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Lübeck Amphibienbus: Zwei Unfälle an einem Tag
Lokales Lübeck Amphibienbus: Zwei Unfälle an einem Tag
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20:47 27.10.2017
Die Seite des VW Golfs ist nach dem Unfall mit dem Bus komplett eingedrückt. Quelle: Privat
Innenstadt

Es war ein Unglückstag für den Amphibienbus. Am vergangenen Sonnabend kollidierte das Fahrzeug mit der Holstentorbrücke. Jetzt wurde bekannt, dass es bereits Stunden zuvor in einen Verkehrsunfall verwickelt war.

Wer den Unfall am Holstentorplatz verursacht hat, ermittelt nun die Polizei. Doch die Gemüter sind schon jetzt erhitzt. Die Unfallgegnerin spricht von Fahrerflucht und arrogantem Verhalten des Fahrers. Helge Gabriel, Inhaber der City Schifffahrt, dagegen spricht von einem „belanglosen Vorfall“.

Klicken Sie hier, um weitere Eindrücke des Unfalls und der Rettungsaktion aus dem Amphibienbus zu sehen.

Fakt ist: Beide Fahrzeuge waren gegen 13 Uhr an der Puppenbrücke. Der 45-jährige Fahrer des Amphibienbusses stand auf der Linksabbiegespur, rechts neben ihm die 58-Jährige. „Dann kam von hinten ein Rettungswagen, dem ich Platz machen wollte“, erzählt die Frau. Sie fuhr deshalb über die rote Ampel vor den Bus. „Dann ist der einfach losgefahren und hat mich gerammt“, berichtet sie, „das Auto wurde um 90 Grad gedreht, dann folgte ein erneuter Aufprall.“

Die Frau konnte sich aus ihrem Wagen befreien, stand unter Schock. Die linke Seite ist verbeult. „Vom Fahrer kam keine Entschuldigung. Er wollte nur weiter. Kam nicht einmal zum vereinbarten Treffpunkt am Busparkplatz an der MuK.“ Denn die Polizei bat die Parteien, die Kreuzung freizumachen und sich wenige Hundert Meter weiter zur Unfallaufnahme einzufinden. Helge Gabriel, dessen Unternehmen den Bus betreibt, sieht das Geschehen anders. „Die Autofahrerin wollte dem Bus kurz über die Ecke den Weg abschneiden“, erzählt er, „der Busfahrer hatte keine Chance.“ Die Sache mit dem Treffpunkt habe die Unfallgegnerin falsch verstanden. Man habe der Polizei gesagt, dass der Bus an der Haltestelle an der Untertrave aufzufinden sei.

„Wir werden nach Zeugen suchen und den genauen Unfallhergang ermitteln“, sagt Polizeisprecher Dirk Dürbrook, „mehr wollen wir vorerst nicht sagen.“

Nur drei Stunden später dann das nächste Unglück, dieses Mal auf dem Wasser. Der Fahrer lenkte den Bus unter der Holstentorbrücke hindurch. Dann versagte die Steuerung, die Elektrik fiel aus. „Im Verlauf der engen Brückendurchfahrt stieß der Bus gegen das Brückenfundament. Dabei wurden die rechte A-Säule, die Frontscheibe und die vordere, rechte Seitenscheibe des Busses beschädigt“, berichtet Dürbrook. Dass der technische Defekt im Zusammenhang mit dem vorherigen Unfall steht, schließt Helge Gabriel aus. „Es war ein dummer Zufall. Der Bus hatte lediglich ein par Schrammen und eine Delle in der Stoßstange.“ Auch mit der Abwicklung des Vorfalls ist er zufrieden. „Die Leute sind super evakuiert worden“, sagt er, „die Scheiben haben gehalten, was sie versprochen haben.“ In der Tat: Am Ende müssen nur zwei Kinder mit leichtesten Schnittverletzungen in ein Krankenhaus. Zuvor allerdings war Panik im voll besetzten Bus ausgebrochen, weil der Sauerstoff knapp wurde. „Der Motor war abgeschaltet. Daran ist die Klimaanlage gekoppelt. Man konnte nichts machen, außer eine Scheibe einschlagen“, resümiert Gabriel.

Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft wurde der Bus noch am Sonnabend beschlagnahmt. Gegen 20 Uhr wurde er mit einem Mehrzweckboot der Feuerwehr zu seiner Einfahrstelle geschleppt und dort von einem Abschleppunternehmen aus dem Wasser gezogen. „Wir werden aus dem Vorfall unsere Lehren ziehen und schauen, was wir verbessern können, um den Bus noch sicherer zu machen“, so Gabriel.

Der Trave-Splash soll unsinkbar sein

Amphibienfahrzeuge sind sowohl im Wasser als auch an Land nutzbar. Da es sich um zwei verschiedenen Rechtsräume handelt, sind für ihren Betrieb zwei Führerscheine, zwei Zulassungen und zwei Versicherungen nötig.

Der Trave-Splash verfügt über 16 Notausgänge. Einer befindet sich am Heck, außerdem können die Seitenfenster eingeschlagen werden. In der Mitte befindet sich zudem eine Tür, die ebenfalls als Notausgang gilt. Das Glas an der Frontscheibe ist zweieinhalb Zentimeter dick und besonders bruchsicher.

Der Bus gilt laut Betreiber als unsinkbar und wurde von der Zentralen-Schiffs-Untersuchung- Kommission technisch abgenommen. Er besitzt das Schiffsattest und einen Fahrzeugbrief sowie einen Fahrzeugschein des Straßenverkehrsamtes. Die Mitarbeiter seien im Brandschutz, der Evakuierung und in Erster Hilfe ausgebildet, so die City-Schifffahrt.

Hier Eindrücke vom Start des Amphibienbusses in Lübeck:

Klicken Sie hier, um zahlreiche Eindrücke der Testfahrt des Amphibienbusses in Lübeck zu sehen.

Maike Wegner

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