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Lübeck Andrea Gastager kaufte mit LTM-Kreditkarte privat ein
Lokales Lübeck Andrea Gastager kaufte mit LTM-Kreditkarte privat ein
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22:50 24.03.2016
Im Jahr 2000 kam Andrea Gastager (49) zur LTM, 2008 wurde sie Chefin, 2014 wechselte sie nach Kiel.

In den Jahren 2013 und 2014 hat die frühere Geschäftsführerin der Lübeck-Travemünde Marketing GmbH (LTM), Andrea Gastager, 25506 Euro für private Ausgaben mit der Firmenkreditkarte der LTM bezahlt. Das hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft „Treuhand Lübeck“ im Auftrag der Hansestadt und der LTM herausgefunden. „Sämtliche Beträge wurden der LTM lückenlos erstattet“, erklärten Bürgermeister Bernd Saxe (SPD), Aufsichtsratsvorsitzender Lars Rottloff (CDU) und der jetzige LTM-Chef Christian Martin Lukas gestern bei der Vorstellung der ersten Ergebnisse einer Sonderprüfung. Trotzdem liege der Verdacht einer „schuldhaften Pflichtverletzung“ vor, sagte Saxe. „Andrea Gastager war nicht befugt, sich selbst Darlehen einzuräumen.“ Ob der Straftatbestand der Untreue erfüllt ist, müsse die Staatsanwaltschaft beantworten, erklärten Saxe und Rottloff. Stadt und Aufsichtsratsvorsitzender empfehlen der LTM, die Erkenntnisse an den Staatsanwalt weiterzuleiten.

Stadt und Aufsichtsrat stellen erste Ergebnisse einer Sonderprüfung vor — Mindestens 25500 Euro für private Aufwendungen — Frühere Tourismuschefin zahlte alles zurück.

Die gebürtige Bayerin (49) war 14 Jahre lang bei der LTM, von 2008 bis 2014 leitete sie die Gesellschaft, bevor sie zur landesweiten Tourismusgesellschaft Tash wechselte. Dort wurde ihr Ende Februar fristlos gekündigt, weil sie private Ausgaben mit der Firmenkreditkarte getätigt hatte. Die LTM veranlasste eine Sonderprüfung, um festzustellen, ob es diese Vorgänge auch in ihrer Lübecker Zeit gab. Tatsächlich hatte Gastager 2013 private Ausgaben von 17061 Euro und 2014 von 8444 Euro über die Firmenkreditkarte finanziert. „Die damalige Geschäftsführerin hat sich laufend zinslos Geldmittel bewilligt“, erklärte Saxe. Sie habe dadurch Zinsvorteile erlangt, die der Bürgermeister auf 2000 Euro schätzt. Die Gremien der LTM seien nicht informiert gewesen.

Die damalige Geschäftsführerin hat alle Verbindlichkeiten beglichen — durch regelmäßige Abzüge von ihrem Gehalt oder durch größere Einmalzahlungen. Nach LN-Informationen soll Gastager einmal 28

000 Euro in bar auf den Tisch geblättert haben. Wofür die erfolgreiche Touristikerin das ganze Geld ausgegeben hat, wissen Stadt und LTM noch nicht. Antworten erhoffen sie sich vom schriftlichen Bericht des Wirtschaftsprüfers.

In den Jahren vor 2013 hat die damalige Geschäftsführerin außerdem Verbindlichkeiten von 35 804 Euro gegenüber der LTM angehäuft. Auch dieses Geld wurde vollständig zurückgezahlt. Ob diese Summen ebenfalls für private Zwecke per Firmenkreditkarte ausgegeben wurden, können Stadt und Aufsichtsrat noch nicht beantworten. Am 1. April entscheidet der Aufsichtsrat, ob auch die Jahre vor 2013 geprüft werden sollen.

Der jetzige LTM-Chef Lukas spricht von einem geringen finanziellen Schaden, aber einem Imageverlust. Lukas: „Wir müssen mit dem Thema offen umgehen.“ Er versicherte, dass Firmenkreditkarten bei der LTM nicht mehr auf diese Weise genutzt würden. Saxe und Rottloff sehen keine Verantwortung bei den Kontrollgremien. Die Jahresabschlüsse der LTM seien von Wirtschaftsprüfern stets als einwandfrei testiert worden. „Die Prüfer haben gesagt, es gab keine Darlehen“, erklärte Aufsichtsratschef Rottloff. „Warum es doch etwas gab und das nicht geprüft wurde, kann ich nicht sagen“, sagte der Bürgermeister.

Gastager und ihr Anwalt reagierten zunächst nicht auf eine LN-Anfrage.

Wer alles nichts merkte

25506 Euro hat die frühere LTM-Chefin für private Aufwendungen mit der Firmenkreditkarte vorfinanziert. Über weitere 35804 Euro ist noch nicht genau bekannt, ob diese auch über Kreditkarte ausgeliehen wurden. Das Finanzamt hat bei der LTM die Steuern bis einschließlich Februar 2013 geprüft und nichts beanstandet.

Wirtschaftsprüfungsgesellschaften haben für 2013 und 2014 festgestellt, dass es keine Kredite gab — das hat sich als falsch herausgestellt. Der Aufsichtsrat und die Hansestadt als Gesellschafter haben ebenfalls nichts bemerkt.

Von Kai Dordowsky

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