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Lübeck Am Dummersdorfer Ufer wird der Klimawandel simuliert
Lokales Lübeck Am Dummersdorfer Ufer wird der Klimawandel simuliert
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21:10 18.07.2013
Unter einem „Regenreduktionsaufbau“ untersucht die Wissenschaftlerin Oda Benthien Schafgarbe und Sauerampfer. Quelle: Fotos: Jörn Kießler

Oda Benthien muss immer wieder erklären, was sie da auf den Trockenrasenhängen des Dummersdorfer Ufers anstellt. Und dann erklärt die Umweltwissenschaftlerin Spaziergängern, dass das ihre Doktorarbeit im Fachbereich Biologie der Universität Hamburg ist. Die 33-Jährige simuliert den Klimawandel — finanziell gefördert vom Lübecker Zentrum für kulturwissenschaftliche Forschung. Und die Bauten am Dummersdorfer Ufer, über deren Schönheit oder Hässlichkeit sich Beobachter trefflich streiten, sind keine Kollektoren, sondern „Regenreduktionsaufbauten“. Und die stehen auf zwölf jeweils zehn Quadratmeter großen eingezäunten Flächen. Die Dächer der Bauten bestehen aus einer Reihe von Regenrinnen, die dafür sorgen, dass 25 Prozent des Niederschlags nicht den Erdboden dieser abgegrenzten Flächen berührt. Neben diesen Aufbauten stehen „Open Top Chamber“, wie es im Fachjargon heißt. Die sehen aus wie Miniatur-Fußballstadien. Die vier Seitenwände sind mit Folie bespannt.

Dadurch erhöht sich auf den jeweils einen Quadratmeter großen Flächen, auf denen die „Chamber“stehen, die Temperaturen um zwei bis drei Grad. Der Regen hat hier freien Fall.

Als Oda Benthien ihr Projekt erklärt, sind Regenwolken ohnehin nicht in Sicht. Es ist heiß auf den Hängen des Dummersdorfer Ufers. Weit und breit gibt es keinen Schatten. Das vierjährige Projekt der Umweltwissenschaftlerin, die bei Wind und Wetter den Magerrasen, den Wilden Thymian, Heidenelken, Mauerpfeffer, Dolden-Spurre, Schafgarbe, Sauerampfer, Labkraut, Heidekraut und das Wollige Honiggras in Augenschein nimmt, ist hochspannend. Die Umweltwissenschaftlerin will in ihrer Promotion akribisch belegen, welche Auswirkungen Klimaveränderungen auf Pflanzen und die Zusammensetzung der Pflanzengesellschaften haben. Für diesen Feldversuch ist das Dummersdorfer Ufer ideal. Denn dort gibt es eine Vielzahl an seltenen und hochspezialisierten Pflanzenarten. Der Landschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer ist begeistert von dem Projekt. „Ich bekomme große Unterstützung“, freut sich die Wissenschaftlerin. Die Ranger des Vereins, wie Jürgen Schwarz und Werner Steen, kontrollieren regelmäßig die von der Wissenschaftlerin errichteten Anlagen, damit sie nicht zerstört werden. Nach dem Feldversuch wird alles wieder abgebaut.

Was geschieht mit den Pflanzen, wenn ein Viertel der üblichen Regenmenge wegfällt? Wie verhalten sich die Pflanzen, wenn sich die Temperatur um drei Grad erhöht? Welche Pflanzen ertragen den Klimawandel, welche werden untergehen, welche sich neu ansiedeln? Verändert sich der Nährstoffgehalt im Boden durch die Klimaerwärmung? Es sind nur einige von vielen Fragen, die die Wissenschaftlerin beantworten will. Oda Benthiens Wissensdurst ist schier unstillbar. Sie will auch in Erfahrung bringen, was die Schafe des Landschaftspflegevereins fressen, und warum sie sich bestimmte Pflanzen mit Vorliebe einverleiben und andere wiederum verschmähen.

Das Projekt der Wissenschaftlerin wird im Rahmen der Ausstellung „Kalte Zeiten — Warme Zeiten, Klimawandel in Norddeutschland“ vorgestellt. Die Ausstellung ist bis zum 27. Oktober im Lübecker Museum für Umwelt und Natur zu sehen. Das Museum ist dienstags bis freitags von 9 bis 17 Uhr und am Sonnabend und Sonntag von 10 bis 17 Uhr zu sehen.

Geschütztes Gebiet
1958 wurde das Dummersdorfer Ufer als Naturschutzgebiet ausgewiesen. 1991 wurde die Fläche des Naturschutzgebiets von 46 Hektar auf 340 Hektar vergrößert. Das Dummersdorfer Ufer ist Vogelschutzgebiet, hat den FFH-Schutzstatus (Flora-Fauna-Habitat) und gehört zum ökologischen Netz „Natura 2000“. An das Naturschutzgebiet grenzt das Landschaftsschutzgebiet „Dummersdorfer Feld“. Zu den Naturschätzen des Dummersdorfer Ufers zählen natürliche Biotope wie aktive Kliffs, ungestörte Strandabschnitte der Trave, Flachwasserzonen, Feuchtwiesen sowie Niederwald und große Trocken- und Magerrasenflächen. Viele bedrohte Pflanzen und Tierarten, die auf der Roten Liste stehen, sind dort beheimatet.

Torsten Teichmann

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