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Lübeck Altstadt für alle: Professor schlägt automatische Poller vor
Lokales Lübeck Altstadt für alle: Professor schlägt automatische Poller vor
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20:22 20.08.2016
Lübecks einziger automatischer Poller in der Altstadt: Er grenzt die Schmiedestraße vom Klingenberg ab. Quelle: Fotos: Felix König (2), Wolfgang Maxwitat

Autofreie Altstadt: ja oder nein? Eine antiquierte Frage, findet Frank Schwartze, Professor für Stadtplanung an der Fachhochschule. „Die Altstadt ist für alle“, ist der 51-Jährige überzeugt. Denn in der Altstadt werde gewohnt, gearbeitet, ausgegangen. „Jeder hat seine Bedürfnisse – die können über eine Zufahrtsberechtigung geregelt werden“, erklärt Schwartze. Im Prinzip werden sie das auch. Doch die Fülle von Regeln und Schildern sind kaum durchschaubar. Schwartzes Vorschlag: automatische Poller. „Damit kann man die Zufahrt problemlos regeln.“

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„Die Altstadt ist für alle. Es geht um Gleichbehandlung aller Verkehrsteilnehmer.“Frank Schwartze (51), Professor an der FH

Konkret: Wie beim Herrentunnel gibt es einen Chip für das Auto, der elektronisch gelesen wird – und schon gibt der Poller den Weg frei. Das kann für Bewohner gelten, genauso wie für Geschäftsinhaber und Zulieferer. Wer als Kunde einen Teppich abholen muss, erhält einen einmaligen Code fürs Auto. Und die Touristen? „Das sind diejenigen, die sich am allerwenigsten Autos in der Altstadt wünschen“, ist Schwartze überzeugt.

Aus seiner Sicht hat Lübeck mit dem Thema Altstadt und Verkehr ein Problem, das sich andere Städte wünschen würden. „Gerade in Orten wie Mölln sterben die Innenstädte aus“, sagt Schwartze. Er kennt das Thema gut, bearbeitet er es doch mit seinen 20 Masterstudenten. Sie untersuchen die sterbenden Innenstädte in Schleswig- Holstein. Daher könne Lübeck froh sein, „dass die Menschen in die Altstadt wollen“. Das sei „total positiv“. Schwartze hält nichts von autofreien Altstädten wie im polnischen Krakau. Das Resultat: „Dort gibt es nur noch feiernde Touristen in der Altstadt.“

Auf der lübschen Altstadtinsel müsse der öffentliche Raum nach den Bedürfnissen der Menschen aufgeteilt werden. Beispiel Beckergrube: Da sind die Bürgersteige schmal, für die Autos ist viel Platz.

„Dabei nutzen die Beckergrube mehr Fußgänger als Autos“, sagt Schwartze. Außerdem hält er nicht viel davon, dass eine Straße autofrei wird – auf Kosten der Seitenstraßen. Beispiel Breite Straße: Aus seiner Sicht ist durch die Fußgängerzone in der Breiten Straßen der Verkehr verdrängt worden – in den Schüsselbuden und in die Holstenstraße. Diese Straßen sind dadurch unattraktiv geworden.

Seine Idee: Die öffentlichen Flächen könnten zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich bespielt werden. Tagsüber könnten dort Tische und Stühle vor Cafés und Restaurants sowie Fahrräder stehen. Abends indes werden diese Flächen zu Parkplätzen für Bewohner. „Der Straßenraum muss nicht entweder oder genutzt werden“, ist er überzeugt. Bestes Beispiel sei die Hüxstraße. An Sonnabenden wird sie zur Fußgängerzone. Aber der Professor weiß auch: Eine Mehrfachnutzung des öffentlichen Raums ist in Deutschland schwierig. „Das ist schwer mit der Straßenverkehrsordnung zu vereinbaren.“ Denn die Straßen werden für eine Nutzung gewidmet – entweder als Fußgängerzone oder als Straße. In der Hüxstraße hat die Sonderreglung nur funktioniert, weil alle Anwohner einverstanden waren.

Deshalb findet Schwartze auch die von der Stadt geplante Perspektivenwerkstatt „perfekt“. Aber er warnt: „Am Anfang muss klar sein: Worüber wird entschieden? Und für welche Umsetzung ist Geld da?“

Seine Erfahrung: „Solche Beteiligungsprozesse scheitern immer vorher – oder danach.“

Entscheiden Sie mit

Die größte Bürgerbeteiligung Lübecks soll 2017 starten. Bausenator Franz-Peter Boden (SPD) erklärte Ende Juli, dass die Bürger mitentscheiden sollen, wie sich der Verkehr entwickelt. Architekten sollen optisch umsetzen, was in Arbeitsgruppen diskutiert wird, um Transparenz zu schaffen.

Die Umfrage ist im Internet unter www.ln-medienhaus.de/autofrei den ganzen Sommer über online. Leserinnen und Leser, die alternative Ideen zum Altstadtverkehr der Zukunft haben, können diese auch per E-Mail an redaktion.luebeck@ln-luebeck.de schicken.

Josephine von Zastrow

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