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Lübeck Alternativkonzept: Drei Millionen Euro für die Wallhalbinsel
Lokales Lübeck Alternativkonzept: Drei Millionen Euro für die Wallhalbinsel
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12:02 16.12.2015
Wallhalbinsel der Zukunft? Die Hafenschuppen bleiben, drei Neubauten kommen hinzu.  Quelle: Daniel Groß, Modersohn & Freiesleben, Jörg Sellerbeck
Lübeck

Kaufpreis: drei Millionen Euro. Die Hafenschuppen auf der Nördlichen Wallhalbinsel sollen erhalten bleiben — dafür legen 14 Investoren zusammen 2,984 Millionen Euro auf den Tisch. Sie wollen das 116 Seiten starke Konzept der Projektgruppe Initiative Hafenschuppen (PIH) verwirklichen. Insgesamt muss die neugegründete PIH Entwicklungs- und Erschließungsgesellschaft neun Millionen Euro investieren. Denn auf der Wallhalbinsel müssen Leitungen verlegt, Straßen hergerichtet und Plätze geschaffen werden. Zudem sind zwei Millionen Euro für Planungen und als Reserve einkalkuliert. Für die Stadt bleiben 900000 Euro Gewinn übrig — sowie eine runderneuerte Wallhalbinsel. So ist es im Kaufangebot notiert, das die PIH Gesellschaft bei der Stadt abgegeben hat. Die Bürgerschaft muss Ende Februar entscheiden.

„Es ist ein Konzept aus der Mitte der Gesellschaft“, freut sich Jörg Sellerbeck von der PIH. Er und Detlev Holst haben das Konzept entwickelt und Geldgeber gesucht. 14 Investoren haben am 2. Dezember die PIH Gesellschaft gegründet. Auf dem Areal soll wesentlich weniger Bruttogeschossfläche entstehen, als die Stadt einst geplant hatte. Die wollte die Schuppen abreißen und mit dem Projekt Kailine 70000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche schaffen. Nun sollen es nur 31500 Quadratmeter werden.

Konkret: Die Schuppen A, B, C, D und F will die Gesellschaft kaufen — für 1,1 Millionen Euro. Schuppen B und ein Teil des Schuppens F werden innen zweigeschossig ausgebaut. Dort soll gewohnt werden.

Schuppen A widmet sich der Rockmusik — mit Veranstaltungs- und Proberäumen der Deutschen Rockmusik Stiftung und des Vereins zur Förderung angewandter Popkultur. Schuppen C wird zur Eventhalle. Dort soll weiterhin das Festival Kunst am Kai beheimatet sein — zudem ist der Schuppen als Veranstaltungsort für das Schleswig-Holstein Musik Festival im Gespräch. In Schuppen D bleibt die Gesellschaft Weltkulturgut Hansestadt ansässig, die mit der Jugendbauhütte Lübeck und dem Verein DagNy für suizidgefährdete Jugendliche in Schuppen F kooperiert. In einem Teil von Schuppen D und F sollen kleine Geschäfte, Kunsthandwerk und maritime Läden untergebracht werden.

Zudem will die PIH Gesellschaft drei weitere Flächen erwerben — und dafür 1,84 Millionen Euro hinlegen. Dabei handelt es sich um die zwei Grundstücke nahe des Eingangs zur Nördlichen Wallhalbinsel:

Neben Schuppen A soll ein Parkhaus mit etwa 150 Stellplätzen und Büros entstehen und neben den Media Docks ein Hotel mit 151 Betten errichtet werden. Fläche Nummer drei ist nahe der Spitze der Wallhalbinsel und schließt an Schuppen D an. Dort ist der Strandsalon zuhause. Die Idee: Eine Teilfläche kauft die Investorengruppe. Dort entsteht ein Neubau für ein Restaurant. Die Außenfläche des Strandsalons wird auf 30 Jahre von der Stadt gepachtet. Oder alles wird gepachtet, und der Kaufpreis reduziert sich um 600000 Euro. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Holst. Das Konzept überzeuge auch Skeptiker, da es finanziell durchgerechnet und detailliert sei.

Zurückhaltend reagiert Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Denn: „Die Bürgerschaft hat erst kürzlich beschlossen, dass die Stadt alle Grundstücke auszuschreiben hat.“ Damit gebe es keine Garantie, dass die PIH Gesellschaft den Zuschlag erhalte. Saxe: „Es kommt das aus Sicht der Stadt wirtschaftlichste Angebot zum Zuge.“ Die Stadt dürfe Grundstücke auch nur für ihren tatsächlichen Wert verkaufen.

Das Baurecht sieht eine Bebauung mit bis zu 70 000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche vor — da es auf dem Kailine-Projekt beruht. Somit müsste erst ein neuer Bebauungsplan erstellt werden, so Saxe.

Welcher Preis dann durch die Gutachter ermittelt werde, „ist völlig offen“.

• Erhältlich ist das 116 Seiten umfassende Konzept für 4 Euro bei Adler, Buchfink, Hugendubel, Langenkamp, Makulatur, Pressezentrum, Tautenhahn und der Rathausbuchhandlung Otto.

Josephine von Zastrow

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