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Lübeck Altstadtstraßen: Mehr Raum für Fußgänger statt für Parkplätze?
Lokales Lübeck Altstadtstraßen: Mehr Raum für Fußgänger statt für Parkplätze?
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12:33 24.09.2016
Bald ein Bild aus der Vergangenheit? Öffentliche Stellplätze an der Mühlenstraße. Quelle: Lutz Roeßler
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Innenstadt

Alle öffentlichen Stellplätze an den Straßen der Altstadt abschaffen: Das hat Ingo Siegmund vom Architekturforum am Mittwochabend beim HanseTalk vorgeschlagen (LN berichteten). Für machbar hält er das, sobald das Parkhaus Wehdehof mit 630 öffentlichen Stellplätzen fertig ist. Mit diesem Vorschlag hat er die Diskussion um den Autoverkehr in der Innenstadt noch einmal angeheizt.

Architekturforum: Wenn das Parkhaus Wehdehof gebaut ist, können Stellplätze an den Straßen abgeschafft werden – Vorschlag vom HanseTalk wird heiß diskutiert.

Siegmund, dessen Büro an der Mühlenstraße liegt, geht es vor allem um den Suchverkehr. „Bei uns kann man beobachten: Die Leute fahren in Richtung Mühlenbrücke, wenden und fahren wieder zurück.“ Dabei gebe es schon jetzt genug Parkplätze in der und um die Innenstadt, wie die Beobachtung der Internet-Seite parken-luebeck.de zeige. Am Donnerstag um 16 Uhr waren dort 597 freie Plätze angezeigt – das Parkhaus Linden-Arcaden am Hauptbahnhof nicht mitgerechnet. Gestern um die gleiche Zeit waren es über 800.

„Das finde ich einen guten Gedanken“, sagt GAL-Fraktionschefin Antje Jansen zu Siegmunds Vorschlag. Die Parkplätze an der Kanalstraße seien selten alle belegt. Silke Mählenhoff (Grüne) sagt: „Wenn die Parkplätze in der Beckergrube, der Mühlenstraße und der Großen Burgstraße wegfielen, hätten die Fußgänger viel mehr Platz.“ Zurückhaltender reagiert Harald Quirder (SPD), Mitglied des Bauausschusses. „Der Parkdruck wird größer, wenn das Gründerviertel fertig ist“, warnt er. „Das muss man beobachten.“

Christopher Lötsch (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses, hält Siegmunds Vorschlag für „realitätsfern“: „Es gibt viele Leute, die in kein Parkhaus fahren; Leute, die nicht so weit laufen können, auch wenn sie nicht gehbehindert sind; und Leute, die nur mal schnell eine Besorgung machen müssen. Diese Kunden würde man alle verlieren.“ Auch Hans Frick, Vizepräsident des Handelsverbands Nord und Inhaber eines Herrenausstatters an der Beckergrube, will die Parkplätze erhalten „Die sind ja schon immer weiter reduziert worden. Reden wir auch von Leuten, die nicht so gut zu Fuß sind! Wir haben in der Innenstadt viele Ärztehäuser.“

Ähnlich äußert sich Lothar Heisterkamp, Inhaber eines Taschengeschäfts an der Großen Burgstraße. „Die Gehwagen werden immer mehr, das kann man im Straßenbild sehen. Das ist schon ein Weg vom Wehdehof in die Große Burgstraße.“ Der Bürgersteig sei breit genug für verschiedene Nutzungen. René Kragl, der vier Häuser weiter die Musik-Bar Tonfink betreibt, sieht es anders: „Die Innenstadt ist so alt, so schön. Es grenzt an Dummheit, das bisschen Platz, was man hat, fürs Parken zu nutzen.“

Weniger umstritten ist ein Vorschlag, den Jan-Hendrik von Kuick vom Verein Fleischhauerstraße beim HanseTalk für seine Straße ins Gespräch brachte: Nach dem Vorbild der Hüxstraße könnten weitere Rippenstraßen sonnabends zur Fußgängerzone werden.

Hennig Stabe, CDU-Vorsitzender des Ortsverbandes Innenstadt, begrüßt die Initiative:

„Dies wird die Attraktivität dieser Einkaufsstraßen weiter steigern.“ Hans Frick hätte zumindest nichts dagegen: „Wenn die Leute dort es so wollen, ist das in Ordnung.“

Jedenfalls gibt es an der Fleischhauerstraße Anwohner, die der Autoverkehr stört. „Am Wochenende ist viel Betrieb“, sagt Christian Kolecki (26). „Die Menschen stören mich nicht – aber die Autos.“

Auch Regina Manthey, Inhaberin eines Blumengeschäfts mit Cafébetrieb in der Straße, steht einem autofreien Sonnabend sehr aufgeschlossen gegenüber: „Die Leute könnten entspannter bummeln. Für die, die nicht laufen können, könnte man einen Shuttle einrichten – zum Beispiel mit Rikscha-Fahrrädern.“

 Hanno Kabel und Josephine von Zastrow

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