld, das auf der Bank liegt – und wenn es keine Zinsen gibt, können Stiftungen ihren Zweck nicht mehr erfüllen.

Dieses Problem haben die Stiftungen der Stadt nicht. Aber sie haben ein anderes: die Altenheime. Denn drei Stiftungen sind Eigentümer von insgesamt sechs Altenheimen. Die Stiftungen vermieten sie an die städtischen Senioreneinrichtungen – ein Eigenbetrieb der Stadt. Und der steckt in den Miesen. Er fährt mit den acht Altenheimen mehr als zwei Millionen Euro Defizit im Jahr ein. Eine Lösung ist schwierig und ist eng mit den Stiftungen der Stadt verwoben, denen die Gebäude gehören.

Dabei ist eine Stiftung besonders im Fokus: die Stiftung Vereinigte Testamente. Ob sie weiter bestehen kann, ist offen. „Ohne Finanzierungshilfen Dritter ist die Stiftung in ihrem Fortbestand gefährdet“, schreibt die Stadt. Bitter: „Langfristig kann die Stiftung ihre Vermieterpflichten aus eigenen Mitteln nicht mehr wahrnehmen.“ Das ist ein Problem. Denn sie ist Eigentümerin von vier städtischen Altenheimen in der Elswigstraße, Dornbreite, Prassekstraße und im Dreifelderweg. Die Gebäude sind alt und müssen saniert werden. Doch dazu fehlt der Stiftung das Geld. Die bekommt für vier Altenheime eine Miete von 1,8 Millionen Euro. Das Geld deckt nur die Ausgaben, nicht aber die Investitionen. Doch so ist es einst in den Verträgen festgeschrieben worden. Und die Rücklagen sind bald aufgebraucht.

Der Knackpunkt: Der Stiftung fehlt es vor allem an eigenem Geld. „Sie hatte nie Vermögen“, bringt es Klaas-Peter Krabbenhöft auf den Punkt, Chef der Stiftungsverwaltung. Der Grund dafür liegt an der Vergangenheit. Im Ersten Weltkrieg verloren viele Lübecker Stiftungen ihr Vermögen – durch die Entwertung des Geldes. Denn ihr Vermögen bestand damals hauptsächlich aus Bargeld. Man fasste 180 Einzelstiftungen zusammen in der Stiftung Vereinigte Testamente. Der Stiftungszweck war, sich um Lübecker in wirtschaftlicher Not zu kümmern. Daraus sind die vier Altenheime entstanden. Doch ein großes, eigenes Kapital hat die Stiftung nie gehabt. Und die städtischen Altenheime? Gibt es eine Finanzspritze der Stadt oder wird eines der Grundstücke verkauft?

„Wir sind noch in Gedankenspielen“, sagt Saxe.

Eine Lösung gibt es indes für die Lübecker Wohnstifte, die zweite Stiftung. Ihr gehört das Altenheim an der Schönböckener Straße. Es wird 2019 dichtgemacht. Das hat die Bürgerschaft beschlossen. Mit dem Verkauf des Grundstücks lässt sich Geld machen. Ob die Stiftung wieder ein Altenheim baut und vermietet, ist unklar. Sie könnte auch eine Förderstiftung werden und dadurch ihrem Zweck erfüllen.

Er besteht darin, bedürftige und alte Menschen zu helfen.

Das ist auch der Zweck der Stiftung Nummer drei: der Stiftung Heiligen-Geist-Hospital. „Es ist eine gesunde Stiftung“, sagt Krabbenhöft. Ihr gehört das historische Heiligen-Geist-Hospital am Koberg.

Darin ist ebenfalls ein Altenheim untergebracht, das gut läuft. Außerdem gehören der Stiftung noch Güter und Erbbaugrundstücke am Heiligen-Geist-Kamp. Durch Mieten und Pachten nimmt die Stiftung fast 850000 Euro ein.

Die Zinserträge der Stiftung sind indes mickrig: Sie betragen lediglich 6100 Euro. Das war einmal anders. Noch 2015 waren es 30 000 Euro. Zu D-Mark-Zeiten waren es sogar 100 000 Mark. Weil die Stiftung viel Eigentum hat und wenig Bares, schlagen die niedrigen Zinsen nicht so sehr ins Gewicht. Aber Krabbenhöft sagt: „Wir können dann nicht mehr so viel tun.“

Eng verflochten mit der Verwaltung

Neun Stiftungen hat die Hansestadt. Die Kulturstiftung, die sich um die Lübecker Museen kümmern, sowie zwei sehr kleine Stiftungen werden innerhalb der Stadtverwaltung betreut. Die anderen sechs gehören zur Stiftungsverwaltung der Stadt, die vier Mitarbeiter hat. Die Stiftungsaufsicht des Landes kontrolliert, ob die Stadt die ihr anvertrauten Stiftungen richtig behandelt.

Drei davon haben Altenheime: die Stiftung Vereinigte Testamente, die Lübecker Wohnstifte sowie das Heiligen-Geist-Hospital. Das ist die größte Stiftung, die die Stadt betreut. Ihr Kapital beträgt 25 Millionen Euro. Außerdem gehören der Stiftung noch Güter wie Albsfelde, Behlendorf und Krumbeck, Ackerflächen und Erbbaugrundstücke am Heiligen-Geist-Kamp.

Auch die Stiftung St. Johannis Frauenkloster kümmert sich um ältere Menschen. Ihr gehört ein Damenstift an der Dr. Julius- Leber-Straße. Dort können bedürftige Frauen ab dem 50. Lebensjahr wohnen. Die Miete wird durch die Stiftung subventioniert. Außer dem Gebäude gehört der Stiftung Wald. Was durch den Holzverkauf eingenommen wird, wird für das Damenstift ausgegeben. Da die Einnahmen zu gering sind, muss die Stiftung von der Stiftung Heiligen-Geist-Hospital zudem unterstützt werden – mit jährlich 100 000 Euro.

Der Westerauer Stiftung gehört ebenfalls Wald. Sie hat dasselbe Problem: Es bleibt nicht genügend Geld übrig. Daher hat sie seit 2014 kein Geld mehr an begabte Studenten der Studenten der Musikhochschule ausgeschüttet. Das ist ihr eigentlicher Stiftungszweck.

Die Stiftung Kriegsopferdank kümmert sich um Kriegsgeschädigte und Schwerstbehinderte. So hat sie an der Ratzeburger Allee/Ecke Weberkoppel neue Wohnungen für Behinderte und ältere Menschen geschaffen. Ihr Vermögen besteht hauptsächlich aus Grundstücken und Gebäuden. Sie werden mit drei Millionen Euro bewertet. Die Einnahmen liegen bei 500000 Euro im Jahr.

 Josephine von Zastrow

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige