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Lübeck Altstadtbrand: War die Feuerwehr zu langsam?
Lokales Lübeck Altstadtbrand: War die Feuerwehr zu langsam?
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22:01 23.06.2017
Meterhohe Flammen: Das historische Gebäude von 1291 brennt in Sekunden lichterloh. Das Feuer ist weithin sichtbar. Quelle: Holger Kröger
Lübeck

Viele Bürger waren Augenzeugen des spektakulären Brandes in der Altstadt zu Pfingsten, bei dem ein historisches Haus ein Raub der Flammen wurde. Noch während der Löscharbeiten wurde die Arbeit der Retter in den sozialen Medien kommentiert. Seit dem Brandtag hält sich nach Angaben des Lübecker Feuerwehr-Chefs Bernd Neumann „ein hartnäckiges Gerücht, dass wir erst nach 20 bis 25 Minuten vor Ort waren“.

Die Vermutung, dass die Brandretter viel zu spät am Einsatzort eintrafen, erreichte sogar die politischen Gremien. Im Ausschuss für Sicherheit und Ordnung stellte Neumann deshalb klar: „Unser Führungsfahrzeug ist sieben Minuten nach dem ersten Notruf eingetroffen.“ Weitere Brandbekämpfer seien in den vorgeschriebenen zehn Minuten vor Ort gewesen.

Die LN berichteten

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In dramatischen Situationen gehe vielen Menschen das Zeitgefühl verloren, sagte Neumann, außerdem hätten die Kritiker keine Ahnung von Feuerwehr-Taktik. So sei es üblich, dass das Führungsfahrzeug, das nach sieben Minuten vor Ort gewesen sein soll, nicht direkt an den Brandherd heranfahre. Neumann riet, dass diese Kritiker sich zurückhalten sollten. „Nach 30 Minuten hat der Einsatzleiter mitgeteilt, dass wir das Feuer im Griff haben“, berichtete der Feuerwehr-Chef. Er erklärte auch, warum für die Versorgung der zeitweise obdachlosen Nachbarn kein Stadtwerke-Bus bereitgestellt worden sei. „Viele Betroffene sind bei Freunden untergekommen, nur eine Familie kam nicht sofort woanders unter“, sagte Neumann. Um die habe man sich bemüht. „Grundsätzlich gilt: Personen, die durch Löschmaßnahmen obdachlos werden, müssen sich selbst um eine Unterkunft kümmern.“

Klicken Sie hier, um Impressionen unseres Fotografen Holger Kröger vom Feuer zu sehen.
Hier sehen Sie Bilder von den Aufräumarbeiten nach dem Feuer.

Bei denkmalgeschützten Gebäuden – wie bei diesem in der Straße Hinter der Burg – kann die Feuerwehr keine fachliche Beurteilung vornehmen, was von einem Haus noch gerettet werden sollte. „Wir haben keine Statiker und keine Denkmalpfleger in unseren Reihen“, sagte Neumann. Anlässlich des Feuers am 3. Juni habe der Denkmalschutz Kontakt zur Feuerwehr aufgenommen, damit bei solchen Vorfällen Fachleute hinzugezogen werden können. Neumann machte aber klar: „Wenn eine Kirche brennt, holen wir weiterhin zuerst den Pastor heraus.“ Und wenn die Brandbekämpfer befürchten, dass Gebäudeteile einstürzen können, würden sie abgerissen.

Mit dem jüngsten Großeinsatz vor wenigen Tagen bei der Entsorgungsfirma Remondis im Gewerbegebiet Roggenhorst flammte eine andere Diskussion wieder auf. Seit mehreren Jahren kommt es immer wieder zu Brandeinsätzen bei der Firma. 2014 schalteten sich Verwaltung und Politik ein, weil Anwohner unruhig wurden. „Wir sind beunruhigt“, sagte jetzt der SPD-Sicherheitspolitiker Frank Zahn.

Ausschussvorsitzender Hans-Jürgen Schubert (GAL) fragte, ob der Standort der Firma richtig sei. Feuerwehr-Chef Neumann berichtete, dass Remondis alle Auflagen erfülle, Übungen regelmäßig vornehme und das Personal vorbildlich eingewiesen habe. Da die Firma Sonderabfälle wie Farben, Lacke, Kosmetika und Klebemittel entsorge, könne es immer wieder einmal zu chemischen Reaktionen kommen. Die Grünen-Politikerin Silke Mählenhoff pflichtete ihm bei. Bei Anlieferung von Sonderabfällen schaue Remondis in eine Black Box. Neumann griff eine Anregung der Politiker auf zu prüfen, ob es bei der Firma in Lübeck häufiger brenne als an anderen Standorten.

 Kai Dordowsky

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