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Angesagtes Lokal am Holstentor: Lübecks alte „Hanse-Kogge“

Lübeck Angesagtes Lokal am Holstentor: Lübecks alte „Hanse-Kogge“

80 Jahre vor der „Lisa“ gab es schon einmal ein nachgebautes Hanse-Schiff — Regina Ehlert (87) erinnert sich an die Zeit, als ihre Eltern Gastwirte auf dem Wasser waren.

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Um 1940 entstand dieses Bild der Hanse-Kogge auf der Untertrave, aufgenommen von der Holstenbrücke.

Quelle: Fotos: Archiv R. Ehlert (3), Kabel, Ln-Archiv (2), C. Silz, Roeßler

Lübeck. Lübeck. Es war noch viel Betrieb auf der „Hanse-Kogge“ in den frühen Morgenstunden jenes stürmischen Mittwochs, dem 30. August 1950. Es sollte der letzte Tag der „Hanse-Kogge“ sein, und Regina Ehlert (87) ist noch heute traurig, wenn sie davon erzählt. Es war das Ende des ersten Lübecker Hanseschiff-Nachbaus, und es war der wirtschaftliche Ruin ihrer Eltern, die auf diesem Schiff elf Jahre lang eine Gaststätte betrieben hatten.

LN-Bild

80 Jahre vor der „Lisa“ gab es schon einmal ein nachgebautes Hanse-Schiff — Regina Ehlert (87) erinnert sich an die Zeit, als ihre Eltern Gastwirte auf dem Wasser waren.

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„Die Gäste waren alle angeheitert“, gab Mathilde Töpper, Regina Ehlerts Mutter, später bei der Wasserschutzpolizei zu Protokoll, „und es war daher naturgemäß Lärm im Schiff. Außerdem spielte Musik.

Ich bemerkte daher nicht, dass draußen Sturm herrschte und dass dadurch das Wasser aus dem Hafen lief.“ Als sie es bemerkte, war es schon zu spät. Die Feuerwehr konnte nicht mehr verhindern, dass das Schiff immer mehr Schlagseite bekam und schließlich nach Backbord hinüberkippte.

Die „Hanse-Kogge“ war 1926 zur 700-Jahr-Feier Lübecks fertiggestellt worden. Anschließend diente sie dem Lübecker Yacht-Club als Clubheim. 1939 übernahm die Familie Töpper sie als Gaststätte. Regina Ehlert hatte schon mit 13 Jahren angefangen, auf dem Schiff zu bedienen. „Ich wurde ganz früh eingespannt“, erklärt sie, „weil die ja alle in den Krieg gingen, die Männer — und die Frauen wurden Funkerinnen und Krankenschwestern und so . . .“ Aber das Geschäft auf der Kogge brummte. „Es war eine Goldgrube.“ Regina Ehlert arbeitete dort gern. Familien kamen dorthin, es gab Stammtische, auch die Herren vom Lübecker Yacht-Club ließen sich immer mal wieder blicken. Sie hatte auch die Bomberpiloten zu Gast, die nach Luftangriffen auf London nachts zurück auf den Flugplatz Blankensee gekommen waren und anschließend ihr Bier auf der Kogge tranken. „Um das erst mal wieder zu verkraften, wahrscheinlich, was sie da hinter sich hatten.“

Mit viel Glück überstand die Kogge selbst den Bombenangriff auf Lübeck 1942. Ein Nachbar sah, wie eine Brandbombe auf das Schiff fiel, und beförderte sie geistesgegenwärtig in die Trave. In den Jahren darauf wendete sich der Krieg immer mehr gegen Deutschland; aber das Geschäft auf der „Hanse-Kogge“ lief weiterhin gut. „Da kamen viele Soldaten nachher“, erinnert sich Regina Ehlert, „und vor allen Dingen, am Ende des Krieges, die Flüchtlinge.“ Das Essen, das Mathilde Töpper in der kleinen Küche zubereitete, wurde in dieser Zeit mit Bezugsscheinen bezahlt.

„In meiner Schürze hatte ich immer zwei Beutel: einmal fürs Geld und einmal für die Lebensmittelmarken, mit einer Schere dran. Dann musste ich immer abschneiden von den Lebensmittelmarken.“

Als im Mai 1945 die britischen Soldaten kamen, ging Regina Ehlert mit ihrem Vater bei der ersten Gelegenheit zur Kogge. „Weil da noch Nazi-Sachen an der Wand hingen, und die Hakenkreuzfahne, die lag da auch noch irgendwo. Wir mussten ja dauernd flaggen. Und dann wollten wir das vernichten, also im Herd verbrennen — und dann war die ganze Kogge voller englischer Soldaten, und die hatten sich das urgemütlich gemacht!“ Die Engländer nahmen keine Notiz von dem Mädchen und dem Mann, die sich beeilten, die Hinterlassenschaften des Nationalsozialismus zu vernichten.

Die Gaststätte überstand die Nachkriegszeit, die Währungsreform und mehrere Havarien. Aber die letzte Havarie im August 1950 überstand sie nicht. Sie war nicht mehr versichert. Im Oktober 1950 wurde sie auf der Teerhofsinsel abgewrackt.

Legendäre Lokale

Rote Katze: Die Bar am Langen Lohberg soll in den 50er-Jahren Lübecks erste Nachtbar mit erotischen Tänzen gewesen sein. 1958 pries sie im Anzeigenteil der LN ihre „Pariser Nächte“ mit dem exotischen Tanzstar Majouna aus Paris an.

Café Fauth: Von Anfang der 60er- bis Mitte der 80er-Jahre war die Gaststätte an der Ecke Beckergrube/Breite Straße ein wichtiger Bestandteil des Lübecker Nachtlebens. Hans-Lothar Fauth (1928-2012) ließ dort Stars wie Hazy Osterwald und Rex Gildo auftreten und betrieb die wie ein japanisches Wohnzimmer eingerichtete „Tokio Bar“.

Moislinger Baum: Aus ganz Lübeck strömten die Leute zu Dorfbällen oder Schützenfesten in den großen Saal des Tanzlokals Moislinger Baum, das in den 70er-Jahren abgerissen wurde.

Riesige Lampen hingen unter der Decke. „Lichtpalast Moislinger Baum“ hieß es damals, und besonders beliebt war die Spiegelbar mit dem „gläsernen Parkett“.

Twiehaus: Brutal, nämlich mit dem Abriss, endete 2013 die Geschichte des Twiehauses in Israelsdorf. Seit 1921 war es von einer Familie betrieben worden. Die Geschichte der Gaststätte reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Lange war es ein beliebter Ausflugsort für Familien. Auch Livemusik gab es im Twiehaus. Doch am Ende konnte es, wie viele klassische Ausflugslokale am Stadtrand, den neuen Freizeitgewohnheiten nicht standhalten.

Kaisersaal: Noch heute gibt es im Funambules an der Obertrave „Kaisersaal- Partys“ für Nostalgiker. Dabei existiert die Disco dieses Namens in der Eschenburgstraße schon seit etwa 35 Jahren nicht mehr. In den 70er-Jahren war es der angesagte Tanzclub für die Jugend — und auch schon in den 60ern, als dort noch Livebands wie die Koasters spielten.

Underground: Nur drei Jahre, von 1990 bis 1993, gab es die Heavy-Metal-Kneipe an der Fackenburger Allee, aber vielen 50-Jährigen ist sie noch in guter Erinnerung. „Ich wollte keine Krawallkneipe haben“, erinnert sich der damalige Betreiber Torsten Uter (52), genannt „Turtle“. „Ich hatte unter den Gästen Steuerberater, Polizisten, alles.“ Was alle einte, war die Liebe zur lauten, harten Musik.

Theaterquelle: 1908 wurde das neue Stadttheater eröffnet, und ungefähr zur gleichen Zeit begann die Theaterquelle in der Fischergrube, Essen und Trinken für die Belegschaft anzubieten. Von 1979 bis zu ihrem Ende 2008 führte Uwe Hamer (1945-2013) die Kneipe, deren Wände mit alten Schauspielerporträts vollhingen. Hier verkehrten Arbeiter, Künstler und Intellektuelle — und viele sozialdemokratische Politiker.

Galaxis: Von 1982 bis 1995 residierte die berühmt-berüchtigte Disko an der Falkenstraße 45. Eltern hatten Angst um ihre Kinder, berichteten von Drogensüchtigen auf den Toiletten und Ratten, die über die Tische hüpften. Das war ziemlich übertrieben, aber ein toller Rockschuppen war die Disco allemal. Auf der Tanzfläche wurde viel Luftgitarre gespielt, das Flaschenbier war günstig, und die Lederjacke musste nicht an der Garderobe abgegeben werden.

Von Hanno Kabel

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