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Lübeck Angst und Schrecken auf der Krummesser Landstraße
Lokales Lübeck Angst und Schrecken auf der Krummesser Landstraße
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18:16 03.09.2016
Wulf-Heiner Kummetz auf seiner Hofeinfahrt: Er spricht von einer brisanten Gefahrenlage. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Der Cabrio-Fahrer hat es eilig. Er schießt mit seinem schicken Wagen mit weit mehr als 70 Sachen an der Grundschule vorbei. Dort gilt Tempo 50.

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Wulf-Heiner Kummetz auf seiner Hofeinfahrt: Er spricht von einer brisanten Gefahrenlage.

Doch auch das Tempo-70- Schild ein Stück weiter interessiert ihn überhaupt nicht. Der Motor heult auf. Das Caprio überholt mit mehr als 100 Stundenkilometern zwei Autos. Es ist der Alltag auf dem rund 2,5 Kilometer langen Straßenabschnitt zwischen der Grundschule Niederbüssau und dem Ortseingang von Krummesse. Der Ortstermin belegt: Innerhalb einer halben Stunde haben 30 Autofahrer die Straßenverkehrsordnung mit dem Bleifuß getreten.

Anwohner sprechen vom „täglichen Wahnsinn“. „Hier wird den ganzen Tag über Vollgas gefahren“, schimpft eine Frau. Wer eine Zeitlang die Verkehrssituation beobachtet, muss ihr Recht geben. Viele Autofahrer setzen die Geschwindigkeitsbegrenzungen außer Kraft.

„Wir fühlen uns hier von der Stadt absolut im Stich gelassen“, sagt Stephanie Ullrich. Die 45-jährige Übersetzerin und Lübecker Stadtführerin spricht von „russisch Roulette spielen, wenn wir als Anwohner vom Grundstück auf die Krummesser Landstraße einbiegen“. Man kann dann nur hoffen und beten, „dass nicht gerade wieder jemand wie verrückt überholt und einem dann ins Auto fährt“.

Stephanie Ullrich ist verwundert darüber, dass auf fast der gesamten Strecke der Kronsforder Landstraße Überholverbot herrscht, nicht aber im Bereich der Krummesser Landstraße, „wo Menschen direkt an der Straße wohnen und sich eine Grundschule befindet“. Sie fordert ein komplettes Tempolimit von 50 Stundenkilometern zwischen Grundschule und Ortseingang Krummesse. Außerdem müsse in diesem Streckenbereich striktes Überholverbot herrschen. Seit Jahren komme es immer wieder zu gefährlichen und tragischen Vorfällen.

Stephanie Ullrichs Mutter Helgard (74) berichtet, wie sie in Höhe des Hauses Krummesser Landstraße 31 mit ihrem Hund über die Straße ging. Das Tier war angeleint und trottete einen halben Meter hinter ihr her. Ein Auto überrollte den Hund und tötete ihn. Der Fahrer setzte seine Fahrt ungerührt fort. Helgard Ullrich kam mit dem Schrecken davon. Ihre Tochter ist fassungslos: „Katzen, Rehe Dachse und sonstige Wildtiere gehören zu den fast täglichen Opfern auf dieser Straße“.

Wulf-Heiner Kummetz hat ein Haus in der Krummesser Landstraße 62. Er bestätigt, was die Ullrichs beklagen; und auch er tritt für ein Überholverbot und Tempo 50 ein: „Die Beinahe-Unfälle haben eine erschreckende Dimension angenommen.“

Aber es bleibt nicht nur bei Beinahe-Unfällen. Im Juni bog Kummetz’ Frau in die Hofeinfahrt ein. Der Wagen direkt hinter ihr hielt, doch der Fahrer des nachfolgenden Autos überholte und rammte den abbiegenden Wagen. Die Autofahrerin erlitt schwere Prellungen und ein Schleudertrauma, der damals sechs Wochen alte Sohn blieb wie durch ein Wunder unverletzt. Kummetz, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Lübeck, warnt nicht nur vor Rasern, sondern auch vor gefährlichem Wildwechsel auf der Krummesser Landstraße. Die Zahl der Wildschweine habe stark zugenommen. Vor einem knappen Jahr musste er eine 70 Kilo schwere Bache und ihre zwei jeweils 30 Kilo schweren Frischlinge von der Straße bergen. Sie waren bei einer Kollision mit einem Auto getötet worden.

Kummetz beklagt, dass man nicht gefahrlos vom Grundstück aus in die Krummesser Landstraße einbiegen kann, weil es wegen der Lindenallee viele tote Winkel gibt und Autos mit hoher Geschwindigkeit nahen. Wie Sabine Heise aus der Krummesser Landstraße 29 fordert er seit Monaten in Schreiben an die Stadt, dass die Wassertriebe der Linden gekappt werden. Doch erst vor wenigen Tagen begannen Arbeiter mit dem Entfernen dieser wilden Triebe, die sich zu einer Sichtschutzwand entwickelt haben.

Sabine Heise schrieb bereits am 22. Februar an die Stadtverwaltung und bat um einen regelmäßigen Baumschnitt: „ . . . Diese Schößlinge sind in den letzten Jahren zum Teil von den Anwohnern entfernt worden, damit man sicher, ohne Sichteinschränkung, von den Grundstücken fahren kann.“

 Torsten Teichmann

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